SGKB Investment Views: Der Franken ist kein Liebling der Anleger

Thomas Stucki

Thomas Stucki, CIO St. Galler Kantonalbank. (Foto: SGKB)

St. Gallen – Der Euro ist gegenüber dem Franken über die Grenze von 1.10 gestiegen. Seit Anfang Jahr ist er über 2% billiger geworden. Die Schwäche des Frankens lässt sich nicht mit einer Stärke des Euro erklären. Gegenüber dem Dollar bewegte sich dieser in einem engen Band seitwärts. Was genau hinter der aktuellen Schwäche des Frankens steckt, ist nicht offensichtlich. Dass die SNB nachgeholfen hat, ist möglich. Die eingesetzten Volumen dürften, wenn überhaupt, gering gewesen sein und erklären den Anstieg des Euro nicht.

Der Franken ist für grosse Investoren keine geeignete Anlagewährung, was jedoch nicht neu ist. Die Zinsen in der Schweiz sind im Vergleich zu anderen Ländern und Währungen sehr tief. Das grössere Hindernis ist aber das Fehlen von geeigneten Anlagemöglichkeiten. Es gibt im Franken keinen liquiden Geldmarkt mit Staatspapieren wie den US-Treasury Bills oder den deutschen Bubills. Die von der Eidgenossenschaft regelmässig lancierten Geldmarktbuchforderungen sind volumenmässig gering und vor allem nicht handelbar.

Wenig liquide Instrumente, um in den Fraken als Währung zu investieren
Das Hauptinstrument im Geldmarkt sind Anlagen bei Banken. Diese verrechnen zur Abwehr ungewünschter Liquidität für grössere und kurzfristig platzierte Gelder Negativzinsen deutlich unter dem Libor-Satz. Zudem besteht ein erhebliches Kreditrisiko. Der Obligationenmarkt kämpft mit Ausnahme von ein paar Eidgenossen-Anleihen für grosse Beträge mit einer ungenügenden Liquidität. Entsprechend hoch sind die Transaktionskosten in Form der Differenz zwischen dem Geld- und dem Briefkurs. Der einzige Franken-Kapitalmarkt, der für grosse Anleger wirklich geeignet ist, ist der Aktienmarkt. In den Aktien der international bekannten und grosskapitalisierten Unter-nehmen besteht ein reger und sehr liquider Handel, der das Kaufen und vor allem auch das Verkaufen grosser Positionen möglich macht. Allerdings ist damit das Eingehen von Aktienrisiken verbunden, was für Anleger, welche in erster Linie am Franken als Währung interessiert sind, nicht ideal ist.

Die SNB legt an Glaubwürdigkeit zu
Für diese gibt es zwei Gründe, Franken zu halten. Einerseits ist es die Suche nach politischer und wirtschaftlicher Sicherheit, andererseits die Spekulation auf eine Aufwertung der Währung. Während das Argument der Sicherheit schwierig zu erfassen ist, aber insgesamt nach wie vor Gewicht hat, hat sich die Hoffnung auf einen raschen Kursgewinn seit der Aufhebung der Eurountergrenze nicht erfüllt. Der Nationalbank ist es gelungen, mit gezielten Interventionen eine Aufwertungsphantasie gar nie aufkommen zu lassen, trotz Griechenlandkrise und EZB-Versprechen für immer noch mehr Geld. Sie hat diesbezüglich in den letzten Monaten geschickt hantiert und sich im Devisenmarkt wieder Respekt verschafft. Es ist offensichtlich immer noch gefährlich, gegen die SNB zu spekulieren. (SGKB/mc/pg)

Dr. Thomas Stucki ist CIO der St.Galler Kantonalbank. Herr Stucki hat einen Abschluss mit Doktorat in Volkswirtschaft von der Universität Bern und ist CFA Charterholder. Er führt bei der St.Galler Kantonalbank das Investment Center mit rund 30 Mitarbeitenden. Er ist verantwortlich für die Verwaltung von Kunden-mandaten und Anlagefonds im Umfang von CHF 4,4 Milliarden. Zuvor war er als Leiter Asset Management der Schweizerischen Nationalbank verantwortlich für die Verwaltung der Devisenreserven.

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