Neue Risikofaktoren für Investoren

Symbolbild Risiko

Zürich – Zu Jahresbeginn hatte kaum jemand die politischen Umwälzungen in Nordafrika vorausgesehen. Es gibt zwar einige Absicherungsmöglichkeiten für politische Risiken, Rohöl und Gold haben sich als funktionstüchtiger Hedge wieder bewährt.

Matthias Niklowitz, payoff.ch

Mit politischen Risiken in Nordafrika und dem Nahen Osten hatte Anfang 2011 kaum jemand gerechnet: Für die Analysten der Bank of America war die US-Budgetdebatte bis Mitte Februar das zentrale Thema. Zwar sah man in diesem Haus auch einen Anstieg der Rohölpreise bis 100 Dollar pro Barrel voraus, aber dies allenfalls gegen Ende 2011 und unter dem Eindruck einer weiterhin wie geschmiert laufenden chinesischen Wirtschaft. «Und das offensichtlich grösste politische Risiko liegt bei den Staaten an der europäischen Peripherie», sah die Citigroup voraus, also bei den bekannten Problemländern wie Griechenland, Irland und Portugal. Inzwischen sind alle klüger, und die Ereignisse in Nordafrika, wo zwei Staatschefs unblutig aus ihren Ämtern gekippt wurden, etliche Regimes wanken und Libyen im Bürgerkrieg versinkt, haben nicht nur das Rohöl auf neue Dreijahres-Höchststände getrieben.

Gefragt: Analytische Modelle
Erst mit etwas Verzögerung stellen sich Analysten auf die neue Situation ein und berücksichtigen die politischen Risiken explizit. Ob sich eine «Ansteckung» von den nordafrikanischen Staaten in Richtung Golfstaaten ergibt, hängt von einer Reihe von Faktoren ab. So weisen die Analysten von ING auf den Zusammenhang zwischen Inflationsrate und politischer Instabilität hin. Von den aufstrebenden Märkten sehen die ING-Analysten die Türkei, die Ukraine und Russland als besonders gefährdet. Deutlich stabiler eingeschätzt werden hier andere Länder wie Thailand, Brasilien, Mexiko und China. Die Analysten verweisen zudem auf einen starken Zusammenhang zwischen raschem Inflationsanstieg und politischen Unruhen. Jordanien, Qatar und Kuwait verzeichneten 2010 besonders starke Wachstumsraten – und hier gab es denn auch prompt Unruhen.

«Politische Risiken kalkuliert man am ehesten über den Gold- und Rohölpreis ein.»

Risikofaktor: Hohe Jugendarbeitslosigkeit
Etliche Analysten wie die von BNP Paribas betonen, dass eine hohe Rate von arbeitslosen Jugendlichen das Risiko von Aufständen massiv steigert. Hier stehen in Nordafrika und im Nahen Osten Tunesien, Jordanien, Ägypten und Marokko weit oben – und auch Saudi-Arabien. Allerdings bewertet eine umfangreiche Analyse von ING dieses Land nur als «moderat» gefährdet. Wenn die sozialpolitischen Risiken steigen – dazu zählt neben Jugendarbeitslosigkeit auch die Altersverteilung in den Ländern, der Anteil der städtischen Population, die Analphabetenquote, die Geburtsrate sowie die Höhe der Lebensmittelimporte –, dann scheinen neben Ägypten weitere Länder wie Afghanistan, Kolumbien, die Elfenbeinküste, Ghana, Indonesien, Jordanien, Serbien, Senegal, Sri Lanka und Sambia als extrem gefährdet. Die Golfstaaten inklusive Saudi-Arabien gelten als wenig gefährdet. Bahrain, wo es Ende Februar zu Unruhen kam, gilt sogar als «kaum gefährdet». Das Gleiche gilt für Griechenland, wo die Strassenschlachten des letzten Jahres einen Vorgeschmack auf kommende Auseinandersetzungen gaben, falls einmal der laut den Kreditanalysten von Moody’s unvermeidliche ganz grosse Einschnitt kommt. Hier zeigen sich, wie überall, wo es um Prognosen geht, die Grenzen von Modellen.

Wenige spezifische Absicherungsmöglichkeiten
Politische Risiken kalkulieren die Anleger traditionell am ehesten über den Gold- und Rohölpreis ein und – seit einem Jahr im Nachgang zur Finanzkrise – wieder bei den Staatsanleihen. Hier hat die UBS vergangenes Jahr eine Reihe von «CD-Warrants» («Credit Default Warrants») auf Staatsanleihen aufgelegt, mit denen sich Anleger gegen Staatspleiten – konkret: gegen den Wertverlust bei Staatsanleihen einzelner Länder – absichern können. Alle Euro-Wackelkandidaten wie Griechenland, Irland, Portugal, Spanien, Italien und Belgien sind abgedeckt. Warrants auf zweijährige griechische Staatsanleihen haben bisher ein Plus von 62% erzielt. «Das Angebot von CD-Warrants auf Staaten richtet sich vor allem an institutionelle Kunden, zu Absicherungszwecken von grossen Beständen von Government Bonds», sagt Roland Schetter, Head von Fixed Income Structured Products bei der UBS in Zürich. Zum Erfolg der einzelnen Warrants am Markt macht die Bank auf Anfrage keine Angaben.

Neue Polit-Risiken direkt vor der Haustüre
Neben den oben genannten exotischen Risikostaaten, die mit der Staatensammlung «Next-11» eine hohe Deckungsgleichheit aufweisen, drohen Anlegern quasi vor der Haustüre neue Politrisiken. So sprang der portugiesische Ministerpräsident José Sócrates kurzfristig ab. Die Opposition in Lissabon hatte wenige Stunden vorher das dringend benötigte Sparpaket abgelehnt. «Portugal hat jetzt selbstverständlich ein Problem», gestand der Eurogruppenvorsitzender Jean-Claude Juncker ein. Schon bald könnte für die Portugiesen ein Rettungsschirm nach Vorbild Irlands gespannt werden müssen – in mitten eines politischen Machtvakums. Nicht weniger düster ist die Lage im Nachbarland Spanien. Präsident Zapatero hat schon jetzt seinen Amtsverzicht für die Neuwahlen im März 2012 erklärt. Dort liegt die Binnenwirtschaft am Boden, die Arbeitslosenrate liegt bei rekordhohen 20,4%. Experten rechnen mit maximal 0,5% Wachstum in 2011. Das sind klare Negativsignale für die Börse und im dortigen Stimmvolk rumort es schon. Die Royal Bank of Scotland (RBS) bietet ein Mini-Future-Short (ISIN: NL0006208332) auf den spanischen Leitindex IBEX-35 an. Das Produkt hat einen Hebel von 3,48 und unbegrenzte Laufzeit. Die Stopp-Loss-Marke liegt bei 13.450 Punkten. Das Produkt ist an der Scoach Frankfurt kotiert und notiert in Euro.Anleger, können so am drohenden Abschwung auf der iberischen Halbinsel partizipieren oder alternativ damit Positionen in spanischen Aktien absichern.

Öl und Gold dominieren das Hedging
Im Fall von Nordafrika haben die lokalen Börsen als zuverlässiges Barometer für die politischen Risiken funktioniert. Allerdings führten die Handelsunterbrechungen in Kairo und Tunis auch gleich zur Einstellung der Index-Tracker auf diese Börsen. Hebelprodukte auf entsprechende Indizes als Absicherungsinstrumente gibt es an der Scoach Schweiz nicht. Unspezifischer hat bei den politischen Umwälzungen in Nordafrika der Rohölpreis als «Sicherung» funktioniert. Mit dem CCLCI verfolgt der Anleger den Rohölpreis nahezu 1:1. Weiter ist das Produkt rolloptimiert, d.h. die Unterschiede entlang der Terminkurve des Öls werden automatisch bestmöglich gemeistert. Das Produkt hat keine Laufzeitbeschränkung und notiert währungsgesichert in CHF.

Das altbewährte Krisenabsicherungsprodukt ist aber immer noch Gold. Anleger finden hier unzählige Hebelprodukte der grossen Emittenten. Alleine an der Scoach Schweiz sind über 900 Warrants, 140 KO-Scheine und über 70 Mini-Futures auf die Londoner Nachmittagsfixings gelistet. Um auf Nummer sicher zu gehen, empfiehlt es sich, ein Kapitalschutzprodukt zu wählen. AUEUZ bietet dem Anleger einen hundertprozentigen Kapitalschutz per Verfall. Man partizipiert hier mit 95% an der Entwicklung des Goldpreises. Andere Produkte beschneiden die Partizipationsrate deutlich. Einzig die Währungsseite bietet ein gewisses Risiko, da das Produkt der RBS in Euro gehandelt wird. Das Produkt läuft bis Februar 2013 und dient als guter Stabilisator gegen neue Brandherde.

Weitere Informationen im neusten payoff magazine…

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