REYL Market Insight: Lohnt es sich, die Engel zu lieben und die Sünder zu hassen?

REYL Market Insight: Lohnt es sich, die Engel zu lieben und die Sünder zu hassen?
Von Guido Bolliger (L.), Chief Investment Officer bei Asteria und Dries Cornilly, Investment Analyst bei Asteria. (Bild: REYL)

Es besteht kein Zweifel daran, dass das stark verbreitete Interesse der Investoren an nachhaltigen Anlagen gut für die Gesellschaft ist. Aber ist es auch für die Investoren von Vorteil? Unsere Untersuchungen zeigen, dass es keinen wirklichen Renditeunterschied für Unternehmen gibt, die einem hohen oder niedrigen ESG-Risiko einer Kontroverse unterliegen. Unternehmen mit verbesserten ESG-Referenzen erzielen jedoch tendenziell höhere Renditen als Unternehmen mit schlechteren ESG-Referenzen. Entscheidend für die künftige Performance ist daher die Dynamik des ESG-Risikos, dem das Unternehmen ausgesetzt ist.

Vertraue dem, was du sehen kannst
Kontroversen messen das Reputationsrisiko eines Unternehmens im Zusammenhang mit ESG-Themen wie Klagen oder Todesfällen. Sie können als direkte Folge der Unfähigkeit eines Unternehmens angesehen werden, ESG angemessen in die Unternehmensstrategie zu integrieren. Die Investoren können dieses Unvermögen als einen Faktor ansehen, der die Aussichten eines Unternehmens gefährdet. Daher werden Firmen in heftigen Kontroversen („Sünder“) wahrscheinlich schlechter abschneiden als solche, die entweder wenig oder gar keine Kontroversen erleben („Engel“). Es gibt einen spezifischen Vorteil für diese Art der Beurteilung, die Kontroversen bevorzugt als ESG-Ratings zu verwenden: Öffentliche Kontroversen stützen sich nicht nur auf die von der Firma veröffentlichten Informationen, wodurch die Auswirkungen des „Greenwashing“ gemildert werden.

Der RepRisk Index (RRI) quantifiziert auf dynamische Weise die Reputationsrisiken, denen Unternehmen in Bezug auf ESG und Geschäftsgebaren ausgesetzt sind. Er stützt sich auf einen Algorithmus, der die Umgangssprache verarbeitet, um die Auswirkungen von ESG-Themen auf das Reputationsrisiko eines Unternehmens zu quantifizieren, Für den Index werden über 90’000 externe Informationsquellen wie Printmedien oder Social Media in 20 verschiedenen Sprachen durchleuchtet.

Wir verwenden drei verschiedene Indikatoren zur Quantifizierung des Reputationsrisikos: Den RepRisk-Index (RRI), seine einmonatige Veränderung und seine dreimonatige Veränderung.

Auswirkungen der ESG-Risiken abschätzen
Zu Beginn jedes Monats sortieren wir die Aktien nach ihrem Risikoindikator für Kontroversen. Für jeden Indikator verfolgen wir die Performance eines Portfolios, das Unternehmen im oberen Dezil des ESG-Risikos, im unteren Dezil und die Differenz zwischen dem unteren und dem oberen Dezil während des nächsten Monats enthält. Wir gleichen das Portfolio jeden Monat auf der Grundlage des Wertes des Risikoindikators für Kontroversen neu aus und berichten über die absolute Performance der Portfolios in jeder Region und ihre risikobereinigte Performance.

Änderungen der ESG-Risiken beeinflussen künftige Performance
In dieser Studie haben wir RepRisk-Daten zwischen Februar 2015 und Juni 2020 verwendet. Das linke Abbild der Grafik zeigt, dass Firmen mit geringem Kontroversrisiko sowohl in Europa als auch in Japan besser abschneiden als Firmen mit hohem Kontroversrisiko. Hier ist die Outperformance jedoch statistisch nicht signifikant.

Das rechte Abbild (siehe Anhang) zeigt, dass sowohl in Europa als auch in den USA Unternehmen mit geringem Kontroversrisiko die Unternehmen mit hohem Kontroversrisiko übertroffen haben. Das annualisierte Renditegefälle ist in den USA statistisch signifikant.

Die Tabelle zeigt die risikobereinigten Renditen eines Portfolios, das in Firmen mit geringem Kontroversrisiko (unteres Dezil) investiert und Firmen mit hohem Kontroversrisiko (oberes Dezil) leerverkauft. Für jede Region geben wir den Indikator an, der aus statistischer Sicht die signifikanteste risikobereinigte Performance ergibt. Die fettgedruckten Zahlen unterscheiden sich statistisch gesehen von Null.

In Europa und Nordamerika ist das Alpha eines Portfolios, das Aktien mit einem starken Rückgang des Kontroversenrisikos besitzt und diejenigen leerverkauft, die einen starken Anstieg ihres Risikos sehen, positiv und unterscheidet sich statistisch gesehen von Null. Umgekehrt schneiden japanische Firmen, die ein zunehmendes Kontroversrisiko aufweisen, besser ab als solche, die ein abnehmendes Kontroversrisiko aufweisen. In Nordamerika scheinen Unternehmen mit hohem Kontroversrisiko ein höheres Marktbeta und ein höheres Engagement in den Value-Aktien zu haben als Unternehmen mit geringem Kontroversrisiko. Weitere Ergebnisse finden Sie in unserem technischen Papier, das verfügbar ist auf der Webseite von Asteria.

Unsere Ergebnisse zeigen, dass das Leerverkaufen von „Sündern“ und der Kauf von „Engeln“ der Leistung nicht schadet, aber keinen statistisch signifikanten Alpha erzeugt. Unternehmen mit abnehmendem Kontroversrisiko tendieren jedoch dazu, Unternehmen mit zunehmendem Kontroversrisiko zu übertreffen. Anleger sollten sich daher auf die „Sünder“ konzentrieren, die sich auf dem Weg zur Erlösung befinden, und die „Engel“ meiden, die sündigen.

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