Swiss Re-Studie: Katastrophenschäden im ersten Halbjahr gesunken

Swiss Re-Studie: Katastrophenschäden im ersten Halbjahr gesunken
Waldbrände an der US-Westküste.

Zürich – Die Schäden aus Katastrophen in der ganzen Welt sind im ersten Halbjahr zurückgegangen. Insgesamt richteten Katastrophen wirtschaftliche Schäden von schätzungsweise 77 Milliarden Dollar an.

Das ist ein Drittel weniger als im Vorjahr, wie die Swiss Re in ihrer Sigma-Studie schreibt, die am Donnerstag veröffentlicht wurde. Damit liegen die Schäden deutlich unter dem Durchschnitt der letzten zehn Jahre von 108 Milliarden Dollar.

«Voraussichtlich werden die Zahlen aber noch steigen, wenn in den kommenden Monaten weitere Schäden erfasst werden», schrieb die Swiss Re. Zudem sei das erste Halbjahr nicht repräsentativ für die Gesamtjahresentwicklung, weil das dritte Quartal historisch gesehen jeweils in Bezug auf Naturkatastrophen am schadenanfälligsten sei.

Von den geschätzten wirtschaftlichen Gesamtschäden im ersten Halbjahr 2021 wurden 74 Milliarden Dollar durch Naturkatastrophen und weitere 3 Milliarden Dollar durch vom Menschen verursachte Katastrophen verursacht. Insgesamt kamen bei den Katastrophen im ersten Halbjahr fast 4500 Menschen ums Leben oder gelten seither als vermisst.

Versicherungen müssen mehr bezahlen
Trotz des Rückgangs der Schäden muss die Versicherungsbranche sogar noch mehr bezahlen als im Vorjahr. Insgesamt müsse die Branche weltweit versicherte Schäden von 42 Milliarden Dollar schultern, schätzte die Swiss Re. Das seien 4 Prozent mehr als im ersten Semester 2020 und liege klar über dem Durchschnitt der letzten zehn Jahre (38 Milliarden).

Schuld sind die Naturkatastrophen, die mit 40 Milliarden Dollar zu Buche schlagen dürften. Das sei der zweithöchste Wert für ein erstes Halbjahr überhaupt nach 2011, stellte die Swiss Re fest. Damals hatten schwere Erdbeben in Japan und Neuseeland zu Gesamtschäden von 104 Milliarden Dollar im ersten Semester geführt. In der Folge war es zur Atomkatastrophe von Fukushima gekommen.

Dagegen hätten von Menschen verursachte Katastrophen im ersten Halbjahr 2021 lediglich 2 Milliarden Dollar Schäden angerichtet. «Dieser Wert ist tiefer als gewöhnlich, was auf die verbleibenden Covid-19-Einschränkungen zurückzuführen sein dürfte», schrieb die Swiss Re. Vor einem Jahr und im langjährigen Durchschnitt waren es 5 Milliarden Dollar.

Gewaltiger Wintersturm
Schwere Unwetter hätten Naturkatastrophenschäden in die Höhe getrieben. Im Februar führte der Wintersturm «Uri» mit einer extremen Kälteperiode in Verbindung mit starken Schneefällen und Eisansammlungen in den USA zu geschätzten versicherten Schäden von 15 Milliarden Dollar. «Dies war der höchste Wert, der in den USA jemals für diese Gefahr verzeichnet wurde», erklärte die Swiss Re.

Im Juni wurde Europa von Unwettern mit Gewittern, Hagel und Tornados erfasst, bei denen in der Schweiz, Deutschland, Belgien, den Niederlanden und Tschechien Häuser und Fahrzeuge beschädigt wurden. Die versicherten Schäden durch diese Gewitter werden auf 4,5 Milliarden Dollar geschätzt.

Klimawandel zeigt sich
«Die Auswirkungen des Klimawandels zeigen sich in höheren Temperaturen, steigenden Meeresspiegeln, unregelmässigeren Niederschlägen und stärkeren Wetterextremen», erklärte Swiss-Re-Katastrophenexperte Martin Bertogg im Communiqué.

Da gleichzeitig die städtische Entwicklung rasant voranschreitet und die Anhäufung von Wohlstand in katastrophengefährdeten Gebieten zunimmt, führen sekundäre Naturgefahren wie Winterstürme, Hagel, Überschwemmungen oder Waldbrände zu immer höheren Katastrophenschäden.

Die bisherige Erfahrung im laufenden Jahr unterstreicht die zunehmende Gefahr dieser Risiken, da immer grössere Teile der Gesellschaft Extremwetterereignissen ausgesetzt seien, erklärte Bertogg. So habe etwa der Wintersturm «Uri» zu Schäden geführt, deren Ausmass mit Spitzenrisiken wie etwa Hurrikanen vergleichbar seien.

Serie von Katastrophen
Und seither reihte sich Extremereignis an Extremereignis: Ende Juni herrschte im Westen Kanadas und im Nordwesten der USA an mehreren Tagen extreme Hitze mit Rekordtemperaturen von über 45 Grad. Dadurch kam es zu Waldbränden, die sich in südlicher Richtung nach Kalifornien ausbreiteten.

Im Juli hatten dann verheerende Überschwemmungen Zerstörung und Tote in Europa und China zur Folge. Die Überschwemmungen in Mitteleuropa werden sich nach Schätzungen des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft allein in Deutschland auf 4,5 bis 5,5 Milliarden Euro belaufen.

In China führten schwere Überschwemmungen in der Provinz Henan zu versicherten Schäden von umgerechnet 1,7 Milliarden Dollar, wie die chinesische Banken- und Versicherungsaufsicht schätzt. Die Schäden der jüngsten Feuersbrünste in der Türkei, Griechenland und Italien sind noch nicht abschätzbar. (awp/mc/ps)

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