Raiffeisen: Vontobel-Abschreiber drückt auf Gewinn

Pierin Vincenz

Raiffeisen-CEO Pierin Vincenz.

St.Gallen – Raiffeisen Schweiz mit 328 Banken und 1’098 Bankstellen ist im vergangenen Geschäftsjahr 2011 weiter klar gewachsen. Auch der Bruttogewinn konnte gesteigert werden, ein Abschreiber auf der Beteiligung an der Bank Vontobel führte allerdings zu einem tieferen Reingewinn. Für das laufende Jahr will die Banken-Gruppe an ihrer Wachstumsstrategie festhalten.

In ihrem Hauptgeschäftsfeld Hypotheken legte die Raiffeisengruppe letztes Jahr um weitere 7,5% zu und hat damit ihren Marktanteil auf 16,1% von 15,7% gesteigert. Bereits in den Vorjahren war die Bank überdurchschnittlich gewachsen, 2010 etwa um 8,1%. Mit über 8,9 Mrd CHF zusätzlichen Ausleihungen sei 2011 die führende Position im Bereich der Finanzierung von privatem Wohneigentum weiter ausgebaut worden, heisst es in einer Mitteilung vom Freitag. Der Bestand an Hypotheken betrug per Ende Jahr 128,5 Mrd CHF, die Kundenausleihungen insgesamt 136,2 Mrd CHF.

Keine Zunahme der Risiken
Trotz des starken Wachstums im Hypothekar-Sektor sieht die Bank keine Zunahme der Risiken. Dank der sicherheitsorientierten Belehnungspraxis mit strengen Tragbarkeitsvorgaben und breiter regionaler Diversifizierung sei das Kreditportfolio „unverändert risikoarm“, heisst es. Dementsprechend tief seien die Verluste aus dem Kreditgeschäft mit einer Höhe von 21,2 Mio bzw. lediglich 0,016% der Kundenausleihungen.

Viele neue Kunden und Mitglieder

Auch auf der Passivseite legte die Gruppe zu, wenn auch etwas weniger stark mit +4,9% auf 122,2 Mrd CHF. Treibend sei dabei erneut das Geschäft der Spar- und Anlagegelder mit einem Zuwachs von 6,0 Mrd CHF gewesen. Die Bank hat 79’000 neue Kunden erhalten, wobei sich 68’000 Personen für die Mitgliedschaft bei einer Raiffeisenbank entschieden. Der Mitgliederbestand erhöhte sich somit um weitere 4,1% auf 1,75 Mio Personen. Mit anderen Worten: jeder vierte Schweizer ist Mitglied bei einer Raiffeisenbank. Die von der Bank verwalteten Vermögen (AuM) erreichten knapp 146 Mrd (+3,0%).

Zinsmarge rückläufig
Die Erträge konnten etwas weniger stark gesteigert werden als die Volumen. Insgesamt wurde ein Betriebsertrag von 2,51 Mrd CHF erzielt, was einem Wachstum um 4,0% entspricht. Einen Mehrertrag von 3,7% auf 2,08 Mrd verzeichnete die genossenschaftlich organisierte Gruppe im Zinsengeschäft. Die Zinsmarge sei aber weiterhin rückläufig und lag bei 1,37%. Trotz Unsicherheiten an den Finanzmärkten hat sich auch der Erfolg aus dem Kommissions- und Dienstleistungsgeschäft leicht positiv entwickelt (+0,6%); das Handelsgeschäft konnte um 18,4% zulegen.

Cost-/Income-Ratio stabil

Das Wachstum des Geschäfts führte indes auch zu höheren Kosten: Da der Geschäftsaufwand aber mit 3,8% auf 1,52 Mrd etwas weniger stark stieg als der Ertrag, resultierte schliesslich ein leicht höherer Bruttogewinn von 992,1 Mio CHF (+4,2%). Die Cost/Income-Ratio, das Verhältnis zwischen Einnahmen und Ausgaben, war mit 60,5% praktisch stabil. Unter dem Strich verdiente die Raiffeisengruppe mit 595,3 Mio CHF aber 5,1% weniger. Grund dafür ist die marktbedingte Abwertung von Beteiligungen, insbesondere jener an der Privatbank Vontobel. Ohne diesen Bewertungsverlust von 56,5 Mio wäre der Gruppengewinn nämlich um 3,9% – und damit in ähnlichem Ausmass wie der Bruttogewinn – auf 651,8 Mio gestiegen.

Weiteres Wachstum im Kerngeschäft angestrebt
Im laufenden Jahr wollen die Raiffeisen-Banken in ihrem Kerngeschäft weiter wachsen und namentlich ihre Präsenz in den Städten und Agglomerationen verstärken, wie es im Communiqué hiess. Bereits vollzogen hat Raiffeisen die angestrebte weitere Diversifizierung des Ertrags: Im Januar hat sie von der Bank Wegelin bekanntlich deren Geschäft mit nicht-amerikanischen Kunden gekauft. (awp/mc/upd/ps)

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