SIX glaubt an Standort Schweiz für Handel mit strukturierten Produkten

Christian Katz

SIX-CEO Christian Katz.

Zürich – Die Börsenbetreiberin SIX Swiss Exchange will den Schweizer Teil der Börse für strukturierte Produkte als eigenständige Firma mit eigener Börsenlizenz erhalten. Derzeit tritt diese unter dem Namen «SCOACH BY SIX» auf (SCOACH). SCOACH soll dabei stärker in die SIX eingebunden werden und gegebenenfalls einen neuen Markennamen erhalten, erklärte SIX-CEO Christian Katz am Mittwoch in Zürich vor den Medien.

«Es gibt unseres Erachtens auf der ganzen Welt keinen Markt für strukturierte Produkte, der besser automatisiert oder transparenter ist als SCOACH. Deshalb müssen wir nach Opportunitäten suchen um dieses Konzept im Ausland zu multiplizieren», erklärte Katz in Bezug auf die Zukunft von SCOACH in der Schweiz. Allfällige Internationalisierungsbestreben würden unter Einbindung der Kunden durchgeführt, so der Börsenchef.

Auflösung von Joint Venture bringt neue Möglichkeiten
Nach der Auflösung des Joint Ventures mit der Deutschen Börse senkt SCOACH nun die Anbindungsgebühren um 20% und die Listinggebühren um 35%. Dieser Schritt sei am Folgetag der Auflösung der Zusammenarbeit erfolgt. Die Hauptgründe für die Auflösung seien die zunehmend unterschiedlichen Märkte und Marktstrukturen, sowie die unterschiedliche Eigentümerstruktur von SIX und Deutscher Börse gewesen, so Katz.

Katz liess zudem durchblicken, dass die Gewinnteilung im alten Joint Venture im Rahmen der Beteiligungsstruktur von 50/50 gelegen hatte. Zuletzt hatte der Schweizer Markt rund 62% des gemeinsamen Umsatzes generiert.

Exzessive Tick-Arbitrage soll limitiert werden
Neu führt die Börse zudem eine so genannte «progressive usage fee» ein, die exzessive Tick-Arbitrage limitieren soll. Davon sind die Ordertypen FOK und IOC betroffen, die gemäss Untersuchungen der SCOACH am häufigsten zur technischen Ausnutzung der Tick-Arbitrage benutzt wurden.

Ebenfalls neu ist die bilaterale Handelsplattform XBTR, die Teile des Interbankenhandels mit Privatplatzierungen und damit einen Teil des OTC-Geschäfts bei SCOACH eingliedern soll. Die Plattform befinde sich derzeit bei Marktteilnehmern in der Testphase und generiere positives Feedback, so Reuss.

Liquidität aus EUREX-Verkauf
Seit dem Verkauf des EUREX-Anteils per Anfang 2012 besitzt die SIX liquide Mittel, die zur Expansion benutzt werden könnten. «Auf Börsenseite wären wir an Euronext interessiert», erklärte Katz. Es gebe aber auch in anderen Bereichen Opportunitäten. Anfang Jahr hatte die SIX bereits für rund 30 Mio CHF die Oslo Clearing von der Osloer Börse übernommen.

Regulatorische Gefahren
Im Sinne der Harmonisierung von strukturierten Produkten seien zudem einheitliche Regulationen nötig. Uneinheitliche Regulation könnten nämlich dazu führen, dass es zu einer Verlagerung hin zu OTC-Geschäften (Over The Counter) beim Handel von strukturierten Produkten komme. Dies verringere die Transparenz deutlich, denn das genaue Ausmass des OTC-Handelsvolumen sei unmöglich zu ermitteln, so Katz.

Die Profitabilität des Geschäfts mit strukturierten Produkten im Vergleich zum Payment-Services Geschäft wollte Katz auf Anfrage eines Medienvertreters nicht beantworten. (awp/mc/pg)

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