Swiss Re rutscht zu Jahresbeginn tief in die roten Zahlen

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(Foto: Swiss Re)

Zürich – Die Swiss Re ist mit Verlust ins Jahr 2022 gestartet: Naturkatastrophen, Corona sowie Rückstellungen zum Ukraine-Konflikt belasteten die Rechnung schwer. Und noch ist kaum absehbar, wie hart der Krieg den Konzern tatsächlich treffen wird.

«Zum heutigen Zeitpunkt sind die Kosten des Kriegs für die Versicherungsbranche kaum abschätzbar», sagte Swiss Re-Finanzchef John Dacey am Donnerstag in einer Telefonkonferenz zu Medienvertretern. «Unsere Experten sind laufend daran, die Entwicklungen und finanziellen Folgen zu analysieren.»

Alles in allem rechnet Dacey für die Branche mit einem Schadenspotenzial, das sich mit jenem einer mittelgrossen Naturkatastrophe vergleichen lässt. Ein solches Ereignis kann versicherte Kosten von 10 bis 20 Milliarden US-Dollar auslösen.

Vorsorgliche Rückstellungen
Wieviel am Ende bei der Swiss Re hängen bleibt, wird sich zeigen. Die Gruppe im Branchenvergleich «nicht überdurchschnittlich exponiert», sagte Konzernchef Christian Mumenthaler laut Medienmitteilung. Dennoch habe man den Entschluss gefasst, im ersten Quartal zur Ukraine-Krise «proaktiv und umsichtig» Rückstellungen im Umfang von 283 Millionen US-Dollar zu verbuchen.

Einiges davon wurde für mögliche Zahlungen im Luftfahrt-Geschäft beiseitegelegt. Vor Wochen hatten Meldungen zu mehreren Hundert Flugzeugen für Schlagzeilen gesorgt, die Leasingfirmen an russische Fluggesellschaften verloren haben. Die geprellten Firmen machen nun bei Versicherungen Leistungen in Milliardenhöhe geltend.

Die Gefahr weiterer Kosten schlummert auch bei sogenannten «Credit & Surety»-Deckungen. In diesem Geschäft können sich zum Beispiel Exportfirmen für Warenlieferungen gegen Zahlungsausfälle oder -verzüge versichern. Und sollten russische Firmen reihenweise Konkurs gehen, steigt dieses Risiko.

«Je länger der Krieg andauert, umso höher werden diese Leistungen ausfallen», warnte Dacey. Dagegen seien die immensen Schäden an zerstörten Gebäuden vonseiten der Versicherer in den meisten Fällen nicht gedeckt. Dazu stehen in den Versicherungsverträgen entsprechende Kriegsausschlussklauseln.

Ziele bestätigt
Nebst den Ukraine-Rückstellungen belasteten mehrere Naturkatastrophen in den USA, Europa oder in Australien sowie erneut hohe Corona-Todesfallzahlen in den USA die Rechnung der Swiss Re mit mehr als einer Milliarde Dollar. Unter dem Strich verblieb daher ein Quartalsverlust von 248 Millionen Dollar nach einem Gewinn von 333 Millionen ein Jahr zuvor.

Trotz dem schwachen Jahresstart hält die Swiss Re an den für 2022 gesetzten Zielen fest. Profitables Neugeschäft, steigende Rückversicherungspreise und der Wegfall von Corona-Kosten sollen helfen, die Eigenkapitalrendite bis zum Jahresende in den Bereich von 10 Prozent zu führen. Ob dies gelingt, hängt auch vom Verlauf der Hurrikan-Saison ab, die im Sommer beginnt und bis im Spätherbst läuft.

Aktie gibt deutlich nach
Die Börse reagiert am Donnerstag verschnupft. Bis Handelsschluss verloren die Swiss Re-Valoren 3,24 Prozent auf 77,74 Franken. (awp/mc/ps)

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