Lazard Asset Management: ESG in Schwellenländern – ein fortlaufender Prozess

Arif Joshi
Arif Joshi, Portfoliomanager Lazard Asset Management. (Foto: zvg)

Umwelt-, Sozial- und Governance-Faktoren (ESG) sind untrennbar mit den Fundamentaldaten von Schwellenländeranleihen verbunden. Starke ESG-Faktoren deuten tendenziell auf einen widerstandsfähigeren Schuldner hin, während schwache ESG-Merkmale erhebliche Risiken bergen können, wenn sie übersehen werden. Daher ist eine gründliche Analyse von ESG-Überlegungen ein entscheidender Bestandteil der Bottom-up-Fundamentalanalyse.

Die Entwicklung eines strengen ESG-Rahmens ist eine fortlaufende Reise und kein endgültiges Ziel. Anleger müssen ihren Ansatz kontinuierlich verfeinern, da sich der Markt in einem rasanten Tempo weiterentwickelt. Investoren sind mit einer scheinbar überwältigenden Menge an Daten zu ESG-Faktoren konfrontiert. Der Schlüssel zur Analyse liegt darin, die Fülle der verfügbaren Daten zu analysieren und die Indikatoren zu ermitteln, die für die finanzielle Leistung am wichtigsten sind. Die ESG-Daten zu den Schwellenländern haben immer noch ihre Grenzen und erfordern einen nuancierten Ansatz für die Analyse und Interpretation der Daten. Zum einen melden einige Schwellenländer entweder bestimmte Daten nicht oder diese werden als nicht zuverlässig eingestuft. Auch die Häufigkeit der Berichterstattung kann ein Problem darstellen, da bestimmte Datensätze nur selten und mit erheblicher zeitlicher Verzögerung aktualisiert werden. So deuten beispielsweise die politischen Unruhen in Weissrussland Ende 2020 auf erhöhte ESG-Risiken hin, die sich in den Daten bis weit ins Jahr 2021 nicht widerspiegeln.

Ein vorausschauender Ansatz
Um die Unzulänglichkeiten zu überwinden, sollten sich die Anleger auf einen stärker vorausschauenden Ansatz konzentrieren, indem sie die Daten gegebenenfalls anpassen, um Trends widerzuspiegeln. Die gesammelten Daten sollten es ermöglichen, die Entwicklung über einen aussagekräftigen Zeitraum zu verfolgen, Veränderungen – sowohl auf absoluter Basis als auch im Vergleich zu anderen Unternehmen – zu beobachten und die Faktoren, die diese Veränderungen bewirken, besser zu erkennen. Auf diese Weise lassen sich die Emittenten besser identifizieren, die sich auf einem Weg der Besserung (oder Verschlechterung) befinden, der in den jüngsten Daten möglicherweise noch nicht vollständig zum Ausdruck kommt.

So sollte beispielsweise ein Emittent wie die Elfenbeinküste, der eine niedrige ESG-Gesamtbewertung aufweist, aber an der Verbesserung seiner Ergebnisse arbeitet, nicht bestraft werden, weil er sich noch in einem frühen Entwicklungsstadium befindet. Der Sudan ist ein weiteres Beispiel. Obwohl das Land eine schlechte ESG-Bilanz aufweist, hat das neue zivil-militärische Regime mit dem IWF zusammengearbeitet, verfolgt eine Reformagenda und steht kurz vor einem umfangreichen Schuldenerlass.

Unabhängige Analyse
Es ist wichtig, sich nicht nur auf quantitative Massnahmen zu verlassen, sondern mit den Emittenten in Kontakt zu treten und eine qualitative Betrachtung zu machen. Indem wir beispielsweise in den Sudan gereist sind, um mit zivilen und militärischen Führungskräften über ihr Wirtschaftsprogramm und ihre Nachhaltigkeitsbemühungen zu sprechen, haben wir einen neuen Blick auf das Land und seine ESG-Bemühungen gewonnen, der bei einer reinen Zahlenanalyse nicht möglich gewesen wäre. Die sudanesische Regierung hat vorläufig bis zu 10 Infrastrukturprojekte identifiziert, die auf Solarenergie, das Stromnetz und den Strassenbau abzielen und durch eine indexfähige Darlehensbeteiligung in Höhe von 500 Millionen bis 1 Milliarde US-Dollar finanziert werden sollen. Wichtig ist, dass solche Möglichkeiten gründlich überwacht werden, indem Folgetreffen mit den verschiedenen beteiligten Parteien geplant werden.

Ebenso muss jedes Land sorgfältig auf die Risiken hin untersucht werden, die es in sich birgt. Katar ist ein spezifisches Beispiel für ein Land, bei dem wir glauben, dass der Markt die ESG-Risiken unterschätzt, da das Land in den Bereichen Kohlenstoffemissionen sowie Mitsprache und Rechenschaftspflicht besonders schlecht abschneidet. Wir sehen auch die Gefahr, dass in bestimmten Bereichen wie Arbeitsrechte, Diskriminierung und staatliche Repression ein wesentliches Ereignis eintritt. Unserer Ansicht nach stellen diese Faktoren ein Risiko für die langfristige Leistung und Kreditwürdigkeit des Landes dar. (Lazard Asset Management/mc/pg)

Arif Joshi, Portfoliomanager Lazard Asset Management

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