SNB: Kapitalpuffer der meisten Inlandsbanken wohl ausreichend

Thomas Jordan
SNB-Direktionspräsident Thomas Jordan. (Foto: SNB)

Zürich – Die Schweizer Inlandbanken erwiesen sich im Jahr 2021 als widerstandsfähig. Die auf den Binnenmarkt fokussierten Institute dürften nach Ansicht der Schweizerischen Nationalbank (SNB) auch einen zusätzlichen externen Schock mehrheitlich überstehen.

Die Kapitalpolster der Inlandsbanken seien ein entscheidendes Element für deren Widerstandskraft, betonte die SNB in ihrem am Donnerstag veröffentlichten «Bericht zur Finanzstabilität 2022». Denn die Kapitalpolster bestimmten nicht nur, wie viele Kredite eine Bank vergeben könne. Sie helfen den Instituten auch, mögliche Verluste zu verkraften.

Deutlich über regulatorischen Mindestanforderungen
Die Kapitalpuffer der Inlandsbanken seien «beträchtlich» und lägen aktuell auf einem historisch hohen Niveau, betonte die SNB. Sie befänden sich entsprechend auch deutlich über den regulatorischen Mindestanforderungen.

Eine Szenarioanalyse der SNB lege nahe, dass die «meisten» Institute auch einen Sturm wie eine anhaltende Rezession im Euroraum oder einen Zinsschock mit entsprechenden Folgen für den Schweizer Hypotheken- und Immobilienmarkt überstehen würden.

Die meisten Institute wären in der Lage, die entstehenden Verluste aufzufangen und ihre Rolle als Kreditgeber für die Realwirtschaft wahrzunehmen, erklärten die Währungshüter.

Die Rentabilität der Inlandsbanken sei im historischen Vergleich aber nach wie vor niedrig, erklärte die SNB. Sie dürfte sich aber künftig allmählich verbessern, weil die Zinsmargen vom jüngsten Anstieg der langfristigen Zinssätze profitieren würden.

Risiko Immobilienmarkt
Ein besonderes Schlaglicht wirft die SNB einmal mehr auf den heimischen Immobilienmarkt. Die inländisch ausgerichteten Banken hätten ihr Engagement in dem Bereich weiter erhöht. Angesichts der zunehmend überzogenen Bewertungen sei aber eine Marktkorrektur wahrscheinlicher geworden. Das gelte insbesondere für Renditeliegenschaften.

Steigende Zinssätze könnten laut SNB indes zu einer zu einer «sanften» Preiskorrektur mit einer entsprechenden Verringerung der Anfälligkeit führen. Doch je mehr und je schneller die Zinsen stiegen, desto grösser sei das Risiko einer starken und abrupten Korrektur auf dem Immobilienmarkt. Das würde die kreditgebenden Banken einem «erheblichen» Verlustpotenzial aussetzen.

Die SNB werde die Entwicklungen an den Hypotheken- und Immobilienmärkten daher weiterhin genau beobachten, erklärten die Währungshüter.

Der Bundesrat hatte auf Antrag der SNB im Januar 2022 den antizyklischen Kapitalpuffer auf einem höheren Niveau als vor der Pandemie reaktiviert. Dieser war zuvor im Frühjahr 2020 im Zuge der Corona-Krise aufgehoben worden, damit die hiesigen Banken mehr Liquidität erhalten und die hiesige Wirtschaft besser mit Krediten versorgen können.

Das Instrument war vor rund neun Jahren eingeführt worden und sollte die Risiken einer Immobilienblase eindämmen. (awp/mc/pg)

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