SNB: Banken müssen weitere Anstrengungen unternehmen

Thomas Jordan

SNB-Direktoriumsmitglied Thomas Jordan.

Zürich – Nach Ansicht der Schweizerischen Nationalbank (SNB) besteht für die Schweizer Grossbanken angesichts der hohen Risiken im internationalen Umfeld weiterer Handlungsbedarf. Die Verschlechterung des internationalen Umfelds sei nicht spurlos an den Schweizer Instituten vorbeigegangen. Ihre Profitabilität habe im zweiten Halbjahr 2011 unter volatilen Finanzmärkten und geringer Kundenaktivität gelitten, erklärte SNB-Direktionsmitglied Thomas Jordan gemäss Redetext anlässlich der geldpolitischen Lagebeurteilung am Donnerstag.

Die beiden Grossbanken hätten vor diesem Hintergrund eine bedeutende Reduktion ihrer Risiken für die nächsten Jahre angekündigt und ihr verlustabsorbierendes Eigenkapital weiter ausgebaut. Die Nationalbank begrüsse diese Massnahmen und betrachte sie als weitere Schritte auf dem Weg zu einer solideren Eigenkapitalsituation. Allerdings verfügten die Instituten gemessen an ihrem Risikoprofil und angesichts der bedeutenden Unsicherheiten im internationalen Umfeld nach wie vor über wenig verlustabsorbierendes Eigenkapital. Deshalb seien zusätzliche Anstrengungen zur weiteren Verbesserung der Eigenkapitalsituation notwendig, folgert Jordan.

Rückgang Aktivitäten auf Interbankenmarkt
Insgesamt habe sich das für die Stabilität des Schweizer Finanzsystems relevante internationale Umfeld im zweiten Halbjahr 2011 verschlechtert, so die SNB weiter. Der Vertrauensverlust in das Bankensystem habe erneut zu einem starken Rückgang der Aktivitäten auf dem Interbankenmarkt geführt. Dies schlägt sich gemäss Jordan unter anderem in höheren Refinanzierungskosten und Liquiditätsengpässen nieder. Die Nationalbank rechnet hier in absehbarer Zeit nicht mit einer Verbesserung.

Die meisten Inlandbanken haben gute Kapitalsituation
Mit Blick auf die inlandorientierten Banken konstatiert die SNB bei den meisten Institituten eine nach wie vor gute Kapitalsituation. Allerdings sei die Profitabilität aber leicht gesunken. Gemäss Jordan sehen sich die inlandorientierten Banken zum einen mit einem unverändert hohen Zinsänderungsrisiko sowie einem weiter gestiegenen Kreditrisiko konfrontiert. Das Kreditrisiko sei dabei zum einen als Folge der Eintrübung der Konjunkturaussichten sowie zum anderen durch die starke Zunahme der Hypotheken und Immobilienpreise gestiegen. Eine Umfrage unter den Banken lasse auf eine hohe Risikobereitschaft einzelner Institute bei der Vergabe von Hypotheken schliessen, so Jordan.

Effiziente markroprudenzielle Politik unerlässlich

Vor diesem Hintergrund sei der Aufbau eines Rahmens für eine effiziente makroprudenzielle Politik unerlässlich, fordert die SNB. Die Währungshüter begrüssen denn auch die jüngsten Fortschritte bei der Ausgestaltung der makroprudenziellen Politik in der Schweiz. «Entscheidend ist aber, dass die entsprechenden Massnahmen tatsächlich umgesetzt werden,» so Jordan. Dies sei umso wichtiger, als sich die Gefahr einer Fehlentwicklung auf dem Schweizer Hypothekar- und Immobilienmarkt im auslaufenden Jahr erhöht habe. Dazu komme, dass die Geldpolitik aufgrund ihrer Fokussierung auf den Mindestkurs derzeit mit den herkömmlichen Instrumenten nicht auf eventuelle Fehlentwicklungen im Hypothekarmarkt reagieren könne, warnt das SNB Direktorium. (awp/mc/ps)

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