EFG International übernimmt die Privatbank BSI

Joachim Strähle

 Joachim Strähle, CEO EFG International (Foto: EFG)

Zürich – In der Schweizer Privatbankenbranche kommt es zu einer Grossfusion: Die EFG Group übernimmt die fast gleich grosse Tessiner BSI von der brasilianischen BTG Pactual. Gemessen an den verwalteten Vermögen würde das Institut künftig zu den fünf grössten Privatbanken zählen. Die EFG-Aktie wird am Montag abgestraft.

Der Kaufpreis für BSI wird auf rund 1,33 Mrd CHF beziffert. 975 Mio CHF sollen in bar an BTG fliessen sowie 52,6 Mio EFG-Aktien. Je nach Entwicklung der Nettoneugelder sowie des materiellen Buchwerts seien Anpassungen nicht ausgeschlossen. Angesichts eines geschätzten IFRS-Buchwertes von BSI von rund 1,43 Mrd CHF zahle man nach heutigem Stand jedoch keine Prämie, sagte Deputy CEO und CFO, Giorgio Pradelli, am Montag.

Verwaltete Vermögen von 170 Mrd Franken
Zusammen verfügen BSI und EFG über 860 Kundenberater und verwaltete Vermögen von rund 170 Mrd CHF. Ein kombiniertes Institut würde auf einen Schlag Banken wie Vontobel oder Safra Sarasin überholen und sich hinter UBS, Credit Suisse, Julius Bär und Pictet einreihen.

Es handle sich um eine «reine Schweizer Lösung», und die Transaktion sei im besten Interesse des Finanzplatzes Schweiz, so CEO Joachim Strähle. BSI-CEO Stefano Coduri erwähnte am Rande der Medienkonferenz zudem, dass rund 80 Mrd CHF Assets under Management für eine Privatbank, die in 20 verschiedenen Ländern tätig ist, angesichts des regulatorischen und technischen Aufwands keine kritische Masse mehr darstelle.

Gleichberechtiges Management?
Vorbehaltlich der Zustimmung durch die Aktionäre und die Aufsichtsbehörden wird bei EFG mit dem Abschluss der Transaktion im vierten Quartal gerechnet. Dann soll auch die neue Führungsstruktur kommuniziert werden. Zürich, Genf und Lugano sollen «wichtige Standorte» bleiben; Hauptsitz wird jedoch Zürich.

Bis Ende 2017 ist die Migration auf eine einheitliche IT-Plattform geplant. Klar ist, dass damit Stellen wegfallen werden. Wie hoch der Abbau ausfallen wird, könne aber noch nicht beziffert werden, so Strähle. Die jeweiligen Kostenprogramme von EFG und BSI, die bereits gestartet seien, würden indes fortgesetzt. Bis 2019 sollen sich aus der Fusion Kostensynergien pro Jahr von rund 185 Mio CHF vor Steuern ergeben, was etwa 15% der derzeitigen kombinierten Kostenbasis entspricht.

Bereits 2018 soll sich die Transaktion positiv auf den Gewinn pro Aktie auswirken, selbst wenn rund 5 bis 10% der verwalteten Vermögen verloren gingen.

Finanzierung gesichert
Finanziert werden soll das Ganze mithilfe einer Kapitalbeschaffung im zweiten Quartal von insgesamt 750 Mio CHF. Teil dieser ist ein Bezugsrechtsangebot in Höhe von 500 Mio CHF sowie Additional-Tier-1-Instrumenten. Die EFG Group sowie internationale Investmentbanken werden sich am Bezugsrechtsangebot beteiligen. Falls dieses nicht erfolgreich ist, wollen EFG und BTG Pactual zusätzliche Aktien oder AT1-Instrumenten zeichnen.

BTG wird mit dem BSI-Verkauf einen Anteil von rund 20% an EFG halten. Im Zuge des Bezugsrechtsangebots könnte der Aktienanteil auf bis zu 30% steigen.

Während sich die EFG froh gibt, selbst «Konsolidierer» zu sein und kein Übernahmeziel, ist eine Integration dieser Grössenordnung allerdings mit vielen Risiken behaftet: Von den auf 200 Mio CHF geschätzten Implementierungskosten wird ein Grossteil für die Aufrüstung der IT anfallen. Wobei wohl noch nicht feststeht, welche Plattform es wird. Allerdings hat BSI vor knapp zwei Wochen kommuniziert, seinen Anteil an der B-Source vollständig an die Avaloq Gruppe zu verkaufen. B-Source ist ein Unternehmen für IT-Outsourcing im Bankenbereich und wurde von der BSI 1995 unter dem Namen Boss Lab gegründet.

Zu klären sein werden bei «EFG I BSI» auch die unterschiedlichen Vergütungsstrukturen. Pauschal könne er nicht sagen, ob die EFG-Löhne nach unten oder die BSI-Löhne nach oben angepasst würden, sagte Strähle. Man werde individuell schauen müssen sowie auch differenziert nach Regionen.

Mutiger Deal
Wie immer bei solch grossen Transaktionen ist das Halten von wichtigen Mitarbeitern ausschlaggebend, aber auch die richtige Umsetzung. Am Markt wird denn auch von einem mutigen Schritt gesprochen. Die Kosteneinsparungen erschienen allerdings nicht sehr ambitioniert, die Implementierungskosten dagegen hoch. Auch wird auf die fehlende Erfahrung von EFG mit Übernahmen verwiesen. Mangels kritischer Masse sei EFG jedoch fast schon zum Zukaufen verdammt gewesen, heisst es bei der ZKB.

Angesichts der grossen Neuigkeiten findet indes der EFG-Jahresabschluss am Montag kaum Beachtung. Der Reingewinn nach IFRS erreichte 2015 57,1 Mio CHF verglichen mit 61,4 Mio im Jahr davor, und der zugrundeliegende Reingewinn ging um 30% zurück auf 91,1 Mio CHF. Die Nettoneugelder sowie die verwalteten Vermögen konnten derweil gesteigert werden. Die Aktionäre kommen in den Genuss einer unveränderten Dividende von 0,25 CHF je Aktie.

An der Börse schloss die Aktie mit einem überdurchschnittlichen Minus 9,1% auf 6,09 CHF. Der Gesamtmarkt ist dagegen mit Gewinnen aus dem Handel gegangen (SPI: +1,2%). (awp/mc/pg)

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