Stephan Steiner, CEO Elektrizitätswerk Uznach AG, im Interview

Stephan Steiner
Stephan Steiner, CEO EO Elektrizitätswerk Uznach AG.

von Bob Buchheit

Moneycab.com: Herr Steiner, wegen etwas geringerer Erträge und etwas höherer Aufwendungen sank der Jahresgewinn 2018 um rund 10 Prozent. Wo liegen jetzt die Hauptherausforderungen?

Stephan Steiner: Mit den Zielen der Energiestrategie 2050 sind wir mit vielfältigen Anforderungen hinsichtlich Umbau unserer Netze konfrontiert. So müssen wir unseren Kunden leistungsfähigere Netze zur Verfügung stellen, obwohl diese vermehrt ihre Energie selber produzieren. Vor diesem Hintergrund müssen wir die Leistungsflüsse in unserem Netz genau erfassen und analysieren. Investitionen und Ausrichtung in die Digitalisierung und die Transformation der Netze sind das Gebot der Stunde.

Der grösste Ertragspfeiler der EWU sind ja die Netzentgelte, nicht der Verbrauch. Damit hat die EWU eine sehr sichere Einnahmequelle. Ist eine Diversifikation dennoch kein Thema?

Als Versorgungsunternehmen ist das Angebot eines leistungsfähigen und sicheren Netzes ein wesentlicher Bestandteil unseres Leistungsauftrages. In diesem Zusammenhang sehen wir die Unterstützung der Energieproduktion aus erneuerbaren Energiequellen als naheliegende Aufgabe, marktorientierte Dienstleistungen anzubieten.

Sie treten daher immer mehr als Generalinstallateur von Stromanlagen auf, vornehmlich Photovoltaik. Ist Wind in der Linthebene gar kein Thema?

Seit Jahren werden entsprechende Projekte durch Dritte geplant. Ein aktuelles Projekt mit drei Anlagen stösst auf Widerstand der betroffenen Bevölkerung, weil die Anlagen nahe am Siedlungsgebiet geplant sind und weil das Gebiet mit Infrastrukturprojekten wie Kehrrichtverbrennungs- und Abfallreinigungsanlagen, Autobahn und Übertragungsleitungen stark belastet ist.

Die Bevölkerung wehrt sich also gegen eine Verspargelung der Landschaft?

Es sieht so aus.

Im letzten Jahr stieg der Verwaltungs- und Informatikaufwand um rund 20 Prozent. Worauf war dies zurückzuführen?

Wir haben ausgelagerte Informatikdienstleistungen in die eigene Systemlandschaft integriert, weil zu viele Schnittstellen zwischen den vielfältigen Anwendungen eine transparente Verarbeitung erschwert haben und nicht alle unsere Anforderungen erfüllen konnten.

„Dank der fernausgelesenen Zähler können wir den Energiekonsum den Kunden zeitnah in Rechnung stellen, und als Zusatznutzen können wir die täglich erfassten Energiebezüge für die Netzanalyse verwenden.“ 
Stephan Steiner, CEO Elektrizitätswerk Uznach AG

Im Berichtsjahr wurden bereits ein Drittel Ihrer 3650 Stromzähler fernabgelesen. Böse Zungen behaupten aber, die klassischen Stromzähler halten länger. Hat man da schon Erfahrungen gesammelt?

Einerseits können die regulatorischen Anforderungen an Stromzähler mit klassischen Geräten nicht erfüllt werden und andererseits verlangt auch das Kundenbedürfnis nach intelligenten Messsystemen. Daher werden die alten Geräte bald kein Thema mehr sein. Dank der fernausgelesenen Zähler können wir den Energiekonsum den Kunden zeitnah in Rechnung stellen, und als Zusatznutzen können wir die täglich erfassten Energiebezüge für die Netzanalyse verwenden. Das wirkt sich positiv auf die Versorgungssicherheit aus.

Die EWU-Aktie hat sich in den letzten Jahren verdreifacht. Ist sie, wie so manche Versorgeraktie, ein „Papier für Witwen und Waisen“?

Unsere Aktien finden immer mehr das Interesse neuer Aktionäre.

Ich meinte mit meiner Frage: Hat die EWU-Aktie die üblichen Eigenschaft der Versorgeraktien, also Anleihecharakter?

Bei einer Rendite von über 3 Prozent des aktuellen Aktienkurse und unserer soliden Bilanz können Sie davon ausgehen. Die Dividende wurde ausserdem in den letzten Jahren schrittweise erhöht.

Die freien Gewinnreserven der EWU liegen mittlerweile bei stattlichen 6,4 Millionen Franken. Ist das der Hauptgrund für die insgesamt sehr erfreuliche Kursentwicklung?

Die sichere Stromversorgung mit einem gut ausgebauten Netz, das jährlich hoher Investitionen bedarf, ist der Grundpfeiler des Erfolgs.

Kann es auch einmal zu aussergewöhnlichen Ersatzinvestitionen kommen, oder ist beispielsweise ein grösserer Schaden durch die Schaden- und Haftpflicht-Versicherungen perfekt abgedeckt?

Unsere Investitionen in die Verteilanlagen basieren auf einer kurz-, mittel- und langfristigen Planung, welche die Nutzungsdauer der einzelnen Anlagen berücksichtigt. Wir nehmen bei grösseren Investitionen frühzeitig mit anderen Werken, der öffentlichen Hand sowie mit Investoren Kontakt auf, damit wir in jeder Hinsicht ressourcenschonend vorgehen können. Selbstverständlich kennen wir den Wert unserer Anlagen und entsprechend sind „aussergewöhnliche“ Ereignisse soweit möglich über Versicherungen abgedeckt. Ereignisse aufgrund von Umweltkatastrophen kann auch unsere Branche nicht ausschliessen. Durch Redundanz bei zentralen Versorgungsanlagen und der IT-Umgebung, können wir die Systemverfügbarkeit aber erhöhen.

Pro Jahr werden nur wenige Aktien der EWU gehandelt. Haben Sie im letzten Jahr den Eigenbestand um die Hälfte auf rund 100 Aktien erhöht, um auch hier die einheimische Bevölkerung versorgen zu können?

Aufgrund unserer Eintragungspraxis bitten wir unsere Aktionäre, die Aktien der EWU AG anzubieten beziehungsweise zu verkaufen. Und ja, gerne bieten wir der einheimischen Bevölkerung unsere Aktien an.

„Die Bauindustrie rückt in unsere Region vor und mit ihr auch die Konkurrenz.“

Im Installationsgeschäft spüren Sie die Abschwächung bei der allgemeinen Bautätigkeit. Wie ausgeprägt ist dieser Trend?

Wir stellen fest, dass sich vermehrt grössere Installationsfirmen auch um kleinere Aufträge bemühen.

Sind Sie denn der grösste Anbieter in Ihrem Einzugsgebiet?

Das Elektrizitätswerk Uznach versorgt gemäss Leistungsauftrag grundsätzlich das Gebiet der politischen Gemeinde Uznach. Unsere Elektroinstallation hingegen ist nicht an das Versorgungsgebiet gebunden und bietet ihre Dienstleistungen in der erweiterten Umgebung an. Das St. Galler Linthgebiet grenzt an die Bezirke der Ausserschwyz, den Ober- und Zürichsee und an das Zürcher Oberland. Die Immobilienpreise in unserer Region sind im Vergleich zu den vorab erwähnten Regionen einiges tiefer, und so rückt die Bauindustrie in unsere Region vor und mit ihr auch die Konkurrenz. Wir sind im Elektroinstallationsgeschäft ein KMU mit knapp zehn Mitarbeitenden und bei weitem nicht der grösste Anbieter im Einzugsgebiet.

Zum Gesprächspartner:
Stephan Steiner ist seit 2013 Geschäftsführer der Elektrizitätswerk Uznach AG. Er war von 2004 – 2013 VR-Präsident eines lokalen Energieversorgers. Stephan Steiner ist dipl. Ing. FH in Elektrotechnik, hat verschiedene Nachdiplomstudiengänge absolviert, u.a. einen MAS in Energiesysteme. Vor dem Wechsel in die Energiebranche, war Stephan Steiner zwei Jahrzehnte als IT-Unternehmer tätig.

Zum Unternehmen:
Die Elektrizitätswerk Uznach AG (EWU) erbringt seit mittlerweile mehr als 110 Jahren Energie-Dienstleistungen im Raum Uznach im Kanton Sankt Gallen. Gegründet wurde die Traditionsgesellschaft 1905 ursprünglich als Genossenschaft, um die Eisenbahn Richtung Rickenpass, die lokalen Betriebe und die Bevölkerung über ein eigenes Netz mit Strom zu versorgen. Die Leistungen erstrecken sich heute von der Energiebereitstellung über die Planung bis hin zur Installation von elektrischen Hausinstallationen mit elektrischen Geräten und Zubehör. Die Aktien werden otc, aber auch bei der EWU selbst gehandelt.

Elektrizitätswerk Uznach AG

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Zusätzliche Informationen zur Elektrizitätswerk Uznach AG wie

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