SVV Sicherheitsmonitor: Der Ruf nach Freiheit wird lauter

SVV Sicherheitsmonitor: Der Ruf nach Freiheit wird lauter
«Freiheit und Sicherheit sind zwei Werte, die sich ebenso bedingen wie sie sich begrenzen»: SVV-Direktor Thomas Helbling. (Bild: SVV)

Zürich – Die vierte Ausgabe des SVV Sicherheitsmonitors zeigt, dass auch angesichts der Coronamassnahmen der Wunsch grösser wird, verlorene Freiheit zurückzugewinnen. Der Anteil an Personen, der Freiheit gegenüber Sicherheit priorisiert, ist gegenüber dem Vorjahr um vier Prozentpunkte gestiegen. Dennoch bleibt Sicherheit für die Bevölkerung von zentraler Bedeutung. Sorge bereiten den Befragten die zunehmende Polarisierung und Spaltung der Gesellschaft und die Entwicklung der Altersvorsorge.

Wofür entscheiden wir uns, wenn wir die Wahl haben zwischen Sicherheit und Freiheit? Wie die Ergebnisse des diesjährigen SVV Sicherheitsmonitors zeigen, spaltet sich die Ansicht der Bevölkerung aktuell an dieser Frage. 49 Prozent stellen Freiheit vor Sicherheit, für 47 Prozent geht die Sicherheit vor. Im Vergleich zur Vorjahreserhebung zu Beginn der Coronapandemie ist die Gruppe mit dem Freiheitsprimat grösser (+4 Prozentpunkte) geworden, diejenige, die Sicherheit gegenüber Freiheit priorisiert, kleiner (–4 Prozentpunkte). In den mittleren Altersgruppen und insbesondere im rechtsbürgerlichen Lager haben die anhaltenden Freiheitsbeschränkungen über die vergangenen Monate zu einer Neubewertung des Verhältnisses von Sicherheit und Freiheit zugunsten der Freiheit beigetragen. «Freiheit und Sicherheit sind zwei Werte, die sich ebenso bedingen wie sie sich begrenzen. Es gilt, diese beiden Werte für uns persönlich und für unsere Gesellschaft gegeneinander abzuwägen und bestmöglich auszuloten – ein Spannungsfeld, in dem wir uns auch als Privatversicherer bewegen», sagt Thomas Helbling, Direktor des Schweizerischen Versicherungsverbands SVV.

Junge sehen sich risikoaverser als frühere Generationen
Landläufig wird Risikobereitschaft in der heutigen Gesellschaft als die Neigung verstanden, sich übermässigen Gefahren auszusetzen. Leben wir deshalb in einer zunehmend risikoaversen Gesellschaft? Nein, wenn es nach der Einschätzung der Generation der Babyboomer geht: Diese Bevölkerungsgruppe schätzt sich als eher risikobereiter als die Generationen ihrer Eltern ein. Junge Erwachsene stellen dagegen in ihrer Generation eine offenkundigere Risikoaversion fest.

Um im Leben weiterzukommen, müssen Menschen allerdings bereit sein, bestimmte Risiken einzugehen. Ohne ein Mindestmass an Risikobereitschaft stagnieren Gesellschaft und Wirtschaft. Die Studienergebnisse zeigen, dass die Befragten dabei am ehesten bereit sind, bei einem Stellenwechsel ein Risiko einzugehen. In anderen Bereichen wie dem Immobilienerwerb oder bei Finanzanlagen geht die Bevölkerung lieber auf Nummer sicher. Vor allem in der Altersvorsorge und in der Firmengründung scheut sie das Risiko. Dies, obwohl in diesen Bereichen viele, die ein Risiko eingegangen sind, positive Erfahrungen gemacht haben.

Diese Risiken gefährden die Schweiz
Nach Ansicht der Bevölkerung gefährden insbesondere Risiken, die die gesellschaftliche und politische Stabilität bedrohen, die Schweiz. So sehen 64 Prozent der Befragten die gesellschaftliche Polarisierung mit grosser Besorgnis. «In den vergangenen Monaten ist die öffentliche und gesellschaftliche Diskussion zu den Einschränkungen zur Bekämpfung der Coronapandemie, zu den Kompetenzen des Bundes oder zur Impfpflicht zunehmend hitziger verlaufen. Diese gesellschaftlichen und politischen Gräben und deren Folgen für die Schweiz als Ganzes bereiten den Menschen Sorge», kommentiert Michael Hermann, Geschäftsführer der Forschungsstelle sotomo, die Ergebnisse des SVV Sicherheitsmonitors 2021. Auf den Plätzen zwei und drei folgen Armut und soziale Ungerechtigkeit sowie der Klimawandel. Als keine grosse Gefahr werden hingegen Ereignisse wie Krieg und Terrorismus betrachtet.

Altersvorsorge: Bevölkerung rechnet mit sinkenden Renten
Die Situation der Schweizer Vorsorgewerke wird zunehmend kritisch betrachtet: Der Anteil an Personen, die die Entwicklung der Renten in der Schweiz negativ einschätzen, ist in den vergangenen Jahren kontinuierlich gestiegen. Mittlerweile gehen knapp vier Fünftel der Befragten von sinkenden Renten aus; im Jahr 2019 waren es noch etwas weniger als drei Viertel. Die Angst vor «ungenügenden» Renten hat sich durch die Coronapandemie weiter akzentuiert. 59 Prozent der Befragten sind der Meinung, dass sich die Pandemie negativ auf die Finanzierung der Altersvorsorge auswirkt. «Unabhängig von der Coronapandemie ist die Reform der Altersvorsorge für die Schweizer Privatversicherer zwingend und dringend. Die laufenden Revisionen von AHV und BVG müssen dabei möglichst rasch und unter Wahrung der Gesamtsicht vorangetrieben werden», sagt SVV-Direktor Thomas Helbling.

Den gesamten SVV Sicherheitsmonitor gibt es hier als Download in Deutsch und Französisch. (SVV/mc/ps)

Schweizerischer Versicherungsverband SVV

Methodik
Die Daten für den SVV Sicherheitsmonitors wurden zwischen dem 12. und 28. Mai 2021 durch die Forschungsstelle sotomo erhoben. Die Befragung erfolgte ausschliesslich online. Die Teilnehmenden wurden über die Online-Panels von sotomo und Intervista rekrutiert. Für die Auswertung wurden die Antworten von insgesamt 1609 Personen (Intervista-Panel: 608; sotomo-Panel: 1001) realisiert. Die kombinierte Stichprobe wurde mittels des IPF-Verfahrens (Proportional Fitting) gewichtet. Grundgesamtheit ist die ständige Wohnbevölkerung der deutsch- und französischsprachigen Schweiz ab 18 Jahren. Der Stichprobenfehler liegt bei ±2,4 Prozentpunkten.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.