Raiffeisen erhöht Gewinn im Coronajahr leicht

Heinz Huber, CEO Raiffeisen. (Foto: Raiffeisen)
Heinz Huber, CEO Raiffeisen. (Foto: Raiffeisen)

St. Gallen – Raiffeisen Schweiz hat das «Coronajahr» 2020 trotz gestiegener Wertberichtigungen mit einem leichten Gewinnanstieg abgeschlossen. Die genossenschaftlich organisierte Bankengruppe konnte vergangenes Jahr weiter Kunden gewinnen und verzeichnete einen starken Zufluss an neuen Kundengeldern.

Unter dem Strich erhöhte Raiffeisen den Gewinn im vergangenen Jahr um 3,1 Prozent auf 861 Millionen Franken, wie sie am Donnerstag mitteilte. In dem «herausfordernden Umfeld» habe man Stabilität bewiesen, sagte CEO Heinz Huber an der Bilanzmedienkonferenz.

In der Folge der Coronakrise tätigte Raiffeisen im vergangenen Jahr Wertberichtigungen für ausfallgefährdete Kredite über rund 52 Millionen Franken. «Wir haben im zweiten Halbjahr mit sämtlichen Kunden noch einmal Gespräche geführt», sagte Finanzchef Christian Poerschke. Im Gegenzug löste die Gruppe aber auch die Rückstellungen über 75 Millionen Franken wieder auf, die sie im ersten Halbjahr 2020 wegen der wirtschaftlichen Unsicherheiten gebildet hatte.

Höhere Kundenvermögen
Einen starken Anstieg verzeichneten die Raiffeisen-Banken bei den Kundenvermögen: Diese kletterten um gut 8 Prozent auf 224 Milliarden Franken. Trotz dem starken Zufluss empfiehlt die Raiffeisen-Zentrale den Mitgliedsbanken weiterhin, prinzipiell keine Negativzinsen zu berechnen, wie CEO Huber sagte. Sollten allerdings Kunden lediglich kurzfristig Gelder deponieren wollen, so könne eine Bank durchaus zur Negativzinsen greifen.

Im Hypothekargeschäft war die Raiffeisen-Gruppe im vergangenen Jahr «auf Marktniveau» unterwegs – die Hypothekarforderungen nahmen um 2,7 Prozent zu. Der schweizweite Marktanteil im Hypothekargeschäft blieb damit bei 17,6 Prozent stabil.

Höhere Kommissionserträge
Insgesamt erwirtschaftete die drittgrösste Schweizer Bankengruppe einen leicht höheren Gesamtertrag von 3,06 Milliarden Franken (VJ 3,05 Mrd). Im wichtigen Zinsengeschäft stiegen die Erträge dabei wegen dem anhaltenden Druck auf die Zinsmarge nur noch wenig. Zulegen konnte Raiffeisen allerdings beim Kommissions- und Dienstleistungsgeschäft, dies dank einem deutlichen Anstieg in der Vermögensverwaltung und im Vorsorgegeschäft.

Die Kosten konnten derweil um 2,9 Prozent auf 1,82 Milliarden Franken gesenkt werden – nicht zuletzt dank einem 2019 eingeleiteten Effizienzprogramm. Allerdings sei in den Kosten auch der Wegfall etwa von Reisen oder von Generalversammlungen wegen des Lockdowns spürbar gewesen, räumte der Finanzchef ein.

Neue Genossenschaften
Im laufenden Jahr will sich Raiffeisen auf die im vergangenen Sommer vorgestellten neuen Gruppenstrategie 2025 konzentrieren. Im Sommer will sie gemeinsam mit der Mobiliar eine digitale Wohneigentümerplattform unter dem Namen «Liiva» lancieren. Für das zweite Halbjahr ist dann mit «KMU eServices» eine neues Programm für Firmenkunden geplant.

Geklärt ist auch die Zukunft der von der Zentralorganisation Raiffeisen Schweiz geführten sechs Niederlassungen. Anfang 2022 sollen die Geschäftsstellen Bern und Thalwil als eigene Genossenschaftsbanken verselbstständigt werden, Winterthur und Sankt Gallen sollen Ende des zweiten Quartals 2022 und Basel und Zürich voraussichtlich Anfang 2023 folgen.

Im laufenden Geschäftsjahr 2021 erwartet Raiffeisen insgesamt einen «soliden operativen Geschäftsgang». Im Hypothekargeschäft will die Bankengruppe weiterhin mit dem Gesamtmarkt wachsen. Er erwarte hier einen Anstieg um 3 Prozent, sagte der CEO. (awp/mc/ps)

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