UBS-Chef Ermotti verabschiedet sich mit Gewinnsprung

UBS-Chef Ermotti verabschiedet sich mit Gewinnsprung
Sergio Ermotti, CEO UBS. (Foto: UBS)

Zürich – Die UBS hat im dritten Quartal 2020 einen Gewinnsprung hingelegt. Der Ende Monat abtretende Konzernchef Sergio Ermotti und sein Team übertrafen mit den präsentierten Zahlen auch die Erwartungen des Marktes deutlich. Profitiert hat die grösste Schweizer Bank von höheren Erträgen, aber auch von Einmaleffekten.

Nicht überraschend gab sich der langjährige UBS-Chef an seiner 36. und letzten Quartalszahlenpräsentation denn auch gut gelaunt. „Die Zahlen sprechen für sich selbst“, sagte er zu den Analysten, von denen viele seinen Weg über Jahre verfolgten und die ihn phasenweise auch harsch kritisierten.

Unter dem Strich verdiente die UBS in der Periode von Juli bis September trotz Coronakrise 2,1 Milliarden US-Dollar, was praktisch einer Verdopplung im Vergleich zum Vorjahreswert gleichkommt. Und der Vorsteuergewinn von 2,6 Milliarden war gar der Beste für ein drittes Quartal seit zehn Jahren.

Ertrag steigt um ein Viertel
Hauptgrund für die deutliche Gewinnsteigerung waren ein um mehr als ein Viertel gestiegener Geschäftsertrag von knapp 9 Milliarden Dollar sowie der Verkauf der Fondsvertriebsplattform Clearstream an die Deutsche Börse. Dieser hat der UBS einen Gewinn von über 600 Millionen in die Kassen gespült. Aber auch der Verkauf der Verkauf Commodity-Index-Familie sowie von Immobilien in Genf haben das Ergebnis positiv beeinflusst.

Sowohl die globale Vermögensverwaltungssparte als auch das Investment Banking und die institutionelle Vermögensverwaltung zeigten sich in sehr guter Form und konnten den Gewinn entsprechend deutlich steigern. Einzig das Schweizer Geschäft enttäuschte etwas mit einem Gewinneinbruch von 13 Prozent.

Hauptgrund für diesen Rückgang waren Wertberichtigungen für Kreditrisiken im Zusammenhang mit dem Wirtschaftseinbruch nach Corona in Höhe von 84 Millionen Franken. Davon entfielen über 50 Millionen auf einen Betrugsfall bei einer in der Rohstoffhandelsfinanzierung tätigen Gegenpartei, wie die Bank mitteilte.

Aber auch rückläufige Kreditkartengebühren und geringere Erträge aus Devisentransaktionen wirkten sich negativ aus. Schweizerinnen und Schweizer waren aufgrund der Pandemie weniger herumgereist, brauchten daher ihre Kreditkarten weniger und wechselten auch weniger Geld in andere Währungen.

„Stärker als je“
Vom Schweiz-Ergebnis liess Ermotti sich aber die Freude nicht verderben. „UBS hat ein erfolgreiches Business-Modell und ist stärker als jemals“, meinte er und bezog sich dabei sowohl auf operationelle, finanzielle wie auch strategische Belange.

Dass die Bank breit aufgestellt sei – sowohl in Bezug auf die Regionen wie auch auf die Divisionen, betonte Ermotti ebenfalls. So trugen etwa die Schweiz und die Region Asien-Pazifik je 28 Prozent zum Neunmonatsergebnis bei, die Region Americas 27 Prozent und der Raum EMEA 18 Prozent. Und nach Divisionen stammt 45 Prozent aus der Vermögensverwaltung für Privatkunden, 28 Prozent aus der Investmentbank, 15 Prozent aus dem Asset Management und 13 Prozent aus dem Schweiz-Geschäft (Division P&C).

Für seinen Nachfolger Ralph Hamers, der die Zügel Anfang November offiziell übernimmt, hatte er aufgrund dieser robusten und komfortablen Situation folgenden Rat parat: Er solle sich Zeit nehmen und keine schnellen Entscheide auf Druck von aussen fällen.

Unsicheres Umfeld
Dass das Umfeld aber schnell wieder ändern und der Druck auf den neuen CEO schnell wieder zunehmen kann, dessen sind sich auch die UBS-Oberen bewusst. Die zuletzt wieder gestiegenen Covid-Fallzahlen sorgten für erneute Verunsicherung und könnten den Erholungspfad beeinträchtigen, hiess es.

Und auch die wachsenden geopolitischen Spannungen und politischen Unsicherheiten (US-Wahlen etc.) könnten die Wachstumsaussichten trüben. Vor diesem Hintergrund sei es völlig offen, wie sich die Situation entwickeln werde. Verlässliche Voraussagen seien daher weiter schwierig.

Auf die Frage, was die UBS in Bezug auf die US-Präsidentschaftswahlen erwarte, liess sich Ermotti derweil nicht aus der Reserve locken. Er sagte lediglich, dass zwei Drittel der UBS-Kunden ihr Portfolio nach den Wahlen umschichten wollten.

An der Börse bescherte das Quartalsergebnis der Aktie klare Gewinne: Die UBS-Aktien legten am Dienstag um 2,7 Prozent zu in einem ansonsten leicht schwächeren Gesamtmarkt. Am Vortag waren die Titel der Grossbank im Vorfeld der Zahlenvorlage bereits um 3,0 Prozent gestiegen. (awp/mc/ps)

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