Société Générale und Crédit Agricole bekommen Konjunktur zu spüren

Frédéric Oudéa

SocGen-Chef Frédéric Oudéa.

Paris – Die schwache Konjunktur in Frankreich kommt bei den Grossbanken des Landes an. Am Donnerstag meldeten Société Générale und Crédit Agricole zum Teil heftige Gewinnrückgänge im Privatkundengeschäft auf ihrem Heimatmarkt. Die Aktien beider Unternehmen gingen daraufhin auf Talfahrt. Dabei standen bei den Konzernen insgesamt unter dem Strich doch noch Gewinnsteigerungen. Das lag aber vor allem an schwachen Vergleichswerten aus dem Vorjahr. Vorige Woche hatte Marktführer BNP Paribas bereits schwache Zahlen aus dem französischen Privatkundengeschäft gemeldet.

SocGen verdiente mit seinen Filialen in Frankreich 2,7 Prozent weniger als vor einem Jahr. Bei Crédit Agricole brach der Gewinn in den französischen Genossenschaftsbanken um 10 Prozent ein, die Tochterbank LCL verdiente sogar 15 Prozent weniger. Bislang hatten sich die Institute noch erfolgreich gegen den Abwärtstrend der heimischen Wirtschaft gestemmt. «Wir warten auf Zeichen einer Erholung», sagte Crédit-Agricole-Chef Jean-Paul Chifflet.

Dass Crédit Agricole den Konzernüberschuss dennoch um vier Prozent auf 758 Millionen Euro steigerte, verdankte das Institut einem besseren Geschäft im Investmentbanking. Auch im Ausland ging es nach hohen Verlusten vor einem Jahr aufwärts. Sein Engagement ausserhalb Frankreichs hatte das börsennotierte Spitzeninstitut der französischen Genossenschaftsbanken in den vergangenen Jahren immer wieder schwer belastet. So sorgte die inzwischen verkaufte Griechenland-Tochter lange für hohe Verluste. Im zweiten Quartal 2014 kostete der Crash der portugiesischen Banco Espírito Santo fast den gesamten Gewinn. Crédit Agricole hatte bei den Portugiesen eine Beteiligung von 15 Prozent gehalten.

Der Umbau bei der Bank, die das Investmentbanking stark eingedampft hat und sich nun vor allem auf das Geschäft in Frankreich konzentriert, kam an der Börse bislang gut an. Seit Jahresbeginn hatte die Aktie bislang rund ein Viertel zugelegt und liegt damit klar über dem europäischen Branchendurchschnitt. Doch am Donnerstag geriet sie unter die Räder und verlor bis zum frühen Nachmittag rund 4 Prozent an Wert.

Bei SocGen legte der Überschuss im Sommerquartal sogar um 57 Prozent auf 836 Millionen Euro zu. Allerdings war das Vorjahresergebnis von einer besonders hohen Risikovorsorge belastet. Unter anderem hatte das Institut im Vorjahr seine Rückstellungen für Rechtsrisiken deutlich erhöht. Diesmal verzichtete die Bank auf die Bildung neuer Reserven. Bis zum Nachmittag verloren die Aktien der Bank knapp ein Prozent und holten damit einen Teil der Verluste vom Vormittag wieder auf. Die französischen Grossbanken waren allesamt gut durch den Fitnesschecks der Europäischen Zentralbank (EZB) gekommen. (awp/mc/ps)

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