SNB-Maechler: Franken deutlich überbewertet

Andréa Maechler

SNB-Direktoriumsmitlied Andréa Maechler. (Foto: SNB/P. von Ah)

Zürich – Die Schweizerische Nationalbank (SNB) sieht den Schweizer Franken nach wie vor als deutlich überbewertet an. Nachdem SNB-Präsident Thomas Jordan dies bereits am Mittwoch am Treffen mit dem Bundesrat unterstrichen hatte, vertritt auch Direktoriumsmitglied Andréa Maechler am Geldmarkt-Apéro vom Donnerstag in Genf diese Haltung.

Zwar habe sich der Franken im Anschluss an die massive Aufwertung unmittelbar nach der Aufhebung des Mindestkurses trotz Phasen erhöhter Volatilität an den Finanzmärkten während des Sommers gegenüber dem Euro sukzessive abgeschwächt. Er bleibe aber dennoch deutlich überbewertet. Beispielsweise liege der reale effektive Wechselkurs – der inflationsbereinigte Wechselkurs des Frankens gegenüber einem Korb mit den Währungen unserer Haupthandelspartner – noch immer rund 15% über seinem langjährigen Durchschnittswert, verglichen mit unter 10% Ende 2014.

Negativzins eine Folge des fragilen internationalen Umfelds
In ihrer Rede strich Maechler, die seit Mitte Jahr dem dreiköpfigen SNB-Direktorium angehört, zudem die Wichtigkeit des Negativzinses und von Interventionen am Devisenmarkt heraus. Diese Massnahmen würden dazu beitragen, den Aufwertungsdruck auf den Franken zu dämpfen, sagte sie. Der auf den SNB-Sichtguthaben der Banken und anderer Finanzmarktteilnehmer erhobene Negativzins zähle aber nicht zu den gewöhnlichen geldpolitischen Instrumenten, hielt Maechler fest. Er sei eine Folge des fragilen internationalen Umfelds mit ausserordentlich tiefen Zinssätzen. Mit dem Negativzins habe die SNB die traditionelle Zinsdifferenz zum Ausland wieder hergestellt.

Negativzins funktioniert bemerkenswert gut
Immerhin habe der Negativzins als Massnahme bemerkenswert gut funktioniert, wie die bisherigen Erfahrungen an den Geld- und Kapitalmärkten gezeigt hätten, so Maechler weiter. Während der Negativzins zu einer Senkung der Zinsen an diesen Märkten geführt habe, seien die Zinsen für Hypotheken nicht im gleichen Ausmass zurückgegangen. Für Hypotheken mit langen Laufzeiten seien sie Zinsen im Vergleich zu Jahresanfang sogar leicht gestiegen. „Dies bedeutet, dass sich die Befürchtungen, wonach der Negativzins die Ungleichgewichte auf dem Hypothekarmarkt verschärfen könnte, bisher nicht bewahrheitet haben“, sagte Maechler.

Schweizer Wirtschaft überraschend widerstandsfähig
Auch habe sich die Schweizer Wirtschaft angesichts des schwierigen Umfelds seit der globalen Wirtschaftskrise als überraschend widerstandsfähig erwiesen. Maechler hob dabei die Geldpolitik und die Wettbewerbsfähigkeit als zwei dafür verantwortliche Faktoren hervor. Von den Unternehmen und ihren Mitarbeitenden erforderten die Massnahmen zum Erhalt der Wettbewerbsfähigkeit allerdings schmerzhafte Anpassungen, gab sie zu bedenken. Dazu gehöre etwa auch, eine tiefere Gewinnmarge zu akzeptieren.

Interventionen am Devisenmarkt im Sommer
Weiter zeige die SNB auch die Bereitschaft, am Devisenmarkt zu intervenieren. Diese Massnahme komme dann zum Tragen, wenn die Risikoaversion der in- und ausländischen Investoren wegen grosser Unsicherheiten und volatiler Märkte abrupt steige und deshalb die Nachfrage nach Franken zunehme. „Das war beispielsweise in diesem Sommer im Zusammenhang mit den Ereignissen in Griechenland der Fall“, erklärte Maechler.

Für die Weltwirtschaft insgesamt erwartet die SNB in den kommenden Jahren ein moderates Wachstum. Diese Entwicklung soll dazu beitragen, die Nachteile durch die Überbewertung des Frankens zumindest teilweise aufzuwiegen. Auch dürfte die durchschnittliche Inflationsrate in der Schweiz gemäss SNB-Prognosen im vierten Quartal dieses Jahres ihren Tiefpunkt erreichen.

Da die beiden wichtigsten Einflussgrössen, die massive Aufwertung des Frankens und der Rückgang des Ölpreises, vorübergehender Natur seien, stellten sie für die mittelfristige Preisstabilität in der Schweiz keine Bedrohung dar. „Eine anhaltende Negativteuerung oder gar eine Deflationsspirale sind daher nicht zu erwarten“, ist Maechler überzeugt. Die Inflation sollte Anfang 2017 in den positiven Bereich zurückkehren und auch die mittel- und langfristigen Inflationserwartungen lägen laut Umfragen nach wie vor im positiven Bereich. (awp/mc/pg)

SNB

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