Lombard Odier Investment Managers: Ausblick auf die Lagebeurteilung der SNB

Lombard Odier Investment Managers: Ausblick auf die Lagebeurteilung der SNB
Von Philipp Burckhardt, Credit Analyst und Portfolio Manager, Lombard Odier Investment Managers. (Bild: Lombard Odier IM)

Wir gehen davon aus, dass sich der Ausblick für die Schweizer Wirtschaft seit der letzten geldpolitischen Lagebeurteilung der SNB verbessert hat und dies von ihr auch so reflektiert werden wird. Wir sind der Ansicht, dass die SNB den Schweizer Franken weiterhin als hoch bewertet sieht und mit Interventionen am Devisenmarkt aktiv bleibt. Seit den Höchstwerten im ersten Quartal 2020 haben sich diese Interventionen wieder auf tieferem Niveau eingependelt, was der SNB mehr Spielraum einräumt. Einen Zinsschritt schliessen wir in diesem Umfeld aktuell aus.

Waren im ersten Halbjahr 2020 noch alle Augen auf COVID-19 und dessen Auswirkungen gerichtet, stellt sich aktuell die Frage, ob die damit einhergehenden Unsicherheiten überwunden und genauere Prognosen gewagt werden dürfen. Die EZB hat dies kürzlich für den grössten Handelspartner der Schweiz klar bejaht, da in ihren Augen die aktuell verfügbaren Daten auf eine «starke Konjunkturerholung» deuten. Im Vergleich dazu waren der Einbruch der Aktivitätsindikatoren wie KOF oder PMI in der Schweiz deutlich weniger akzentuiert als der PMI der Eurozone, welcher im April bei 13.6 notierte (Jahrestiefstwerte Schweiz: PMI 40.7 im April und KOF 53.2 im Mai); insofern wäre eine ähnlich optimistische Einschätzung durchaus angebracht. Das Schweizer BIP stand im zweiten Quartal 2020 zwar bei -8.2% QoQ, hat aber die zu vorsichtigen Erwartungen von -9% übertroffen, und darüber hinaus scheinen auch hier die verfügbaren makroökonomischen Daten auf eine starke Erholung in der zweiten Jahreshälfte hinzudeuten. Vor allem der Handel und die Industrie waren im zweiten Quartal noch stark rückläufig und könnten wieder aufholen.

Die expansive Geld- und Fiskalpolitik haben Ausfälle verhindert, aber wohl auch einen Grossteil etwaiger Probleme auf die lange Bank geschoben. Daher verwundert es nicht, dass eine weiterhin expansive Haltung vonnöten ist. Wäre die SNB diesbezüglich zu wenig aggressiv, würde sie ihre Position auf Seiten der Devisenintervention schwächen. Unlängst hat sich auch die EZB relativ deutlich über den nicht grundlos erstarkten Wechselkurs geäussert – er ist und bleibt ein zentrales Thema. Der Schweizer Franken bleibt nämlich weiterhin hoch bewertet, auch wenn der Euro zum Schweizer Franken zulegen konnte, da der US Dollar im gleichen Zeitraum abgewertet hat. Insofern scheint wahrscheinlich, dass die Inflation über längere Zeit unter dem Mandat der Preisstabilität der SNB auf tiefem Niveau verharren wird. Eine symmetrische Interpretation ebendieses, wie neulich von der Fed während deren Jackson Hole Symposium propagiert, muss für die SNB nicht unbedingt zielführend sein, da in den letzten Jahren das Erreichen der angestrebten 2% praktisch utopisch waren. Warum sollte dies durch einen höheren Zielwert plötzlich möglich sein?

Es ist auch anzunehmen, dass die SNB ihre Verteidigung der Deviseninterventionen verbaler ausführen wird, da im überfälligen Bericht des US Finanzdepartements der Schweizer Franken langsam ins Rampenlicht rücken wird. Vor dem Hintergrund aber, dass der Beobachtungszeitraum des nächsten Berichts wohl im Dezember 2019 endet, könnte sich die Schweiz der Bezichtigung der Währungsmanipulation durch das US Finanzdepartement noch ein letztes Mal entziehen. Spätestens im neuen Jahr scheint aber unausweichlich, dass die Schweiz alle drei diesbezüglichen Kriterien erfüllen wird. Dann wird sich zeigen, ob die USA dieses Instrument lediglich als Druckmittel für die grossen Wirtschaftsräume sieht, oder ob auch kleine offene Volkswirtschaften wie die Schweiz Massnahmen einleiten müssten. Nicht zuletzt könnte das Ergebnis der US Präsidentschaftswahlen hier auch noch seinen Part beitragen.

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