Negativzinsen: Jeder Vierte würde sein Sparkonto räumen

Stefan Heitmann
Stefan Heitmann, CEO MoneyPark. (Foto: MoneyPark)

Zürich – MoneyPark hat euntersucht, wie Sparer reagieren, wenn Banken Negativzinsen auf Sparkonten einführen. Demnach würde jeder vierte Befragte sein Erspartes abheben und stattdessen mehr Bargeld halten. Aber auch Investitionen in Immobilien, die eigene Vorsorge oder Wertschriften werden dann (noch) attraktiver.

Bisher hat zwar keine Bank in der Schweiz (mit Ausnahme von Nischenanbietern wie der ABS) das Experiment gewagt und Negativzinsen für Kleinsparer eingeführt, aber unrealistisch ist ein solches Szenario keineswegs. Dies gilt insbesondere, wenn die Negativzinspolitik der SNB noch länger anhält oder gar verschärft würde. MoneyPark hat deshalb das Marktforschungsinstitut GfK beauftragt, in einer repräsentativen Umfrage zu eruieren, wie Bankkunden bei Einführung von Negativzinsen auf Sparkonten reagieren würden.

Jeder vierte Schweizer würde sein Erspartes abheben
Jeder vierte Befragte würde bei Einführung von Strafzinsen sein Geld abheben und mehr Bargeld halten. Die Angst der Banken, dass die Einführung von Negativzinsen auf Sparkonten zu grösseren Abflüssen von Kundengeldern führen kann, ist also alles andere als unbegründet.

Nur 4 Prozent der Befragten gibt an, das Ersparte auch bei einer negativen Verzinsung noch auf dem Konto zu lassen. Neben dem Abzug von Geldern erwägen die Befragten sowohl eine Investition in die eigene Vorsorge bspw. über den Einkauf in die Pensionskasse oder die 3. Säule als auch einen Immobilien- oder Wertschriftenkauf.

Frauen setzen auf Vorsorge, Männer eher auf Wertschriften
Jeder fünfte Mann würde eine Investition in Wertschriften wie Aktien, Fonds, Derivate etc. erwägen. Unter den Frauen ist es nur jede Zehnte. Stattdessen setzen Frauen eher auf die Vorsorge, die nach dem Bargeldbezug die zweithäufigste Anlagealternative darstellt. Von beiden Geschlechtern am dritthäufigsten genannt und übereinstimmend attraktiv gesehen wird der Kauf einer Immobilie. Frauen tendieren zudem eher dazu, Geld auszugeben oder das Ersparte trotz Strafzins auf dem Bankkonto zu lassen. Auch der Anteil an Unentschlossenen ist unter Frauen mehr als doppelt so hoch wie unter den männlichen Befragten.

Über 700 Milliarden Franken haben Schweizer Haushalte auf ihren Konten
Die Schweizer horten aktuell trotz praktisch null Zinsen Einlagen bei Banken – ein Geschenk an Banken von fast unfassbarem Ausmass. Gemäss SNB Daten verfügen die privaten Haushalte im Jahr 2014 über Einlagen in Höhe von 730 Mrd. Franken. Dies entspricht rund 18 Prozent der gesamten Vermögenswerte eines Haushalts. Angenommen jeder vierte Anleger zieht auch nur die Hälfte seines Vermögens ab, so wird dem Markt Liquidität in Höhe von bis zu 90 Mrd. Franken entzogen. Auswirkungen auf den Interbankenhandel und die Vergabe von Krediten an Nichtbanken sind dann ebenso wahrscheinlich wie massiv steigernde Refinanzierungskosten für Banken, die sich heute an kostenloser Liquidität laben. Je länger die Negativzinspolitik der SNB anhält, bzw. bei einer weiteren Verschärfung, wird ein Szenario mit Strafzinsen auf Sparkonten immer wahrscheinlicher. „Sobald ein grosser Anbieter Negativzinsen an Sparer weiterreicht, würde vermutlich ein Domino-Effekt einsetzen und andere Institute nachziehen“, das zumindest prognostiziert Stefan Heitmann, CEO von MoneyPark. „Bisher zögern die Banken aber noch, Strafzinsen für Sparer einzuführen. Stattdessen versuchen sie, die Aktivmarge über die angesichts praktisch kostenlosen Geldes an sich viel zu hohen Hypothekarzinsen gerade für ihre eigenen Bestandskunden weiter auszubauen“, erklärt Heitmann.

Die Umfrage fand zwischen dem 22. und 29. September 2016 statt. Online befragt wurden insgesamt 1013 Personen zwischen 15 und 74 Jahren in der deutsch-und französischsprachigen Schweiz.

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