Mit innovativen Unternehmen dem trüben Wirtschaftsklima trotzen

Suneil Mahindru

von Suneil Mahindru, Chief Investment Officer für internationale Aktien, Goldman Sachs Asset Management. (Foto: GSAM)

Zürich – Die Aktienmärkte haben sich 2015 weltweit uneinheitlich entwickelt. Während Europa und Japan die meisten Märkte geschlagen haben, war die Ausbeute in den USA und den Emerging Markets enttäuschend. Auch wenn wir für 2016 wieder schwierige Marktbedingungen erwarten, bleiben Aktien unsere erste Wahl.

Das globale Wirtschaftswachstum wird 2016 – nach einer gewissen Abkühlung im vergangenen Jahr – wieder leicht steigen. Dies sollte reichen, um die Profitabilität der Unternehmen aufrechtzuerhalten und die Aktienkurse höher zu treiben. Die Zentralbanken werden jedoch vor dem Hintergrund des immer noch fragilen Weltwirtschaftswachstums an ihrer lockeren Geldpolitik festhalten. Die Europäische Zentralbank und die Bank of Japan könnten infolge der unter den Zielwerten liegenden Inflationsraten die Zinsen in der zweiten Jahreshälfte noch weiter senken. Der wirtschaftspolitische Kurs Chinas hingegen ist weniger berechenbar, denn im Land der Mitte müssen die politischen Entscheidungsträger konkurrierende Ziele hinsichtlich Wachstum und Reformen in Einklang bringen. Eine weitere Abwertung des Yuan durch die People’s Bank of China ist vermutlich wahrscheinlich.

Aktien werden daher in einem erneut von niedrigen Renditen geprägten Jahr weiter besser abschneiden als die meisten anderen Anlageklassen. Doch eine Renditeentwicklung prognostizieren zu wollen käme dem Versuch einer weltweiten Wettervorhersage gleich. Investoren sollten daher über den Tellerrand der Schlagzeilen, Durchschnittswerte und Gesamtzahlen blicken.

USA – die anderen 496 Aktien
Die niedrigen Wachstumsraten trieben Investoren im vergangenen Jahr dazu, Wachstum um jedem Preis zu suchen. Das Ergebnis am Ende des Jahres lautete: FANG (Facebook, Amazon, Netflix, Google) +75 Prozent, die restlichen 496 Aktien des S&P 500-Index landeten bei -2 Prozent (1). Diese extreme Dynamik führte zu Marktumständen, von denen versierte Stock-Picker 2016 profitieren können. Viele Marktteilnehmer werden sich auf fundamentale Unternehmensbewertungen zurückbesinnen, bedingt durch das grosse Risiko der teuer gehandelten Aktien und der relativ hohen Attraktivität jener Aktien, die unterhalb der Marktmultiplikatoren gehandelt werden. Somit könnte 2016 eine Spiegelung von 2015 werden, in dem die schlechte Performance weniger gut bewerteter Aktien durch die positive Entwicklung hunderter anderer Aktien ausgeglichen wird.

Europa – Geringes Wachstum könnte weit reichen
In Europa interessieren uns insbesondere Unternehmen, die stärker von der Erholung am europäischen Markt abhängen und weniger von den Emerging Markets. Europäische Aktien könnten davon profitieren, dass das Gewinnwachstum am heimischen Markt wieder aufholt. Das wäre bereits bei einer nur moderaten Zunahme des Wirtschaftswachstums möglich. Zwar steht die wirtschaftliche Erholung in der Eurozone noch am Anfang, aber die Bilanzen europäischer Unternehmen sind kerngesund und der M&A-Bereich entwickelt sich weiterhin lebhaft.

Japan – Verhaltenswandel bei Unternehmen und Verbrauchern
Hinsichtlich eines langsamen ökonomischen und inflationären Wachstum Japans bleiben wir optimistisch. Unser Fokus liegt aber auf den Unternehmensgewinnen, der Wirtschaftlichkeit und Reformen des Landes, die Investments in japanische Unternehmen viel attraktiver machen, als in den letzten Jahrzehnten. Der Ausblick auf die Gewinne japanischer Unternehmen ist ungefähr gleich auf mit Europa. Die Unternehmensrentabilität ist bereits auf Rekordniveau, ein Resultat des schwachen Yen sowie der Jahre der Umstrukturierung. Unternehmen haben geliefert und die Bilanzen sind die gesundesten der letzten zwei Jahrzehnte.

Entscheidend sind zudem die signifikanten Beweise für die Verbesserung der Unternehmensführung und Aktionärsorientierung von vielen Unternehmen, inklusive mehr unabhängigen Chefs, weniger Überkreuzbeteiligung und einen deutlichen Anstieg der Aktienrückkaufe und Dividenden.

Emerging Markets – Makro ist nicht alles
Bei den Emerging Markets hängt die makroökonomische Entwicklung neben den heimischen Faktoren auch von externen Einflüssen ab. Die grössten sind derzeit die niedrigen Ölpreise und der Rückgang der Industrieproduktion in China, der sich direkt negativ auf eine Reihe asiatischer Länder auswirkt. Einzig Indien sticht positiv aus den Schwellenländern heraus. Das Makroumfeld des Landes ist günstiger, als es jemals zuvor in den vergangenen fünf Jahren war.

Trotz der aktuell schwächelnden Emerging Markets bleiben wir hier weiterhin investiert, denn für uns ist es wichtiger in Unternehmen zu investieren, als in Märkte oder Volkswirtschaften. Bei genauerem Hinsehen bieten sich hier nämlich Anlagechancen, die überzeugend genug sind, um das Risiko wettzumachen. So halten einige Banken in Kolumbien und Peru in ihren kleinen Märkten einen so grossen Marktanteil und verfügen über so hohe Preismacht, dass sie potenziell auch dann florieren, wenn die niedrigen Rohstoffpreise viele lateinamerikanische Volkswirtschaften negativ beeinflussen.

Fazit
Um die vorangegangenen Ausführungen auf einen Nenner zu bringen: Wir suchen überall nach innovativen Unternehmen mit differenzierten Angeboten und starken Marken. Unternehmen, die wettbewerbsfähig und langfristig erfolgreich sein werden. Wir sind davon überzeugt, dass sich Investoren gerade jetzt in den Emerging Markets gut für den Zeitpunkt positionieren können, wenn es an den dortigen Aktienmärkten wieder aufwärtsgeht. Das passiert in der Regel, noch bevor sich das Makroumfeld erholt. (GSAM/mc/pg)

Über Goldman Sachs Asset Management:
Goldman Sachs Asset Management ist der Asset-Management-Bereich der Goldman Sachs Group, Inc. (NYSE-Symbol: GS). Per 30. September 2015 belief sich das von diesem Geschäftsbereich verwaltete Vermögen auf 1,028 Billionen US-Dollar. Goldman Sachs Asset Management bietet seit 1989 diskretionäre Anlageberatungsleistungen an und beschäftigt Investment-Spezialisten an allen grossen Finanzplätzen der Welt. Das Unternehmen bietet institutionellen Investoren und Privatkunden auf der ganzen Welt Investmentstrategien, die sich auf eine breite Palette von Anlageklassen erstrecken. Goldman Sachs wurde 1869 gegründet und gehört zu den führenden, global tätigen Investmentbanking-, Wertpapier- und Vermögensverwaltungshäusern. Sie betreut weltweit einen breit gefächerten Kundenstamm, zu dem Unternehmen, Finanzinstitutionen, staatliche Stellen und vermögende Privatpersonen gehören.

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