Swiss Re: Versicherte Katastrophenschäden steigen um einen Drittel

Swiss Re: Versicherte Katastrophenschäden steigen um einen Drittel
Golden Gate Bridge in San Francisco im September 2020: Die Sonne vermochte selbst am Mittag nicht mehr durch den Rauch der nahen Waldbrände zu dringen.

Zürich – Naturgefahren wie Windstürme, Waldbrände oder Überschwemmungen haben 2020 deutlich grössere Schäden verursacht als noch im letzten Jahr. Die Kosten für die Versicherungsbranche trieben vor allem schwere Gewitter und Waldbrände in den USA in die Höhe.

Die Ökonomen des Swiss Re Institutes schätzen die rund um den Globus durch Katastrophen verursachten wirtschaftlichen Gesamtschäden auf 187 Milliarden US-Dollar. Damit ist die Schadenlast gegenüber 2019 um einen Viertel angewachsen, wie es in der am Dienstag veröffentlichten Sigma-Studie heisst.

Von den gesamtwirtschaftlichen Schäden tragen die Versicherer gemäss den Sigma-Schätzungen 83 Milliarden Dollar mit. Im Vergleich zum Vorjahr sind das 20 Milliarden oder knapp ein Drittel mehr. Damit werde das Jahr 2020 zum fünfteuersten für die Versicherungsindustrie, schreibt die Swiss Re.

In der Schadenbilanz nicht enthalten sind die Kosten, welche durch die Coronakrise ausgelöst wurden.

Schwere Gewitter und Waldbrände
Die Swiss Re-Experten unterscheiden zwischen Naturkatastrophen und von Menschenhand verursachten Katastrophen. Dabei kletterten die versicherten Schäden aus Naturkatastrophen im laufenden Jahr um geschätzt 40 Prozent auf 76 Milliarden Dollar in die Höhe, während die sogenannten „Man-Made“-Schäden um 17 Prozent auf 7 Milliarden zurückgegangen sind.

Grund für den Anstieg in der Katastrophenbilanz der Versicherer waren laut Swiss Re die rekordhohe Zahl schwerer Konvektionsgewitter mit Tornados, Überschwemmungen und Hagel sowie die Waldbrände in den USA. Diese Ereignisse verursachten rund 70 Prozent der versicherten Schäden aus Naturkatastrophen.

Als äusserst aktiv bezeichnet Swiss Re auch die Hurrikansaison im Nordatlantik, wobei die Versicherungsschäden daraus mit 20 Milliarden Dollar im Vergleich zu den Rekordsaisons 2005 und 2017 moderat ausfielen. 2005 belasteten Hurrikane (u.a. „Katrina“) die Bilanzen der Versicherer mit 87 Milliarden. 2017 betrug die Last nach der Hurrikanserie „Harvey“, „Irma“ und „Maria“ gar 97 Milliarden.

Insgesamt tobten laut Swiss Re im zu Ende gehenden Jahr mit 30 nach internationalen Standards benannten Hurrikanen soviele wie noch nie im Atlantik. Allein fünf davon seien im US-Bundesstaat Louisiana auf Land getroffen – auch das ist Rekord. Allerdings trafen die Hurrikane zumeist auf weniger dicht besiedelte Gebiete, was die eher geringen Schäden erkläre.

Klimawandel erhöht Unwetteraktivität
In Zukunft rechnen die Experten der Swiss Re mit nach wie vor mit einer „verstärkten Hurrikanaktivität“, wie es heisst. Grund dafür seien die veränderten Klimabedingungen. „Dies erhöht auch die Wahrscheinlichkeit, dass Hurrikane auf Land treffen und dort grosse Schäden anrichten“, wird Martin Bertogg, Chef Katastrophengefahren, in der Mitteilung zitiert.

Durch den Klimawandel dürften laut Swiss Re auch sekundäre Naturgefahrenereignisse und ihre Folgen schwerer ausfallen. Feuchtere Luft und steigende Temperaturen führten zu extremeren Wetterbedingungen und dies begünstige das Eintreten und die Ausbreitung von Waldbränden, Sturmfluten oder Überschwemmungen, heisst es. (awp/mc/ps)

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