Spanien zahlt hohe Zinsen für Kapital

Cristóbal Montoro

Spaniens Finanzminister Cristóbal Montoro.

Madrid / Paris – Durch den Euroraum zieht sich eine grosse Renditekluft: Während solide Länder wie Frankreich so günstig wie noch nie an frisches Kapital kommen, müssen Krisenländer wie Spanien bei der Schuldenaufnahme nach wie vor sehr hohe Zinsen zahlen. Selbst die geplanten Finanzhilfen für den angeschlagenen Bankensektor Spaniens sorgen nicht für nachhaltige Beruhigung. Und die teils scharf kritisierten Reformpläne der neuen Regierung Frankreichs halten Anleger bislang nicht davon ab, dem Land Geld zu leihen.

Dem Euro-Krisenland Spanien gelang es am Donnerstag nur zu deutlich höheren Zinsen, mittelfristige Staatsanleihen zu platzieren. Zudem ging die Nachfrage spürbar zurück. Sie war in etwa halb so stark wie bei vorherigen Auktionen. Dennoch konnte Madrid mit knapp drei Milliarden Euro fast so viel Kapital aufnehmen wie geplant. Die zu zahlenden Renditen legten jedoch deutlich zu und bewegten sich zwischen 5,2 und 6,7 Prozent. So hohe Zinsen müssen im Währungsraum nur sehr wenige Staaten zahlen.

Frankreich mit Rekordtief
Frankreich konnte sich unterdessen so günstig wie noch nie frisches Kapital für fünf Jahre besorgen. Bei einer Versteigerung neuer Staatsanleihen mit Fälligkeit 2017 sank die zu zahlende Rendite binnen Monatsfrist kräftig um 0,57 Punkte auf 0,86 Prozent. Das ist ein Rekordtief in dieser Laufzeit. Inklusive zwei weiterer Anleihen über drei und vier Jahre nahm der französische Staat knapp neun Milliarden Euro ein. Trotz der sehr niedrigen Zinsen blieb die Nachfrage hoch.

Spanien hingegen muss für ähnlich lange Laufzeiten ein Vielfaches bieten wie Frankreich. Dies spiegelt zum einen das grosse Misstrauen wider, das Anleger der viertgrössten Euro-Wirtschaft derzeit entgegenbringen. Auf der anderen Seite erklären Experten das sehr niedrige Renditeniveau in Frankreich nicht nur mit einer höheren Kreditwürdigkeit. Als weitere Gründe gelten die sehr üppige Liquiditätsausstattung des Euro-Bankensystems und die Reduzierung des Einlagensatzes der Europäischen Zentralbank (EZB) auf null Prozent. Dies mindert den Anreiz für die Geldhäuser, Liquidität bei der EZB zu parken und sorgt für eine stärkere Nachfrage nach Vermögenswerten wie Staatsanleihen.

Reformen schrecken nicht ab
Darüber hinaus herrscht derzeit Anlagenoststand, weil das Renditeniveau in sehr kreditwürdigen Ländern wie Deutschland extrem niedrig liegt. Das lässt professionelle Anleger in Staaten investieren, deren Bonität zwar etwas geringer ist als diejenige Deutschlands, die aber dennoch als robust gelten. Offensichtlich lassen sich die Investoren auch nicht von den kräftigen Steuererhöhungen und der Rücknahme von Einsparungen abschrecken, die die neue französische Regierung plant. Beides wird von Ökonomen als wachstumsschädlich bewertet. (awp/mc/ps)

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