Markt für Katastrophenanleihen steuert laut Studie auf erneutes Rekordjahr zu
Zürich – Der globale Markt für Katastrophenleihen dürfte im laufenden Jahr den Höchstwert vom Vorjahr noch übertreffen. Nach einem ruhigen dritten Quartal dürfte die Emissionstätigkeit im Schlussquartal 2026 deutlich anziehen, heisst es in einer Studie des französischen Rückversicherers Scor.
Bis Ende September seien bisher Katastrophenleihen im Umfang von 18,5 Milliarden US-Dollar emittiert worden, so der am Montag von Scor veröffentlichte ILS-Marktbericht weiter. Bei einer absehbaren regen Emissionstätigkeit werde bis zum Jahresende wohl der bisherige Rekord von rund 25 Milliarden Dollar aus dem Jahr 2025 übertroffen werden.
Ruhige Katastrophensaison
Geprägt wird der Markt derzeit von einer aussergewöhnlich ruhigen Naturkatastrophensaison: So hatten im dritten Quartal laut der Studie weder Hurrikane in den USA noch Taifune in Japan «nennenswerte versicherte Schäden» verursacht. Kursanstiege am Sekundärmarkt und damit sinkende Renditendifferenzen zu risikolosen Anleihen (Spreads) dürften potenzielle «Cat Bond»-Emittenten nun dazu veranlassen, weitere Anleihen zu emittieren.
Gleichzeitig sinken derzeit die Preise für traditionelle Rückversicherungen deutlich: Laut der Scor-Studie gingen die risikobereinigten Rückversicherungstarife in den USA bei den Vertragserneuerungen im Juni und Juli 2026 gegenüber dem Vorjahr um 15 bis 20 Prozent zurück.
Zugleich seien sowohl die traditionellen Rückversicherungs- wie auch die ILS-Märkte («Insurance linked securities») gut kapitalisiert. Das habe etwa auch das Branchentreffen in Monte Carlo im September gezeigt, betonen die Scor-Experten. Für die Vertragserneuerungen im Januar 2027 rechneten die Marktteilnehmer mit einer weiteren, wenn auch moderateren Abschwächung der Preise.
Interessante Renditen
Katastrophenanleihen werden von Versicherungsgesellschaften oder auch von Spezialgesellschaften ausgegeben. Dabei wird das von den Anlegern eingenommene Geld beim Eintreten einer bestimmten Naturkatastrophe für die Deckung der Schäden eingesetzt. Tritt das Katastrophenereignis bis zum Ende der Laufzeit nicht ein, erhalten die Investoren das Geld zurück.
Das Gesamtvolumen der ausgegebenen Katastrophenanleihen lag per Mitte Jahr bei knapp 65 Milliarden Dollar, hiess es in einem vergangene Woche veröffentlichten Bericht des Asset Managers GAM, der im «Cat Bond»-Bereich Partner von Swiss Re ist. Wichtigste versicherte Ereignisse sind demnach Hurrikane in den USA, doch werden zunehmend Risiken aus Erdbeben, Waldbränden, schweren Gewittern oder Überschwemmungen auch in Europa und Asien versichert.
Trotz der Unvorhersehbarkeit von Naturkatastrophen hätten sich solche diversifizierte «Cat Bonds»-Portfolios insgesamt sehr konsistent entwickelt, betonen die GAM-Experten. Laut dem «Swiss Re Cat Bond Total Return Index» lag die annualisierte Rendite von Februar 2002 bis März 2026 bei 7,7 Prozent. Interessant für Anleger ist neben der Rendite auch eine tiefe Korrelation mit anderen traditionellen Anlageklassen. (awp/mc/pg)