Swissquote 2011: Höherer Reingewinn

Marc Bürki

Swissquote-CEO Marc Bürki.

Gland – Der Online-Broker Swissquote hat im Geschäftsjahr 2011 von der Vollübernahme des Devisenhändlers ACM profitiert und den Gewinn deutlich verbessert. Das unsichere Finanzmarktumfeld führte allerdings zu schwachen Kundenaktivitäten und einem verlangsamten Neugeldzufluss. Für das laufende Jahr rechnet das Unternehmen mit weiterem Kunden- und Ertragswachstum.

Den Gesamtertrag konnte Swissquote um 23% auf den neuen Höchststand von 128,4 Mio CHF steigern, wie das Unternehmen am Freitag mitteilte. Wegen dem schwachen vierten Quartal liege das Resultat etwas unter den Erwartungen, räumte CEO Marc Bürki an der Medienkonferenz ein. Der Reingewinn der Online-Bank verbesserte sich um 49% auf 31,4 Mio CHF.

Weniger Transaktionen pro Kunde
Die wichtigste Ertragskomponente der Online-Bank, der Kommissionsertrag, nahm mit einem Plus von 2,4% nur geringfügig zu. Im Gesamtjahr lag die Anzahl der «Trades» pro Kunde und Jahr auf dem Tiefstand von 13,9. Im Handelsgeschäft resultierte ein Plus von 65% obwohl die «eForex»-Handelserträge ebenfalls unter dem starken Franken zu leiden hatten. Der Betriebsaufwand erhöhte sich um 25%. Zurückzuführen war der Anstieg vor allem auf den höheren Personalaufwand wegen der ACM-Übernahme. Die Online-Bank steigerte aber auch ihre Marketing-Aufwendungen deutlich. Der Betriebsgewinn fiel mit 40,0 Mio CHF um 18% über dem Vorjahr aus.

Depotvermögen gesunken

Die Zahl der Konten erhöhte sich gegenüber dem Vorjahr deutlich um 9,0% auf 187’497. Der Neugeldzufluss lag mit 926 Mio CHF allerdings klar unter dem Wert der Vorjahresperiode (1,48 Mrd) und verfehlte auch den Zielwert des Managements von 1 Mrd CHF. Die Depotvermögen gingen wegen der negativen Börsenentwicklung um 6,1% auf 7,54 Mrd CHF zurück. Der Generalversammlung wird die Zahlung einer verrechnungssteuerfreien Rückzahlung der Reserven aus Kapitaleinlagen von 1,04 CHF pro Aktie vorgeschlagen. Im Vorjahr hatten die Aktionäre eine Dividende von 0,60 CHF erhalten.

Regulatorische Probleme

Das immer strengere regulatorischen Umfeld in Europa bringt der Swissquote im Devisenhandels-Bereich immer ernstere Probleme, da in diesem Bereich der grössere Teil der Kunden aus dem Ausland stammt: «Wir müssen hier eine Lösung finden», betonte Bürki. Das Ziel sei es, noch im laufenden Jahr irgendwo in Europa «reguliert zu sein». Dies könne entweder durch eine Filialeröffnung in Europa oder durch die Übernahme eines Brokers im Ausland geschehen. Nicht mehr zur Diskussion steht für das Unternehmen dagegen derzeit die Übernahme einer Privatbank. Man habe sich auch mehrere zum Verkauf stehende Objekte mit verwalteten Vermögen zwischen 3 und 5 Mrd CHF angesehen. Oft bestehe die Hälfte der Assets aus Schwarzgeld, dazu kämen weitere juristische Risiken etwa durch US-Kunden.

Weiterer Neugeldzufluss erwartet

Im laufenden Geschäftsjahr will Swissquote deutlich wachsen und erwartet eine Zunahme des Ertrags und der Anzahl Kunden von rund 10%. Einen nennenswerten Anstieg der Kundenaktivität budgetiert das Unternehmen nicht. Im ersten Quartal 2012 hätten die Aktivitäten gegenüber dem Vorquartal wieder etwas angezogen, sagte Bürki. Im vierten Quartal 2011 lagen Transaktionen aber gerade noch bei 11 Trades pro Kunde und Jahr. Bezüglich Neugelder strebt Swissquote für 2012 erneut eine Summe von 1 Mrd CHF an. Nicht inbegriffen sind dabei die rund 400 Mio CHF aus der strategischen Zusammenarbeit mit dem Versicherer Swiss Life, sagte Bürki. Swissquote hat von Swiss Life die Abwicklung und Verwaltung der Anlage- und Sparkonten im Schweizer Markt übernommen. Per 1. Januar 2012 wurden rund 13’000 Konten zur Online-Bank transferiert.

Börse enttäuscht
An der Schweizer Börse wurde das Resultat mit Enttäuschung aufgenommen. Die Analysten zeigten sich über den schwachen Verlauf des vierten Quartals enttäuscht. Die Swissquote-Aktie notiert am frühen Freitagnachmittag mit 37,40 CHF um 7,7% unter dem Vortagesschluss. (awp/mc/upd/ps)

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