Munich Re sieht Gewinnziel in Gefahr

Nikolaus von Bomhard

Munich Re-CEO Nikolaus von Bomhard.

München – Der weltgrösste Rückversicherer Munich Re muss um sein Gewinnziel für 2011 bangen. Bereits die schweren Naturkatastrophen gleich zu Beginn des Jahres in Australien und Neuseeland schlugen nach ersten Schätzungen mit rund 1,5 Milliarden australischen Dollar (rund 1,1 Milliarden Euro) zu Buche. Das sind bereits gut zwei Drittel der Summe, die der Rückversicherer 2010 für Naturkatastrophen aufwenden musste, und bereits etwas mehr als ursprünglich für 2011 veranschlagt. Das Ziel eines Gewinns von 2,4 Milliarden Euro sei deshalb nur noch erreichbar, wenn im weiteren Jahresverlauf die Grossschäden unterhalb der Erwartungen blieben, teilte das Unternehmen am Donnerstag in München mit.

Allein die Schadenssumme für das Erdbeben im Februar in der zweitgrössten neuseeländischen Stadt Christchurch beziffert Munich Re mit einer Milliarde australischer Dollar (rund 725 Millionen Euro). Nur ein halbes Jahr zuvor hatte die Erde dort schon einmal gebebt. Es sei zudem mit weiteren Beben in der Region zu rechnen, sagte der für das Geschäft zuständige Vorstand Torsten Jeworrek. Die Schäden aus den Überschwemmungen in Brisbane in Australien beziffert das Unternehmen mit rund 350 Millionen australischen Dollar. Der Zyklon Yasi, der Anfang Februar an der Nordküste Australiens eine Spur der Verwüstung gezogen hatte, belastet das Unternehmen nach eigenen Angaben in einer Grössenordnung von 135 Millionen australischen Dollar.

Munich Re versichert indirekt zwei Milliarden Menschen
Der Konzern übernimmt für Versicherungen Risiken, die diesen zu gross sind. Indirekt sind so rund zwei Milliarden Menschen, etwa ein Drittel der Weltbevölkerung bei den Münchnern versichert. Als weltgrösster Rückversicherer ist Munich Re von Grossschäden auch am stärksten betroffen. Der zweitgrösste Rückversicherer Swiss Re rechnet für das Erdbeben in Neuseeland mit Belastungen von 800 Millionen Dollar (rund 575 Millionen Euro), die Hannover Rück mit umgerechnet 150 Millionen Euro. Insgesamt wird das Beben die Branche hart treffen. Die Munich Re rechnet mit Kosten von rund zehn Milliarden australischen Dollar (rund 7,3 Mrd Euro).

Mittelfristiges Renditeziel
Ebenfalls belastet durch Naturkatastrophen war der Gewinn der Munich Re im vergangenen Jahr – wie bereits Anfang Februar mitgeteilt wurde – um fünf Prozent auf 2,43 Milliarden Euro zurück gegangen. 2012 will der Konzern weiter Gewinne in dieser Grössenordnung erreichen. Auch am mittelfristigen Renditeziel von 15 Prozent hält das Unternehmen fest. Allerdings wird zumindest in diesem Jahr auch dieses Ziel schwer zu erreichen sein, wie man in München selbst einräumt. Grund dafür sind die niedrigen Zinsen auf dem Kapitalmarkt, wo Munich Re die Beiträge seiner Versicherten anlegt. 2010 hatte die Rendite bei 13,5 Prozent gelegen.

Kapitalmarktzinsen werden niedrig bleiben
Das Unternehmen geht davon aus, dass die Kapitalmarktzinsen in diesem Jahr weiter auf niedrigem Niveau bleiben werden. Mittelfristig sei mit einer Verzinsung von unter vier Prozent zu rechen. Es sei daher mit niedrigen laufenden Erträgen aus Anlagen in festverzinslichen Wertpapieren und Darlehen zu rechnen. Zudem gebe es nur moderate Chancen auf Veräusserungsgewinne. „Deshalb geht die Munich Re von einem mittelfristig niedrigeren Kapitalanlageergebnis aus, bei dem die Verzinsung auf den Bestand unter 4 Prozent liegen sollte“, hiess es.

Dividende von 6,25 Euro je Aktie
2010 stieg das Kapitalanlageergebnis um zehn Prozent auf 8,6 Milliarden Euro. Damit glich die Munich Re den Rückgang beim operativen Ergebnis aus. Dieser sank wegen der hohen Kosten für Erdbeben, Überschwemmungen und der Ölkatastrophe im Golf von Mexiko um 16 Prozent auf knapp vier Milliarden Euro. Die Beitragseinnahmen des Branchenführers legten im vergangenen Jahr um zehn Prozent auf 45,5 Milliarden Euro zu. 2011 will von Bomhard diese um bis zu rund fünf Prozent auf 48 Milliarden Euro steigern. Er setzt dabei vor allem auf organisches Wachstum und kleinere Zukäufe. Die Aktionäre erhalten für 2010 mit 6,25 Euro je Aktie eine um 50 Cent erhöhte Dividende.

Aktie am DAX-Ende
Die im Dax notierte Aktie gab am späten Vormittag um mehr als zwei Prozent nach und war damit einer der schwächsten Werte im deutschen Leitindex. Das Papier entwickelte sich bereits in den vergangenen Monaten deutlich schlechter als die meisten deutschen Standardwerte. Händler führten die Verluste am Donnerstag auf die vorsichtigen Aussagen zum Gewinnziel im laufenden Jahr zurück. Zudem schloss die Munich Re wegen der hohen Kosten für die Naturkatastrophen einen Verlust im ersten Quartal nicht aus. Zudem wurde von einigen Experten mit Enttäuschung aufgenommen, dass der Konzern im kommenden Jahr nicht mit einem im Vergleich zu 2010 steigenden Gewinn rechnet. (awp/mc/upd/ss)

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