Tessiner KB legt Offerte für BSI vor – Nicht genannte Partner

Bernardino Bulla
BancaStato-CEO Bernardino Bulla.

BancaStato-CEO Bernardino Bulla.

Bellinzona / Zürich – Rund um den bevorstehenden Kauf der Tessiner Bank BSI meldet nun die Tessiner Kantonalbank (BancaStato) ihr Interesse an. Man habe kurz vor dem Jahresende 2015 zusammen mit zwei nicht genannten Partnern eine unverbindliche Absichtserklärung für den Kauf des Finanzinstituts deponiert, teilte die Bank am Donnerstag mit.

Die Bank habe daher den Tessiner Staatsrat informiert, heisst es weiter. Gegenüber der AWP wollte BancaStato-CEO Bernardino Bulla keine weiteren Angaben zum Profil oder auch der Nationalität der beiden Partner machen. Auch zur Höhe der Kaufofferte wollte er keine Angaben machen – er bezeichnete diese aber als «vernünftig».

Aufspaltung verhindern
Die BancaStato glaubt, der Kauf der BSI wäre eine «hervorragende Investitionsmöglichkeit» und von Interesse für den gesamten Finanzsektor. Zudem könne so eine drohende Aufspaltung der BSI vermieden werden. Sollte die Übernahme gelingen könnte man so «zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen», meint Bulla entsprechend.

Auch für die Tessiner Regierung sei es wichtig, dass die BSI in ihrer jetzigen Form und damit auch die Arbeitsplätze im Tessin erhalten bleiben, sagte der Tessiner Staatsrat Christian Vitta (FDP) am Donnerstag gegenüber dem Tessiner Radio RSI. Die BSI müsse eine Zukunft haben. Die Bank habe starke historische Wurzeln im Tessin und spiele eine zentrale Rolle für den Bankenplatz Lugano, betonte er.

Auch die BSI-Besitzerin, die brasilianische BTG Pactual, vermeldete am Donnerstag in einer Mitteilung eine «nicht verpflichtende Übernahmeofferte» für die Tessiner Bank. Der BTG-Verwaltungsrat habe seine Tessiner Tochter zur Aufnahme von Verhandlungen mit potenziellen Käufern autorisiert. Die brasilianische Bank hatte die BSI offiziell Mitte 2015 für eine Summe von gut 1,2 Mrd CHF übernommen, wobei sich die Übernahme wegen dem hängenden Verfahren im US-Steuerstreit verzögert hatte.

Bär und Sarasin sagen ab
Eine Absage gab es am Donnerstag von einem weiteren potenziellen BSI-Käufer: Julius Bär sei an einer Übernahme der Tessiner Bank «nicht wirklich interessiert», sagte Bär-CEO Boris Collardi am Donnerstag am Rande einer Veranstaltung in Bern. Die Zürcher Privatbank bestätigte die Aussage auf Anfrage von AWP.

Bereits am Vortag hatte die Bank J. Safra Sarasin, welche die «Handelszeitung» bereits als Käufer gemeldet hatte, gegenüber AWP ein Interesse dementiert. «Weder J. Safra Sarasin noch die Safra Group haben die Absicht BSI zu erwerben», sagte eine Sprecherin am Mittwochabend.

Bekanntlich braucht die brasilianische BTG Pactual Gruppe, in deren Besitz sich die BSI seit Mitte 2014 befindet, Liquidität. Die Bankengruppe steht im Zuge des Korruptionsskandals beim staatlichen Ölkonzern Petrobras unter Druck. Nach der Verhaftung des früheren Firmenchefs Andre Esteves hatten Kunden Gelder begonnen, Gelder abzuziehen. Auch bei der BSI kommt es zu Abflüssen von Kundengeldern, wie CEO Stefano Coduri im Dezember in einem Interview bestätigt hatte. (awp/mc/ps)

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