Sergio Ermotti hat UBS in seiner Amtszeit fundamental umgebaut

Sergio Ermotti hat UBS in seiner Amtszeit fundamental umgebaut
Sergio Ermotti, CEO UBS. (Foto: UBS)

Portrait von Ueli Hoch, AWP

Zürich – UBS-Konzernchef Sergio Ermotti wird als einer der am längsten amtierenden Banken-CEOs in die Schweizer Geschichte eingehen. Während seiner neunjährigen Amtszeit hat er die UBS von einer Universalbank im alten Stil in die weltgrösste Vermögensverwaltungsbank transformiert. Dafür zollt ihm die Finanzbranche Anerkennung – er wurde dafür aber auch sehr gut bezahlt.

Genau neun Jahre wird der smarte Banker mit stets gut sitzender Frisur und adretter Kleidung im Amt gewesen sein, wenn er im Herbst 2020 dann endgültig von der operativen Spitze der grössten Schweizer Bank abtreten wird. Auch wenn der Abgang oder zumindest dessen Ankündigung per Ende Oktober 2020 jetzt doch sehr schnell gekommen ist, ein Paukenschlag ist er nicht. Bereits seit längerer Zeit brodelte nämlich die Gerüchteküche und es war klar, dass Ermotti, der im Mai 60 Jahre alt wird, nicht ewig auf seinem Posten bleiben würde.

Ernennung als Paukenschlag
Ein Paukenschlag gewesen war viel mehr seine Ernennung zum Konzernchef im Jahre 2011 beziehungsweise der Umstand, der dazu führte. Oswald Grübel, der damalige Chef der UBS, hatte nämlich im September 2011 die Konsequenzen aus einem Debakel seiner Investmentbank in London gezogen und war per sofort zurückgetreten. Ein eigener Händler hatte der Bank einen Handelsverlust von 2,3 Milliarden Franken beschert – und die Bank, die nur wenige Jahre nach der schweren Finanzkrise von 2007 bis 2009 noch verwundbar war, schlitterte damit bereits in ihre nächste Krise.

In dieser Situation vertraute der UBS-Verwaltungsrat, damals noch unter Leitung von Altbundesrat Kaspar Villiger, Ermotti die Geschicke der Bank an, zuerst ad interim, zwei Monate später dann auch ohne diesen Zusatz. Dass der Tessiner Ermotti diesen Job erhalten würde, war damals nicht zwingend zu erwarten, zumal er erst ein halbes Jahr vorher von der italienischen Unicredit gekommen war.

Vieles richtig gemacht
Ermotti machte dann aber wohl vieles richtig bei der UBS. Erst zögerlich, zwei Jahre nach dem Amtsantritt aber mit grosser Konsequenz, begannen er und sein Führungsteam mit dem Umbau der UBS hin zu einem führenden Vermögensverwalter. Viele Bereiche in der Investmentbank, die der UBS früher hohe Gewinne, zum Teil aber auch riesige Verluste bescherten, wurden abgebaut oder verkauft.

Vor allem vom Anleihen-Geschäft, das der Bank in der Finanzkrise fast das Genick gebrochen hatte, trennte sich Ermotti schnell. Die Investmentbank wurde nicht mehr als eigenständiger Teil der Bank, sondern vielmehr als Zulieferer für das Hauptgeschäft Vermögensverwaltung definiert. Im Gleichschritt mit dem Abbau der Investmentbank baute die UBS ihre Kapitalkraft aus, so dass sie heute zu den bestkapitalisierten und damit sichersten Banken der Welt gehört.

Ermotti war mit dieser neuen Strategie ein sogenannter First Mover in der Branche, das heisst die UBS war die erste grosse Bank, die diesen radikalen Schritt wagte und so konsequent auch umsetzte. Später wurde er mehrfach kopiert. Grossbanken wie etwa die Schweizer Konkurrentin Credit Suisse oder die Deutsche Bank hielten noch länger am riskanten Investmentbank-Geschäft fest, schlugen dann aber später ebenfalls den Weg ein, den die UBS gegangen war.

Schwieriges Umfeld
Leider – vor allem für Ermotti – konnte die UBS die Ernte aus dieser frühen Transformation nie ganz einfahren. Das Umfeld nach der Finanzkrise war nämlich plötzlich ein ganz anderes. Das Bankgeheimnis, das den Schweizer Banken über Jahrzehnte hinweg gutes Geld beschert hatte, machte schon bald dem sogenannten automatischen Informationsaustausch Platz und europäische Kunden zogen ihr Geld zum Teil ab.

Daneben machten die Notenbanken mir ihrer weltweit sehr expansiven Geldpolitik und den extrem tiefen Zinsen den Geschäftsbanken das Leben schwer, weil die Margen auf dem verwalteten Geld dadurch permanent unter Druck gerieten. Zudem brachte die Digitalisierung mit der damals neu entstehenden Fintech-Branche eine Konkurrenz für die herkömmlichen Banken ins Spiel, die diese zu Milliarden-Investitionen zwang.

Dazu kam schliesslich, dass die UBS immer wieder von Altlasten gebremst wurde. Der Libor-Skandal, die Hypotheken-Ramschpapiere oder die Milliarde-Busse in Frankreich sind nur ein paar Stichworte dazu. Und nicht zuletzt wurde Ermotti von Bankanalysten zuletzt eine etwas zögerliche Haltung vorgeworfen: er hätte die Kosten konsequenter abbauen müssen – wie das etwa Tidjane Thiam bei der CS getan hatte, hiess es etwa.

Nicht zufrieden mit Aktienkurs
All dies hatte zur Folge, dass die UBS nie so rentabel wurde, wie Ermotti sich das vorgestellt hatte, und sich der Aktienkurs der UBS nicht in die gewünschte Richtung entwickelte. Zwar stieg er in einer ersten Phase von unter 10 auf wieder über 20 Franken, später büsste das Papier aber die ganzen Gewinne wieder ein. Für einen Mann wie Sergio Ermotti, der sich stark über das Monetäre beziehungsweise den Aktienkurs definiert, muss dies schmerzhaft gewesen sein.

Dass Ermotti der UBS-Aktienkurs wichtig war, dafür gibt es ein schönes Beispiel. So hatte er selbst Ende Oktober 2018 im Anschluss an einen Investorentag mit neuen Wachstumsplänen UBS-Aktien für 13 Millionen Franken gekauft und dies auch die Öffentlichkeit wissen lassen. Zwar gab er der Aktie damit etwas Schub, nachhaltig war die Entwicklung allerdings nicht.

Hoher Lohn immer ein Thema
Geld für eigene Investments hatte Ermotti wohl genügend. Er gehörte in den letzten Jahren immer zu den bestbezahlten Schweizer CEOs und verdiente jeweils einen zweistelligen Millionenbetrag. Zwar ist der Lohn für 2019 noch nicht bekannt. Insgesamt dürfte Ermotti über die neun Jahre seiner Amtszeit aber mehr als 100 Millionen Franken verdient haben. Kritik an solch hohen Entschädigungen hörte er nicht gerne und beantwortete entsprechende Fragen von Journalisten denn auch jeweils eher mürrisch.

Insgesamt war Ermotti in der Schweiz zwar nicht omnipräsent, aber er gehörte ganz klar zur Top-Wirtschaftsprominenz und aufgrund seiner Bekanntheit automatisch auch zu einem gewissen Grad zur hiesigen, sogenannten Cervelatprominenz. „George Clooney vom Paradeplatz“ wurde er in Anspielung auf sein Äusseres gelegentlich gar genannt.

Und er war sich auch zwischendurch für ein Spässchen nicht zu schade. So machte er 2014 für einen guten Zweck an der sogenannten Ice Bucket Challenge mit und schüttete sich dabei einen Kübel eiskaltes Wasser über den Kopf (mit entsprechender Photographie auf den sozialen Medien). (awp/mc/ps)

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