Portugiesische Espírito-Santo-Gruppe beantragt Insolvenzverfahren

Roger Hartmann

Roger Hartmann, CEO Espírito Santo Financial Group.

Lissabon / Luxemburg – Die portugiesische Unternehmensgruppe Espírito Santo International (ESI), die indirekt an der kriselnden Grossbank BES beteiligt ist, hat die Einleitung eines Insolvenzverfahrens beantragt. Sie räumte in ihrem Gesuch ein, dass sie ihren Zahlungsverpflichtungen nicht nachkommen könne. Die ESI bildet einen Teil der Gruppe GES (Grupo Espírito Santo), die mit einem Anteil von 20 Prozent der Hauptaktionär des Geldhauses BES (Banco Espírito Santo) ist.

Wie die staatliche Nachrichtenagentur Lusa am Wochenende berichtete, reichte die ESI das Gesuch in Luxemburg ein, wo sie ihren Sitz hat. «Ein solches Verfahren ermöglicht es, die Interessen der Gläubiger in transparenter und geordneter Weise unter der Aufsicht der Gerichte zu verteidigen», begründete die Gruppe ihren Antrag.

Ein solcher Schritt war in Wirtschaftskreisen erwartet worden. Die – zu der Gruppe gehörende – Investmentgesellschaft RioForte hatte bereits Anfang der Woche fällige Verbindlichkeiten bei Portugal Telecom (PT) in Höhe von 847 Millionen Euro nicht bedienen können.

Kein Eingreifen der Regierung
Die portugiesische Zentralbank ist seit Wochen bemüht, das Geldhaus BES von den Turbulenzen abzuschirmen, die das Firmenimperium der Espírito-Santo-Gründerfamilie erfasst hatten. Die BES, Portugals bedeutendste Privatbank, versicherte, über ausreichende Rücklagen zu verfügen, um eventuelle Kreditausfälle aufzufangen.

Die portugiesische Regierung lehnte ein Eingreifen ab und verwies darauf, dass die GES-Gruppe ein privates Unternehmen sei. Finanzministerin Maria Luís Albuquerque betonte, bei der Bank BES sei eine Kapitalerhöhung mit staatlichen Mitteln nicht geplant. Zentralbankchef Carlos Costa deutete vor dem Parlament allerdings die Möglichkeit einer Kapitalaufstockung mit Investitionen privater Anleger an.

Hohe Risiken in Angola
Dem Bankhaus bereiten nicht nur die Schwierigkeiten der GES-Gruppe Sorge, sondern auch die Lage der Niederlassung BESA in Angola. Dort gelten Kredite in einer Gesamthöhe von 5,7 Milliarden Dollar (4,2 Milliarden Euro) als unsicher. Nach Informationen der portugiesischen Wochenzeitung «Expresso» soll der angolanische Staat eine Garantie für die Kredite abgegeben habe. Die Garantie sei von Staatspräsident José Eduardo dos Santos mit dem Datum des 31. Dezember 2013 persönlich unterschrieben worden, berichtete das Blatt unter Berufung auf ihm vorliegende Dokumente. (awp/mc/ps)

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