Skandale belasten Barclays mal wieder

Antony Jenkins

Barclays-CEO Antony Jenkins. (Foto: Barclays)

London – Die britische Bank Barclays stellt sich auf eine hohe Strafe im Skandal um manipulierte Devisenkurse ein. Im ersten Quartal erhöhte sie die Rückstellungen für den Devisenskandal um 800 Millionen Pfund auf rund 2,1 Milliarden Pfund (2,9 Mrd Euro). Dies hat ihr neben wiederholt angefallenen Entschädigungen an Kunden für unnütze Kreditversicherungen das Ergebnis verhagelt. Im operativen Geschäft sei es jedoch das beste Quartal seit vielen Jahren gewesen, sagte Barclays-Chef Antony Jenkins am Mittwoch in London.

Der um Rückstellungen für Rechtsstreitigkeiten und andere Sonderposten bereinigte Gewinn sei um ein Fünftel auf 1,06 Milliarden Pfund gestiegen. Inklusive dieser Sonderfaktoren ging der Überschuss aber um 52 Prozent auf 465 Millionen Pfund zurück. An der Börse kamen die Zahlen nicht gut an. Nach einem freundlichen Start drehte die Aktie schnell ins Minus und verlor zuletzt mehr als 2 Prozent. Vor allem die Höhe der Rückstellungen für den Devisenskandal stiess vielen Investoren sauer auf.

Teurerer Vergleich mit US-Behörden?
Einige Analysten bemängelten, dass die britische Grossbank sich mit dem US-Justiziministerium nicht wie einige andere Institute schon auf einen Vergleich geeinigt hat. Jetzt könnte es für die Bank möglicherweise teurer werden als im vergangenen November, als das Institut in letzter Minute aus dem Vergleich der Behörden mit einer Gruppe anderer Banken ausgeschert war.

Finanzvorstand Tushar Morzaria verteidigte den Schritt aber. Er bedauere es nicht, sich dem Vergleich der anderen Häuser nicht angeschlossen zu haben. «Wir glauben weiter, dass es die richtige Entscheidung für die Bank war und wir arbeiten so hart wie möglich daran, die Sache aus der Welt zu schaffen.» Derzeit gebe es viele Gespräche mit den Behörden weltweit, um eine Lösung zu finden.

Erst in der vergangenen Woche hatte die «Financial Times» berichtet, dass sich die Banken wegen der Manipulation von Devisenkursen auf hohe Strafen des US-Justizministeriums einstellen müssen. Dabei könnten alleine von dieser Seite Zahlungen im Milliardenbereich auf Barclays zukommen. Die Briten müssen sich zudem noch mit anderen Behörden einigen.

Die Deutsche Bank, obwohl einer der grössten Devisenhändler der Welt, nimmt dem Bericht zufolge nicht an den derzeitigen Gesprächen mit dem US-Justizministerium teil. Damit steigt die Chance, dass die grösste deutsche Bank glimpflicher als bei der Manipulation von Referenzzinsen (Libor) davonkommt – die Behörden hatten zuletzt angedeutet, dass sie sich im Devisenskandal zunächst auf die schwerwiegendsten Verdachtsfälle konzentrieren. Für das Ende der Libor-Ermittlungen hatte das Institut vergangene Woche 2,5 Milliarden Dollar auf den Tisch gelegt. (awp/mc/upd/ps)

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