Moody’s stuft Athens Kreditbewertung weiter ab

Griechenland

Weiterhin dunkle Wolken über Athen. Bild: Parlamentsgebäude.

London – Die US-Ratingagentur Moody’s hat Griechenland nach einem weiteren milliardenschweren Rettungspaket für das hochverschuldete Land erneut zurückgestuft. Nach zuletzt «Caa1» laute die neue Bewertung für das Eurozonen-Land «Ca», hiess es in einer am Montag veröffentlichten Mitteilung.

Die Bewertung griechischer Staatsanleihen belässt Moody’s damit weiter auf «Ramsch-Niveau» und verzichtet vorerst auf eine Bewertung als Zahlungsausfall («Default»). «Ca» ist die schlechteste Note über einem Kreditausfall. Ein Ausfall wird bei «Moody’s» mit der Note «C» gekennzeichnet.

Euro im frühen Handel leicht unter Druck
Der Ausblick der Kreditbewertung bezeichnete Moody’s als vorerst noch offen («outlook developing»). Damit beschreibt die Agentur die «aktuelle Unsicherheit über den exakten Marktwert der Kreditsicherheiten». In ersten Reaktionen äusserten sich Experten aber zurückhaltend zu den Folgen der Moody’s-Abstufung an den Finanzmärkten. Mit dem neuen Rettungspaket für Griechenland habe der EU-Sondergipfel in der vergangenen Woche einen kurzfristigen Zahlungsausfall «billigend in Kauf genommen», hiess es in einer Einschätzung der HSH Nordbank. Daher werde die jüngste Bewertung durch Moody’s an den Finanzmärkten «kaum Folgen haben». Im frühen Handel fiel der Kurs des Euro auch nur leicht zurück und stand bei 1,4350 US-Dollar, nachdem er zuvor zeitweise auf ein Tagestief bei 1,4344 Dollar gesunken war. Allerdings werde die Gemeinschaftswährung auch von der jüngsten Zuspitzung der Schuldenkrise in den USA gestützt. Deutsche Staatsanleihen verzeichneten nach dem Moodys-Rating leichte Kursgewinne. Die Rendite für griechische Staatsanleihen mit einer Laufzeit von zehn Jahren veränderte sich kaum.

«Zeit gekauft»
Durch das neue Rettungspaket für Griechenland werde für das hoch verschuldete Land «Zeit gekauft», hiess es weiter in der Stellungnahme von Moody’s. Das in der vergangenen Woche verkündete Rettungsprogramm für Griechenland bedeute für die privaten Gläubiger des Landes allerdings «substantielle ökonomische Verluste». Moody’s führte in der Stellungnahme eine Schätzung der Internationalen Bankenvereinigung (IIF) zu den möglichen Verlusten für die Besitzer griechischer Staatsanleihen an – demnach dürften die Verluste bei mehr als 20 Prozent liegen. Die Wahrscheinlichkeit eines notgedrungen Umtauschs von griechischen Staatsanleihen in Papiere mit einer längeren Laufzeit liegt nach Einschätzung der Moody’s-Experten bei «nahezu 100 Prozent». Das heisst, nahezu alle Banken und Versicherungen, die derzeit griechische Staatsanleihen halten, dürften das geplante Umtauschangebot annehmen. Ein solcher Umtausch wird von der Agentur weiterhin als ein Zahlungsausfall gewertet.

Moody’s will nach Umtausch über die Bücher
Moody’s kündigte weiter an, nach dem Abschluss des geplanten Umtauschs von griechischen Staatsanleihen, die Kreditrisiken aller bestehenden Anleihen und aller von der Regierung in Athen neu vergebenen Papiere zu bewerten. Immerhin sieht die Ratingagentur auch wachsende Anzeichen, dass sich die finanzielle Lage Griechenlands in den kommenden Jahren stabilisieren könnte. Das Land «könnte seine Schuldenlast möglicherweise reduzieren». Griechenland habe auch nach dem Paket ein Solvenz-Problem, schreibt Moody’s. Der Schuldenstand dürfte für viele Jahre über 100 Prozent der Wirtschaftsleistung liegen. Zudem sei die Umsetzung der beschlossenen haushaltspolitischen und wirtschaftlichen Reformen gefährdet. (awp/mc/upd/ps)

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