SGKB Investment views: Der Franken rückt wieder ins Zentrum

Thomas Stucki
Thomas Stucki, CIO St. Galler Kantonalbank. (Foto: SGKB)

Von Thomas Stucki, CIO der St.Galler Kantonalbank (Foto: SGKB)

St. Gallen – Lange war es um den Franken recht ruhig. Nach dem Ende der Spekulationen um einen Austritt Griechenlands aus der Eurozone im letzten Sommer ist er gegenüber dem Euro von 1.05 auf 1.09 gefallen und verhielt sich dann längere Zeit stabil. Auch während den Turbulenzen an den Finanzmärkten im Januar war keine Flucht in den Franken erkennbar. Im Gegenteil: Er schwächte sich zum Euro bis auf 1.11 ab. Seither ist der Druck auf den Franken nach oben wieder gestiegen und er verteuerte sich auf 1.08. Auch wenn 1.08 im Vergleich zum Stand nach der Aufhebung der Euro-Untergrenze vor einem Jahr immer noch beruhigend ist, steigt sofort der Druck auf die Nationalbank, etwas dagegen zu unternehmen.

Dabei war die SNB auch in den letzten Monaten nicht untätig. Zwar haben das Ende der Grexit-Diskussionen und die Gewöhnung an das QE-Programm der EZB geholfen. Die Negativzinsen beziehungsweise die negative Zinsdifferenz zu den anderen Währungsblöcken haben auch dazu beigetragen, dass Anlagen in Franken unattraktiv sind.

Aktive Rolle der SNB
Ein wesentlicher Faktor ist jedoch, dass die SNB gezielt mit Verkäufen nachgeholfen hat, um den Franken zu schwächen oder zumindest stabil zu halten. Ob und wieviel sie am Devisenmarkt interveniert hat, ist nicht bekannt. Der Anstieg der Devisenreserven seit dem letzten März bis Ende Jahr um über 50 Milliarden Franken lässt sich jedoch nur zum Teil durch Bewertungsgewinne und Erträge erklären. Auf den Fremdwährungspositionen erzielte die SNB in dieser Periode lediglich einen Gewinn von rund 10 Milliarden Franken. Die Differenz von rund 40 Milliarden Franken wird grösstenteils durch den Verkauf von Franken akkumuliert worden sein. Die SNB hat sich damit den Respekt des Marktes wieder zurückgeholt. Man traut ihr zu, den Franken steuern und bei Bedarf zumindest vorübergehend schwächen zu können. Es ist gefährlich, im grossen Stil auf eine Franken-Aufwertung zu spekulieren.

Die SNB wird ihre Politik der gezielten Interventionen fortführen, insbesondere im Umfeld von Spezialereignissen wie dem EZB-Entscheid vom nächsten Donnerstag. Damit versucht sie, eine Aufwertungsspekulation für den Franken gar nie aufkommen zu lassen.

Schrumpfende Zinsdifferenz zum Euro
Die Bilanzsumme der SNB wird deshalb weiter zunehmen. Eine wichtige Rolle wird auch weiterhin die negative Zinsdifferenz zum Euroraum spielen. Hier sieht es leider nicht so gut aus. Betrug die Differenz im Libor für drei Monate vor einem Jahr noch 1.00%, ist sie mit zunehmender Tendenz auf 0.60% geschrumpft. Sollte diese Entwicklung weitergehen und die Differenz immer kleiner werden, ist nicht auszuschliessen, dass die SNB ihr Zielband noch weiter in den negativen Bereich drückt. Wo die Schmerzgrenze für die SNB diesbezüglich liegt, ist schwierig zu sagen. Ich denke aber, dass die SNB einen solchen Schritt nur macht, wenn der Druck auf den Franken sehr stark wird. (SGKB/mc/ps)

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