T. Rowe Price: Plastik – besseres Management ist zwingend notwendig

Maria Elena Drew
von Maria Elena Drew, Director of Research, Responsible Investing bei T. Rowe Price. (Foto: zvg)

Der produktive Einsatz von Kunststoff und die negativen Folgen seiner Entsorgung sind grosse Nachhaltigkeitsprobleme, die die Welt lösen muss. T. Rowe Price ist jedoch der Ansicht, dass der Medienhype um den bevorstehenden Untergang des Kunststoffs und die daraus resultierenden Auswirkungen auf die Branche stark übertrieben ist. Die Analyse der Branchen und Sektoren, die am direktesten betroffen sind, unterstützt diese Sichtweise, und diese Erkenntnisse wiederum hilft bei wichtigen Investitionsentscheidungen.

Die weltweite Nachfrage nach Kunststoffen hat sich in den letzten 50 Jahren verzwanzigfacht. Die Internationale Energieagentur geht davon aus, dass die Nachfrage bis 2040 um weitere 45% steigen wird, wobei fast zwei Drittel dieses Wachstums auf Asien entfällt. Dass die Gesellschaft von Plastik besessen ist, lässt sich leicht nachvollziehen. Plastik ist günstig, leicht und langlebig. So kann der Verschwendung von Nahrungsmitteln durch eine Verlängerung der Haltbarkeit entgegengewirkt werden. Die Emissionswerte vom Automobilen können durch eine Reduktion des Gewichts von Fahrzeugen reduziert werden. Durch eine verbesserte Insolation von Gebäuden wird deren Energieeffizienz gesteigert.

Gleichzeitig sind jedoch die negativen Auswirkungen des Plastikmülls auf die Umwelt und die Gesundheit von Menschen und Tieren vielfältig. Schätzungen zufolge befinden sich aktuell mehr als 150 Millionen Tonnen Kunststoff im Ozean. Es wird vermutet, dass jährlich weitere 8-10 Millionen Tonnen in die Ozeane gelangen werden. Außerdem wird angenommen, dass bis 2050 mehr Plastik in den Ozeanen vorhanden sein könnte, als Fische. Schätzungsweise 25%-30% des Kunststoffabfalls verbleiben an Land, da er aus den Abfallsammelsystemen entweicht oder nie gesammelt wird. Beim Abbau dieser Kunststoffabfälle gelangen chemische Nebenprodukte in Boden, Grundwasser und Wasserwege.

Auf Deponien werden 40%-45% der Kunststoffabfälle verwahrt. In vielen Ländern führen jedoch schlechte Entsorgungspraktiken zu einer chemischen Versickerung in Boden und Gewässer. Bei sachgemässer Entsorgung können diese Umweltauswirkungen aber begrenzt werden. Die Verbrennung von Plastik hat negative Folgen, da sie Kohlenstoff in der Atmosphäre freisetzt. Bessere Verfahren wie die Hochtemperaturverbrennung können jedoch die Emissionsbelastung erheblich reduzieren, während die erzeugte Energie als Nebenprodukt verkauft werden kann.

Angesichts des Ausmasses des Entsorgungsproblems gehen wir davon aus, dass die Kunststoffindustrie in vier Kernbereichen grundlegend neu ausgerichtet wird: (1) reduzierter Verbrauch, (2) verstärktes Recycling, (3) erhöhte Verbrennung (Abfall zu Energie) und (4) Ersatz durch Kunststoffalternativen und/oder neue biologisch abbaubare Kunststoffe.

Das Wachstum des Bruttoinlandsprodukts wird zwar ein wichtiger Faktor in Bezug auf das Wachstum im Sektor Plastikverpackungen sein. Allerdings ist es auch eine Tatsache, dass Regulierungsbehörden, Unternehmen und Verbraucher daran interessiert sind, die mit Plastikverpackungen verbundenen Probleme am Ende ihres Lebenszyklus anzugehen. Dies gilt insbesondere für Nutzungen im Bereich der Lebensmittel- und Getränkeindustrie. Es ist also anzunehmen, dass dies die wichtigsten Erfolgsfaktoren für Verpackungsunternehmen sein werden: (1) Produktinnovation und (2) die Fähigkeit, ein zirkuläres Geschäftsmodell zu entwickeln.

Werden die verschiedenen Geschäftsauswirkungen berücksichtigt, die sich aus der Neuausrichtung zu einem nachhaltigeren Handeln ergeben können, gehört Kunststoff nicht zur Kategorie mit dem höchsten Risiko. Denn kostengünstige Substitute sind nicht ohne weiteres verfügbar, und viele der betroffenen Unternehmen werden schlussendlich sehr wahrscheinlich Lösungsanbieter sein, um Verpackungsprodukte in Bezug auf das Recycling-Problem anzupassen. (T. Rowe Price/mc)

T. Rowe Price

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