Moody’s stuft Spanien um gleich drei Noten herab

Luis de Guindos
Spaniens Wirtschaftsminister Luis de Guindos.

Weiteres Ungemach für Spaniens Wirtschaftsminister Luis de Guindos.

London – Die Ratingagentur Moody’s hat die Kreditwürdigkeit von Spanien gleich um drei Noten gesenkt. Die Bonitätsnote werde von «A3» auf «Baa3» reduziert, teilte Moody’s am Mittwoch in London mit. Damit liegt die Kreditwürdigkeit nur noch eine Note über dem sogenannten Ramschniveau. Zudem droht Moody’s gleich eine weitere Herabstufung an. Eine Entscheidung soll hier spätestens in drei Monaten erfolgen.

Das von den Euro-Finanzministern am vergangenen Samstag zugesagte Hilfspaket in Höhe von 100 Milliarden Euro zur Rekapitalisierung der Banken, werde die Schuldenlast des Landes weiter steigen lassen, schreibt Moody’s. Dabei sei die Verschuldung bereits im Verlauf der Finanzkrise deutlich gestiegen. Spanien habe nur noch einen sehr beschränkten Zugang zu den Finanzmärkten, heisst es bei Moody’s. Das Land erhalte fast nur noch Geld von den nationalen Banken, die von der Europäischen Zentralbank (EZB) grosszügig mit Liquidität versorgt würden. Zudem belaste die anhaltende Schwäche der spanischen Wirtschaft die Finanzkraft des Landes. Moody’s hat zudem die Bewertung des spanischen Bankenrettungsfonds FROB um drei Noten auf «Baa3» gesenkt.

Ob das Land weiter herabgestuft werde, hänge von den Bedingungen der Hilfe und der Form der Bankenrekapitalsierung ab, schreibt Moody’s. Auch mögliche weitere Initiativen auf der Ebene der Eurozone spielten eine Rolle. Die Gefahren für das Rating von Spanien und anderer Euro-Länder würden zudem steigen, falls das Risiko eines Austritts Griechenlands aus der Eurozone zunehme. Moody’s bewertet damit Spanien noch schlechter als die Konkurrenten Standard & Poor’s (BBB+) und Fitch (BBB).

Spanische Rendite steigt nach Herabstufung auf Rekordhoch
Für Spanien werden die Einschläge immer heftiger: Nachdem das Euro-Schwergewicht am Mittwochabend von der Ratingagentur Moody’s abgestraft wurde, ziehen Anleger am Donnerstag nach. Zum Handelsauftakt kletterte die Rendite für richtungsweisende zehnjährige Staatsanleihen um mehr als zehn Basispunkte bis auf 6,858 Prozent und erreichte damit den höchsten Stand seit Einführung der Gemeinschaftswährung. In den kürzeren Laufzeiten fiel die Dynamik sogar noch stärker aus, wenngleich die Rekordstände noch etwas entfernt waren: Bei zweijährigen Titeln zog die Rendite um über 20 Basispunkte auf bis auf 5,062 Prozent an, bei fünfjährigen Papieren um 18 Basispunkte auf bis zu 6,233 Prozent.

Auch deutsche Titel auf Verkaufslisten
Neben italienischen Staatsanleihen, die sich im Krisenverlauf meist parallel zu den spanischen Pendants entwickeln, gerieten auch die deutschen Titel auf die Verkaufslisten. Die bislang als besonders sicher geltenden Bundesanleihen drohen damit, in den Abwärtssog der europäischen Schuldenkrise zu geraten. Diese Entwicklung hatte sich schon in den vergangenen Tagen abgezeichnet. Anleger würden angesichts der jüngsten Zuspitzung massiv Mittel aus dem Euroraum abziehen, und auch deutsche Staatstitel seien zunehmend unter Druck, sagte ein Händler. Inzwischen werde die Eurozone auf breiter Front von Investoren «verprügelt».

Erst am Wochenende hatte Madrid angekündigt, unter den Euro-Rettungsschirm zu schlüpfen, um Hilfsgelder zur Sanierung des maroden Bankensektors erhalten zu können.

Bonität Zyperns um zwei Stufen gesenkt
Angesichts der Unsicherheiten zum Verbleib Griechenlands in der Eurozone hat der Ratingagentur Moody’s gleichzeitig mit Spanien die Kreditwürdigkeit Zyperns herabgestuft. Wie Moody’s am Mittwochabend weiter mitteilte, wurde die Bonitätsnote des Euro-Landes um zwei Stufen von «Ba1» auf «Ba3» gesenkt. Eine weitere Herabstufung werde geprüft. Zur Begründung hiess es, dass bei einem Austritt Griechenlands die Wahrscheinlichkeit für weitere Hilfen der zyprischen Regierung an die angeschlagenen Banken des Lande zunehmen werde, und das bei bereits angespannter Kassenlage.

Zypern bleibt auf «watch list»
Die Bonität Zyperns bleibe unter Beobachtung, da das Risiko eines Euro-Austritts Griechenlands mit seinen Auswirkungen auf die zyprischen Finanzen nach den Wahlen in Griechenland am kommenden Sonntag weiter steigen könnte, teilte Moody’s weiter mit. Die zyprischen Banken sind eng mit den griechischen Geldhäusern verwoben. Anfang der Woche hatte die Regierung in Nikosia nicht ausschliessen wollen, für die Banken ebenfalls Hilfen aus dem europäischen Rettungsschirm in Anspruch nehmen zu müssen. Bisher nehmen drei Eurostaaten – Griechenland, Portugal und Irland – internationale Finanzhilfen in Anspruch. Spanien wird seinen Antrag auf Bankenhilfe demnächst stellen.

Zypern hat mit etwa 17,5 Milliarden Euro Wirtschaftsleistung eine der kleinsten Volkswirtschaften der Eurozone. (awp/mc/ps)

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