Moody’s erspart Spanien weitere Herabstufung – Märkte erleichtert

Mariano Rajoy
Spaniens abgewählter Ministerpräsident Mariano Rajoy.

Spaniens Ministerpräsident Mariano Rajoy.

Madrid / London – Erleichterung in Spanien: Die Ratingagentur Moody’s hat dem krisengeschüttelten Euro-Schwergewicht eine befürchtete Herabstufung der Kreditwürdigkeit auf Ramschniveau erspart. Das US-Unternehmen entschied in der Nacht zum Mittwoch überraschend, die Bonitätsnote bei «Baa3» – und damit auf einer Stufe über dem gefürchteten Ramschniveau – zu belassen. Auf den Märkten war eine Herabstufung befürchtet worden, nachdem Moody’s im Juni eine weitere Zurücksetzung der Note angedroht hatte.

Die Bestätigung der Kreditbewertung sorgte auf den Märkten bei spanischen Staatsanleihen am Mittwoch für eine deutliche Entspannung. Die Rendite richtungsweisender Anleihen mit einer Laufzeit von zehn Jahren fiel am Nachmittag um 0,34 Prozentpunkte auf 5,43 Prozent, den tiefsten Stand seit Anfang April. Bei anderen Laufzeiten gaben die Renditen ähnlich stark nach. Der Zinssatz für zehnjährige spanische Staatsanleihen entfernt sich damit weiter von den Höchstwerten in einer Grössenordnung von 7,0 Prozent, die im Sommer während der jüngsten Zuspitzung der Schuldenkrise erreicht worden waren. Derart hohe Renditen gelten gemeinhin als nicht lange finanzierbar.

Hängepartie um Hilfsantrag
Auch die spanische Regierung reagierte erleichtert. «Das ist eine sehr gute Nachricht», sagte Staatssekretär Jaime García-Legaz. «Sie bedeutet, dass die Zinsaufschläge für Staatsanleihen sinken werden und der Staat weniger Geld für die Refinanzierung seiner Anleihen ausgeben muss.» Die spanische Presse führte die Entspannung auf den Märkten allerdings auch darauf zurück, dass die Anleger von einer neuen Hilfsaktion der EU für Spanien ausgingen.

Seit Wochen wird darüber spekuliert, ob die Madrider Regierung in Brüssel einen neuen Hilfsantrag vorlegen wird. Ministerpräsident Mariano Rajoy wollte nach Angaben aus Regierungskreisen am Abend am Rande des Parteitags der Europäischen Volkspartei (EVP) in Bukarest mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) zu einem bilateralen Treffen zusammenkommen.

Lobende Worte von Moody’s
Rajoy wollte sich in der rumänischen Hauptstadt wie auch auf dem EU-Gipfeltreffen in Brüssel für die baldige Schaffung einer europäischen Bankenaufsicht einsetzen. Dieses Anliegen ist Spanien sehr wichtig, denn ohne eine EU-Bankenkontrolle können die maroden spanischen Banken keine Direkthilfen aus den EU-Rettungsfonds erhalten.

Moody’s begründete das Urteil damit, dass die Lage in Spanien sich gebessert habe: Das Land laufe nicht mehr Gefahr, vom Kapitalmarkt abgeschnitten zu werden. Zudem habe die Regierung ihre Reformbereitschaft gezeigt. Überdies schreite der Umbau des kriselnden Bankensektors voran.

Ausblick bleibt «negativ»
Allerdings bleibt der Ausblick «negativ», das heisst, dass Moody’s das Land weiterhin genau beäugt und es künftig zu einer Abstufung kommen könnte. Die andere grosse Ratingagentur Standard & Poor’s hatte die Bonität des schuldengeplagten Euro-Landes erst in der vergangenen Woche auf «BBB-» gesenkt – was der jetzt bestätigten Moody’s-Note «Baa3» entspricht. Auch bei der dritten grossen Ratingagentur Fitch steht Spanien auf «BBB-«. Ein Abrutschen um eine Stufe auf Ramschniveau könnte die Kreditaufnahme erheblich erschweren und verteuern.

Nicht nur spanische Staatsanleihen profitierten von der Entspannung an den Märkten. Im Fahrwasser konnten auch die anderen Euro-Problemfälle stark profitieren. So fiel die Rendite für zweijährige Staatstitel aus Italien am Morgen erstmals seit Mitte März wieder unter die Marke von 2,0 Prozent. Portugal sammelte zu deutlich günstigeren Konditionen frisches Geld ein als zuletzt. Die als sicherer Hafen geltenden deutschen Anleihen gerieten im Gegenzug unter Druck. Dennoch muss der Bund nach wie vor kaum Zinsen bieten, um seine Schuldverschreibungen am Markt zu platzieren. (awp/mc/upd/ps)

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