Nationalbank hält an expansiver Geldpolitik fest

Thomas Jordan
SNB-Direktionspräsident Thomas Jordan. (Foto: SNB/P. von Ah)

SNB-Direktionspräsident Thomas Jordan. (Foto: SNB/P. von Ah)

Zürich – Die Schweizerische Nationalbank (SNB) hat ihre Geldpolitik bekräftigt, die seit Aufhebung des Euro-Mindestkurses gilt. Eine weitere Verschärfung bei den Negativzinsen blieb damit wie zumeist erwartet aus. Bezüglich Konjunktur geben sich die Währungshüter verhalten optimistisch und gehen für 2016 von einer leichten Wachstumsbeschleunigung in der Schweiz aus. Der Franken legte zum Euro im Laufe des Morgens etwas zu.

Konkret belässt die SNB das Zielband für den Dreimonats-Libor bei -1,25% bis -0,25% und den Zins auf SNB-Sichteinlagen bei -0,75%, wie sie am Donnerstag im Rahmen ihrer geldpolitischen Lagebeurteilung mitteilte. «Der Franken ist trotz einer gewissen Abschwächung in den letzten Monaten nach wie vor deutlich überbewertet» sagte SNB-Präsident Thomas Jordan vor den Medien in Bern.

Dem Negativzins unterliegen rund 170 Mrd Franken
Der Negativzins und die Zinsdifferenz zum Ausland sollen den Franken «weniger attraktiv machen und zur weiteren Abschwächung beitragen». Derzeit unterliegen mit etwa 170 Mrd CHF rund 40% der Sichteinlagen bei der SNB dem Negativzins, wie das neue SNB-Direktoriumsmitglied Andréa Maechler erklärte.

Bezüglich Zinsdifferenz hielt Jordan fest, dass diese auch nach der leichten Zinssenkung der Europäischen Zentralbank (EZB) von letzten Donnerstag gegenüber dem Euro deutlich grösser sei als zu Beginn des Jahres. Dies habe dazu beigetragen, dass sich der Franken von seinen Höchstständen kurz nach der Aufhebung des Mindestkurses wieder abgeschwächt habe. Er betonte allerdings, dass die SNB gleichwohl am Devisenmarkt aktiv bleibe, um bei Bedarf den Franken zu schwächen. Ob die SNB auch eine Erhöhung der Negativzinsen diskutiert habe, wollte Jordan auf eine entsprechende Frage nicht beantworten, schloss aber eine weitere Zinssenkung explizit nicht aus.

Vorsichtig optimistisch für 2016
Dass Ziel der SNB-Spitze ist es, dass dank der aktuellen Geldpolitik die Preisentwicklung stabilisiert und die Wirtschaftsaktivität unterstützt wird. Die Konjunktur dürfte sich nämlich laut SNB weiter eher schleppend entwickeln. Sie hat ihre globale Wachstumsprognose für die kurze Frist jedenfalls leicht nach unten angepasst. Allerdings blieben die mittelfristigen Aussichten unverändert, hiess es. Die moderate Erholung in den Industrieländern dürfte sich fortsetzen, glaubt Jordan. «Insgesamt beurteilen wir die weltwirtschaftlichen Aussichten vorsichtig optimistisch», resümierte er.

Für die Schweiz bedeutet dies eine gegenüber dem September unveränderte 2015er-BIP-Prognose von «knapp 1%». Und für 2016 geht die SNB von einer Beschleunigung auf insgesamt «rund 1,5%» aus. Mit der allmählichen Belebung der weltweiten Konjunktur dürfte sich die Auslandnachfrage nach Schweizer Waren und Dienstleistungen weiter festigen, hiess es dazu. Auch die Binnennachfrage dürfte robust bleiben. Allerdings bleibe angesichts starker Preisnachlässe die Margenlage für viele Unternehmen eine grosse Herausforderung. Mit ihrer Einschätzung für 2016 ist die SNB insgesamt etwas optimistischer als die meisten anderen Prognoseinstitute.

Inflationsprognosen wenig verändert
Kaum verändert haben sich in den letzten Monaten die Inflationsschätzungen der SNB. Gemäss der neuen Prognose hat die Teuerung ihren Tiefpunkt im vergangenen Quartal durchschritten. Für das laufende Jahr wird die Inflation bei -1,1% liegen, 0,1 Prozentpunkte höher als noch im September vorhergesagt. Für 2016 wird unverändert eine Inflationsrate von -0,5% erwartet, für 2017 sind es nun +0,3% statt +0,4%.

Jordan betonte dabei, dass sich die Inflationserwartungen stabilisiert hätten und eine gefährliche Deflationsspirale daher nicht zu erwarten sei. Denn die beiden wichtigsten Einflussgrössen, die massive Aufwertung des Frankens und der Rückgang des Ölpreises, seien vorübergehender Natur. Über einen Horizont von zwei Jahren und mehr rechneten Unternehmen laut Umfragen mit positiven Inflationsraten», sagte er und gab sich entsprechend beruhigt: «Die Unternehmen gehen offensichtlich davon aus, dass die gegenwärtig negative Inflation vorübergehend sein wird.»

Insgesamt sind die heutigen Ankündigungen der SNB wenig überraschend ausgefallen. Die meisten Ökonomen und Analysten gingen in etwa davon aus. «Da der Franken auf die EZB-Massnahme von vergangener Woche kaum reagiert hat, bestand kein akuter Handlungsbedarf für Thomas Jordan», meinte etwa die VP Bank in einem Kommentar. Die eidgenössischen Währungshüter hätten somit eine ruhige Hand behalten, was auch richtig sei. (awp/mc/upd/ps)

SNB

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