Schweizer Finanzplatz nach der Coronakrise: Herausforderungen mit nachhaltigem Wachstum meistern

Schweizer Finanzplatz nach der Coronakrise: Herausforderungen mit nachhaltigem Wachstum meistern
CS-Hauptsitz am Zürcher Paradeplatz. (Foto: Credit Suisse)

Zürich – Die heute veröffentlichte Studie zum Finanzplatz Schweiz beleuchtet die makroökonomischen Folgen der COVID-19-Pandemie und den damit verbunden Implikationen für den Finanzplatz. Ebenso zeigt sie auf, weshalb der Finanzplatz auch in Zukunft auf ein international wettbewerbsfähiges wirtschaftspolitisches und regulatorisches Umfeld angewiesen ist. Ein besonderes Augenmerk legt die Studie auf die dringend benötigte Reformen der Vorsorgeeinrichtungen und die Integration von Nachhaltigkeitsfaktoren in das Bankgeschäft. Die Credit Suisse publiziert ihre Studie zum Schweizer Finanzplatz alle zwei Jahre mit dem Ziel, einen konstruktiven Beitrag zur Diskussion über die Zukunft des Finanzplatzes zu leisten.

Die heute von der Credit Suisse veröffentlichte Studie zum Finanzplatz Schweiz steht ganz im Zeichen der Corona-Krise. Im Gegensatz zur Finanzkrise 2008, als die Banken das schwache Glied, wenn nicht sogar der Auslöser der Krise waren, trugen sie während der Corona-Krise entscheidend dazu bei, die von den Behörden beschlossenen Unterstützungsmassnahmen in die Realwirtschaft zu übertragen – eine Rolle, für die sie gemäss der Analyse der Credit Suisse dank ihrer besseren Kapitalisierung und viel höheren Liquiditätspuffer gut gerüstet waren.

Die rasche und effiziente Liquiditätshilfe für Schweizer KMU dürfte die Zahl der Unternehmens-konkurse erheblich verringern. Es ist jedoch absehbar, dass nicht alle KMU in der Lage sein werden, die COVID-Kredite vollumfänglich zu bedienen. Dank der staatlichen Bürgschaft sollten die Kreditverluste der Banken auf den Unternehmenskrediten aber beschränkt bleiben.

Margen im Kreditgeschäft bleiben unter Druck
Auch im anteilsmässig viel bedeutenderen Hypothekarkreditgeschäft rechnen die Ökonomen der Credit Suisse nicht mit deutlich steigenden Kreditausfällen. Dies dank der restriktiven Vergabepraxis in den letzten Jahren und den nach wie vor tiefen Finanzierungskosten. Die Perspektiven für das Kreditgeschäft der Banken sind indes gemäss der Analyse der Credit Suisse nicht besonders vielversprechend. Das Hypotheken- und das weiter gefasste Kreditgeschäft werden künftig wohl keine grösseren Beiträge zur Rentabilität der Banken leisten, und zwar auch dann nicht, wenn sich die Wirtschaft vollumfänglich erholt hat. So sind die Zinsmargen in den letzten zehn Jahren beträchtlich gesunken und eine Trendwende ist angesichts der tiefen Zinsen nicht in Sicht.

Vermögensverwaltung von Trend zu institutionellen Kunden geprägt
In der Vermögensverwaltung gab es vor der Krise zögerliche Anzeichen für eine Stabilisierung der Margen. Zudem erreichten die in der Schweiz verwalteten Vermögen im November 2019 ein neues Allzeithoch von CHF 6.4 Bio. Damit bleibt die Schweiz zwar das führende Zentrum für die Offshore-Vermögensverwaltung, gemäss Boston Consulting Group holen Hongkong und Singapur aber rasch auf. Derweil hat sich die Struktur der Kundenbasis in der Offshore-Vermögensverwaltung in der Schweiz dramatisch verändert: Zu Beginn der 2000er-Jahre zeichneten institutionelle Kunden für rund 25% der Offshore-Vermögen verantwortlich, unterdessen ist dieser Anteil laut Schätzungen der Credit Suisse auf über 70% gestiegen.

Anteil der Finanzdienstleister am Schweizer BIP könnte vorübergehend sogar steigen
Die Ökonomen der Credit Suisse gehen derweil trotz Margendruck im Kredit- und Vermögensverwaltungsgeschäft nicht davon aus, dass die Bedeutung des Schweizer Bankensektor für die Schweizer Wirtschaft abnehmen wird. Banken könnten sich in der aktuellen Krise sogar als solider erweisen als andere Sektoren, was einen vorübergehenden Anstieg des Anteils von Finanzdienstleistungen am Schweizer Bruttoinlandprodukt (BIP) bewirken könnte.

Um weiterhin einen signifikanten Beitrag an Wertschöpfung und Beschäftigung leisten zu können, sind Banken jedoch auf ein adäquates regulatorisches Umfeld angewiesen. Wie in der Studie der Credit Suisse dargelegt wird, gilt es dabei insbesondere den Marktzugang zu bewahren und auszubauen, steuerliche Hindernisse zu beseitigen und die prudenzielle Regulierung international abgestimmt umzusetzen.

Die diesjährige Finanzplatzstudie beinhaltet darüber hinaus folgende Inhalte:

  • Vorsorgeeinrichtungen: Die Zeit für Reformen drängt
    Die Corona-Krise verschärft die Schieflage der staatlichen Altersvorsorge. Entsprechend steigt die Bedeutung der persönlichen Vorsorge. Doch selbst bei diesen besteht Reformbedarf.
  • Nachhaltigkeit: Die Rolle von Finanzinstituten für die Erreichung globaler Nachhaltigkeitsziele
    Die Integration von Nachhaltigkeitsfaktoren in das Kerngeschäft von Finanzinstituten rückt immer stärker in den Fokus. Ein entscheidender Marktreiber sind dabei politische und regulatorische Rahmenbedingungen.
  • LIBOR-Ablösung: Goodbye Libor – welcome SARON
    An den Finanzmärkten steht eine Operation an, die dem Wechsel des Pferdes im vollen Galopp entspricht. Auf Ende 2021 soll der Libor durch einen alternativen Referenzzinssatz, den SARON, abgelöst werden. Die Vorbereitungen dazu laufen auf Hochtouren.

Die Studie «Finanzplatz Schweiz nach der Coronakrise: Herausforderungen mit nachhaltigem Wachstum meistern» finden Sie hier. (Credit Suisse/mc/ps)

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