Katastrophen haben weltweit zu rekordhohen versicherten Schäden geführt

Katastrophen haben weltweit zu rekordhohen versicherten Schäden geführt

Zürich – Das Jahr 2017 war für die globale Versicherungsbranche gemessen an der Schadenssumme aus Katastrophenereignissen das teuerste Jahr in der Geschichte. Insbesondere die Hurrikansaison im Nordatlantik mit den Sturmtiefs „Harvey“, „Irma“ und „Maria“ (HIM) haben rekordhohe Kosten verursacht. Doch auch nach Waldbränden, Gewittern und heftigen Niederschlägen leisteten die Versicherer hohe Zahlungen. Der Rückversicherer Swiss Re geht davon aus, dass Wirbelstürme künftig noch grössere Schäden verursachen könnten.

Der gesamte Versicherungsschaden weltweit aus Natur- und sogenannten Man-made-Katastrophen belief sich gemäss den Berechnungen des Swiss Re Institute auf 144 Milliarden US-Dollar. Das sei die bisher höchste Zahl, heisst es in der Mitteilung zu der am Dienstag publizierten sigma-Studie. Im Jahr 2016 leisteten die Versicherer 56 Mrd, was auch ziemlich genau dem inflationsbereinigten Durchschnittswert der vergangenen zehn Jahre entspricht.

Der wirtschaftliche Gesamtschaden aus Katastrophen belief sich im letzten Jahr gar auf 337 Milliarden Dollar, das ist verglichen zum Vorjahr beinahe das Doppelte. Damit ergebe sich für die Geschädigten eine Deckungslücke von insgesamt 193 Milliarden, so die Swiss Re.

Auch kamen mehr als 11’000 Menschen bei Katastrophen ums Leben, oder gelten seither als vermisst. Diese Zahl sei hingegen einer der niedrigsten Werte der vergangenen Jahre. Die meisten Opfer forderte mit 1’141 ein Erdrutsch und Überschwemmungen in Sierra Leone Mitte August.

Starke Wirbelstürme
Atmosphärisch bedingte Risikofaktoren bzw. Wirbelstürme in Stärkekategorien von 4 und mehr fallen in der Schadensbilanz 2017 besonders ins Gewicht. Die HIM-Katastrophen, die in der Karibik, Puerto Rico, Texas und Teilen von Westflorida in der zweiten Jahreshälfte Verwüstungen hinterlassen haben, waren allein für rund 92 Milliarden Dollar der versicherten Kosten verantwortlich. Das folgenschwerste Einzelereignis war mit einem versicherten Schaden von 32 Milliarden Hurrikan „Maria“.

Die drei Wirbelstürme „Harvey“, „Irma“ und „Maria“ seien in kurzer Folge an mehreren Orten auf Land getroffen und weite Teile des wirtschaftlichen Lebens beeinflusst, heisst es weiter. Zwar seien die endgültigen Schäden aus den HIM-Stürmen noch nicht bekannt, doch bereits heute gilt die nordatlantische Hurrikansaison 2017 als die bislang zweitteuerste. Nur das Jahr 2005, als „Katrina“ die Region New Orleans verwüstet hatte, war teurer.

Teuer kamen die Versicherer auch zahlreiche Waldbrände in Kalifornien und in weiteren Ländern zu stehen. Die Swiss Re schätzt den versicherten Gesamtschaden daraus auf 14 Milliarden Dollar; das ist Rekord. Grund dafür dürften laut Swiss Re die teils wärmeren Temperaturen und längeren Trockenperioden gewesen sein. Immer mehr Vermögenswerte seien dadurch dem Brandrisiko ausgesetzt, da etwa in den USA viele neue Häuser an der Schnittstelle von Wald und Siedlungsraum gebaut würden. Heftig waren 2017 zudem eine Reihe von Überschwemmungen, darunter solche in küstennahen Grossstädten wie Houston oder Mumbai.

Hurrikan-Risiko bleibt gross
Der Nordatlantik scheint sich weiterhin in einer aktiven Hurrikan-Phase zu befinden, blickt das Swiss Re Institute voraus. Es bestehe nach wie vor eine erhöhte Gefahr, dass sich schwere Wirbelstürme bilden und später auf Land treffen und dabei hohe Kosten verursachen würden. Ein Problem stelle die zunehmende Urbanisierung bzw. die Erschliessung ungeschützter Küstenbereiche dar. Auch spielten die Auswirkungen der globalen Erwärmung in Sachen Hurrikan-Risiko eine wesentliche Rolle und sie würden dies in Zukunft wohl in noch stärkerem Masse tun.

„Bei der Modellierung des Hurrikan-Risikos muss nicht nur die Stärke einzelner Stürme, sondern auch die Möglichkeit mehrerer Wirbelstürme innerhalb eines Jahres berücksichtigt werden“, wird Martin Bertogg, Leiter Catastrophe Perils bei Swiss Re, zitiert. „Das ist besonders aus Sicht des Risikomanagements wichtig, weil es den Versicherern – und letztendlich auch der Gesellschaft als Ganzes – hilft, sich besser auf künftige Ereignisse dieser Art vorbereiten zu können.“ (awp/mc/ps)

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