SYZ Asset Management: Aussichten 2017 – Murmeltiertag für Anleger?

SYZ Asset Management: Aussichten 2017 – Murmeltiertag für Anleger?
(Fotos: SYZ)

Die Experten von SYZ erläutern makroökonomische Szenarien und ihre Perspektiven für diverse Anlageklassen:

Genf – Wie im Spielfilm „Und täglich grüsst das Murmeltier“, in dem Bill Murray einen ahnungslosen Wettermoderator verkörpert, der ein und denselben Tag immer wieder erlebt, scheinen auch die Anleger in einer Endlosschleife gefangen. Jedes Mal, wenn sie glauben, sie hätten sich aus ihrer Lage befreit, das Nominalwachstum zöge endlich an und die Zentralbanken würden bald ihre Geldpolitik normalisieren, fängt dieselbe Geschichte wieder von vorne an.

Nun stellt sich die Frage, ob wir 2017 eine neue Geschichte erleben werden oder ob sich Anleger erneut trügerischen Hoffnungen hingeben müssen.

Vor diesem unsicheren Hintergrund bewerten wir makroökonomische Szenarios und wesentliche Anlageklassen, wobei sie die Chancen und Risiken in einem interessanten vor uns liegenden Jahr deutlich machen.

Makroökonomie

Politische Unsicherheiten untergraben positive globale Wirtschaftsaussichten
Die Momentaufnahme der Weltwirtschaft ist positiv, zumindest relativ im Vergleich zu Anfang 2016. Durch die Erholung im verarbeitenden Sektor sowie ermutigende Trends in mehreren Schwellenländern ergeben sich ausgewogenere globale Wachstumsaussichten. Diese positiven Faktoren haben Rezessions- und Deflationsängste zerstreut, während die Wahrscheinlichkeit von finanzpolitischen Stützen in den USA den Optimismus bei Anlegern nährt.

Auf der anderen Seite öffnet ein solches Szenario aber auch die Tür zu einer potenziell weniger expansiven Geldpolitik in den Industrieländern. Ausserdem ist mit den beiden politischen Erdbeben – dem Brexit in Grossbritannien und dem Wahlsieg von Donald Trump in den USA – das Risiko von unerwarteten Ausgängen deutlich geworden. Das verleiht der politischen Agenda in Europa mit ihren vielen Wahlterminen im kommenden Jahr zusätzliche Schärfe. In Anbetracht einer Vielzahl von Komponenten, die sich in Bewegung befinden, ist die Unsicherheit rund um einen positiven makroökonomischen Ausblick beträchtlich gewachsen.

Industriestaaten: staatliche Ausgaben gegenüber wirtschaftlicher Straffung
Ordentliche US-Wirtschaftsdaten haben den anhaltenden Trend der moderaten vom Konsum angetriebenen Expansion bestätigt, die 2016 für ein BIP-Wachstum von annähernd 2% sorgen wird. Der Wahlsieg von Donald Trump facht Spekulationen über eine Beschleunigung des Wachstums aufgrund von finanzpolitischen Massnahmen im nächsten Jahr an. Doch noch ist es schwer, die Auswirkungen zu quantifizieren, die möglicherweise in gewissem Umfang durch restriktivere finanzielle Bedingungen aufgewogen werden.

Finanzpolitische Fördermassnahmen wird es auch in Grossbritannien geben, um die erwartete Wachstumsabschwächung einzudämmen. Doch der durch das GBP herbeigeführte Inflationsdruck wird zusätzlich zu den Unsicherheiten im Zusammenhang mit dem Brexit für Gegenwind sorgen. Der Bank of England sind infolgedessen effektiv die Hände gebunden.

– Langsam bessernde Trends
Festes Wachstum in Deutschland und Spanien sowie sich langsam bessernde Trends in Frankreich und Italien werden den Euroraum auf Kurs für ein BIP-Wachstum von 1,5% halten und den Druck von der Europäischen Zentralbank nehmen. Indessen profitiert die Schweizer Wirtschaft zwar von der positiven europäischen und globalen Dynamik, aber ein stärkerer Schweizer Franken hängt immer noch wie ein Damokles-Schwert über den Aussichten des Landes. In Japan haben sich die Wirtschaftsindikatoren zusammen mit einem höher als erwartet ausgefallenen BIP etwas gebessert.

Schwellenländer: Indien legt zu, China stabilisiert sich
Das Wachstum hat sich in Indien, der nach wie vor am schnellsten wachsenden grossen Schwellenwirtschaft, weiter beschleunigt. Als Stützen wirken hierbei die Binnennachfrage, eine expansive Geldpolitik und Strukturreformen. In China haben die Folgen einer schwächeren Währung und die Impulse bei Immobilien im letzten Jahr zu einer Stabilisierung des Wachstums und einem nachlassenden Deflationsdruck geführt.

Die brasilianische Wirtschaft befindet sich immer noch im Prozess der Bodenbildung. Im nächsten Jahr wird sie sich aber voraussichtlich allmählich verbessern. Russland ist auf dem Weg, die Rezession hinter sich zu lassen. Ursächlich hierfür sind höhere Ölpreise und eine gestiegene Produktion. Der Rückgang der türkischen Lira leistet dem Inflationsdruck in der Türkei Vorschub. Das verstärkt Unsicherheiten für die gesamtwirtschaftlichen Aussichten. Der mexikanischen Wirtschaft hat die Wahl von Donald Trump einen direkten Schlag versetzt. Der Rückgang des Peso wird den Inflationsdruck wahrscheinlich verstärken und die Zentralbank zu einer weiteren Straffung der Geldpolitik veranlassen.

Anlagen

Anlagechancen: Hochstufung des Risikos, da sich politische Unsicherheiten in den USA klären
Nachdem die US-Wahl nun vorbei ist, ist auch eine der wesentlichen politischen Unsicherheiten dieses Herbstes verschwunden. Die Marktreaktion auf diesen tief greifenden politischen Wandel war in gewisser Weise unerwartet, denn Aktien und der US-Dollar legten zu und Staatsanleihen preisten einen Reflationsschock ein. Während unmittelbare allgemein- und geldpolitische Unsicherheiten nach wie vor bestehen (Abgelehntes Referendum über die Verfassung in Italien, Sitzung der EZB und Zinsentscheidung der US-Notenbank), muss man anerkennen, dass das Wahlergebnis auch mehr Klarheit gebracht hat. Von daher wurde die Risikobereitschaft leicht erhöht.

Aktienmärkte: Steigende Anleihenrenditen sind ein mögliches Hindernis für Aktienbewertungen
Während sich die Korrekturen von Unternehmensergebnissen weiterhin verbessert haben, kam es bei Anleihenrenditen ebenfalls zu beträchtlichen Verschiebungen. Insgesamt bleibt das Bild bei den Bewertungen weiterhin relativ trüb. Weiter steigende Staatsanleihenrenditen könnten für die nächste Zeit eine ernsthafte Herausforderung für Aktienbewertungen darstellen, wenn sich die Unternehmensgewinne nicht erholen.

– Nord-Amerika
In Bezug auf regionale Präferenzen sind die USA und Kanada vor dem Hintergund eines klaren Regimewechsels in der US-Politik nach dem Wahlsieg von Donald Trump hochgestuft worden. Die angekündigten potenziellen Steuersenkungen und die Konzentration auf Investitionen in die Infrastruktur haben an den US-Aktien-Märkten eine brillante Entwicklung ausgelöst. Sie wirken ausserdem als Katalysator für eine Sektorrotation von epischen Ausmassen, bei der zyklische Sektoren vorwärts stürmen – wohingegen defensive anleihenähnliche Sektoren weiter unter Druck stehen. In Anbetracht der extremen Positionierung von Anlegern in teuren und defensiven Aktien könnte sich diese Sektorrotation durchaus fortsetzen.

– Grossbritanien
Die Aussichten für britische Aktien sind weniger günstig, da ein erheblicher Teil der Aktienmarktrally und die besseren Bewertungen durch ein schwächeres Pfund ausgelöst wurden. Eine weitere Schwächung des britischen Pfunds ist nicht eindeutig.

– Asien
Weniger günstig sind auch asiatische Schwellenländer, zum Teil aus Gründen der Bewertung, überwiegend aber wegen der kurzfristigen negativen Stimmung rund um den Welthandel infolge des Ausgangs der US-Wahl.

Anleihen: An den Anleihenmärkten herrscht immer noch Selbstgefälligkeit
Auch wenn bei den Renditen an den wichtigsten westlichen Anleihenmärkten in den letzten Wochen erhebliche Korrekturen zu beobachten waren, wird an der vorsichtigen Haltung in Sachen Duration, die wir zu Beginn 2016 eingenommen haben, festgehalten.

Die Laufzeitprämie für 10-jährige US-Treasuries ist seit Ende September um mehr als 60 Basispunkte gestiegen. Sie ist aber immer noch deutlich niedriger (8 Basispunkte) als vor dem Taper Tantrum im Jahr 2013, als diese Risikoprämie innerhalb von ein paar Monaten von 24 Basispunkten auf 180 Basispunkte stieg. Zusammenfassend war der so genannte reflationäre Anleihenausverkauf der letzten Wochen lediglich eine Anpassung, die eine völlige Selbstzufriedenheit mit der US-Geldpolitik in ein immer noch ansehnliches Mass an Selbstgefälligkeit verwandelte.

– Grossbritannien & Deutschland relativ attraktiv
Innerhalb der westlichen Staatsanleihenmärkte weisen Grossbritannien und Deutschland eine etwas grössere Attraktivität auf. In Italien besteht weiterhin ein hohes Risiko, da sich aufgrund der Ablehnung des Referendums über die Verfassungsänderung, die politische Instabilität erhöhen könnte.

– Selektives Wertpotenzial bei Schwellenländeranleihen in harter Währung
Innerhalb der verschiedenen Anleihensegmente präsentieren sich Schwellenländeranleihen in harter Währung etwas attraktiver. Aufgrund der Aufwertung des US-Dollars und der Ängste, dass Donald Trump nach seinem Amtsantritt Handelsbeschränkungen verhängt, hat dieses Segment – speziell Mexiko, Südafrika und Türkei – beträchtlich gelitten. Türkische 10-jährige USD-Anleihen weisen z. B. höhere Renditen auf als nach dem Taper Tantrum im Jahr 2013 und sind dem Renditeniveau sehr nahe, das 2011 während des Ausverkaufs von Schwellenländeranleihen zu beobachten war, als die Türkei eine tief greifende Finanzierungskrise erlebte.

Währungen: Dollar-Optimisten werden möglicherweise enttäuscht
Längerfristig liegt die grosse Frage für Anleger 2017 in der Richtung des US-Dollars. Auch wenn kurzfristig durchaus noch einiges Aufwärtspotenzial für den US-Dollar besteht, sind wir längerfristig nicht so positiv gestimmt wie die Anlegergemeinschaft. Die Währung ist teuer und die aktuelle Stärke des US-Dollars hat bereits in erheblichem Umfang zur geldpolitischen Straffung in den USA beigetragen. Damit hat die US-Notenbank potenziell die Möglichkeit, eine etwas entspanntere Haltung einzunehmen als der Markt erwartet.

Entscheidung für eine flexible Asset-Allocation
Sich für einen flexiblen Ansatz in der Asset-Allocation zu entscheiden, ist für die nächste Zeit der beste Weg, um ein Portfolio an das vorübergehende reflationäre Umfeld anzupassen, auf das wir zusteuern. Für diese Art von Szenario sind Aktien und Rohstoffe unsere bevorzugten Anlagen.

Zwischen Aktien und Inflation besteht eine etwas uneinheitliche Beziehung, weil steigender Inflationsdruck die Zinsen möglicherweise in die Höhe treibt, was zunächst zu einer Abwertung an der Börse führt (höhere Zinsen haben niedrigere KGV zur Folge). Doch diese negativen Auswirkungen sollten nur von kurzer Dauer sein, danach dürften sich Aktien gut entwickeln. Längerfristig haben sich Aktien als guter Schutz vor Inflation erwiesen (Israel in den 1980er Jahren und Argentinien in der jüngsten Vergangenheit sind hierfür gute Beispiele).

Rohstoffe (Öl, Industriemetalle) werden von der steigenden Inflation ebenfalls profitieren. Auch Gold, das als alternative Währung anzusehen ist, wird in unserer Allokation bevorzugt. Nicht abgesicherte Positionen in Gold dürften eine gute Performance erreichen, insbesondere wenn die Währungsabwertung der Haupttreiber der Inflation ist (wie in Grossbritannien mit der drastischen Abwertung des Pfunds).

Da Anleihen durch eine steigende Inflation und steigende Zinsen wahrscheinlich belastet werden, sollten das Gesamtengagement in dieser Klasse verringert und die Duration reduziert werden. Auch wenn inflationsgebundene Anleihen dazu gedacht sind, das Inflationsrisiko abzusichern, sollten sie sorgfältig in Erwägung gezogen werden, da die reale Rendite möglicherweise negativ ist (wie dies tatsächlich in Grossbritannien der Fall ist).

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