UBS stutzt Filialnetz in der Schweiz

UBS stutzt Filialnetz in der Schweiz
UBS-Hauptsitz am Zürcher Paradeplatz. (Foto: UBS)

Zürich – Die UBS zieht die Sparschraube in der Schweiz an. Vor allem das Filialnetz muss Federn lassen: Mehr als jeder fünfte Standort macht dicht. Zu Entlassungen kommt es aber vorerst nicht.

Konkret sollen per Ende März 44 der heute 240 Filialen geschlossen werden, wie am Dienstag offiziell bekannt wurde. Dabei handelt es sich vor allem um kleine Standorte. Am Montagabend hatten bereits die CH-Media-Zeitungen und später die «NZZ» über die Pläne berichtet. Die betroffenen Mitarbeiter – insgesamt rund 150 – sollen aber in anderen Geschäftsstellen oder Bereichen eingesetzt werden, wie ein Sprecher gegenüber der Nachrichtenagentur AWP sagte.

Zudem bittet die Grossbank vermögende Kunden in der Schweiz schneller zur Kasse. Die Schwelle, ab der private Kunden Negativzinsen bezahlen müssen, wird auf 250’000 Franken gesenkt. Man berücksichtige dabei aber die gesamte Kundenbeziehung, insbesondere Hypotheken und Anlagen, hiess es in einer internen Mitteilung, die AWP vorliegt.

Der Schritt weckt dennoch Befürchtungen eines anstehenden Grossabbaus in der Schweiz, wo gegen 21’000 Mitarbeiter (Stand Ende 2019) für die Grossbank arbeiten. Für den Schweizerischen Bankpersonalverband (SBPV) ist der Entscheid mitten in der Pandemie unverständlich: Dieser führe zu einer grssen Unsicherheit, allen voran für die Mitarbeitenden, aber auch für den Finanzplatz und habe Konsequenzen für die Gesamtwirtschaft, schrieb der Verband in einer Reaktion. Er fordert die Grossbank auf, die Filialschliessungen bis mindestens zum Ende der Corona-Pandemie zu sistieren.

Pandemie beschleunigt Wandel
Die Massnahmen erfolgen, kurz bevor Axel Lehmann Ende Monat die Leitung des Schweizer Geschäfts an seine Nachfolgerin Sabine Keller-Busse übergibt. Zuletzt hatte UBS Schweiz mit einem Gewinneinbruch von 13 Prozent im dritten Quartal enttäuscht. Das Geschäft litt unter der Coronakrise: So muss die Grossbank mit mehr Kreditausfällen rechnen und bekam die fast zum Stillstand gekommene Reisetätigkeit der Schweiz zu spüren. Die Kunden brauchten ihre Kreditkarten weniger und wechselten auch seltener Geld in Fremdwährungen.

Die Pandemie beschleunigte zudem den bereits laufenden Strukturwandel: Sie habe der Digitalisierung zusätzlichen Schub verliehen und gezeigt, dass bisherige Geschäftsmodelle angepasst und neu gedacht werden müssten, hiess es in einer internen Mitteilung zu den Schalterschliessungen. Gerade die letzten Monate hätten gezeigt, dass Nähe zum Kunden nicht einzig und allein über physische Präsenz definiert wird. Die UBS will nun die Kompetenzen in der Fernberatung und im digitalen Verkauf ausbauen.

Die Schaltertransaktionen seien dieses Jahr um rund 10 Prozent zurückgegangen, während die Nutzung des digitalen Angebots stark steige, sagte Lehmann in einem Interview mit der «NZZ». Die Pandemie sei aber keine Entschuldigung. «Es ist wie bei einem Dorflädeli: Wenn es zu wenig Leute besuchen, weil die Kunden ihre Güter online bestellen oder in der grösseren Filiale einkaufen, werden Sie diesen Laden auch nicht aufrechterhalten können», sagte er zu den Ladenschliessungen. Bereits 2020 hatte die UBS 28 Filialen dichtgemacht.

Abbau auf hohem Niveau
Der Trend hin zu weniger Filialen ist in der Schweiz seit einigen Jahren zu beobachten: Laut einer Statistik der Schweizerischen Nationalbank (SNB) schrumpfte die Zahl der Filialen zwischen 2009 und 2019 um knapp 18 Prozent auf 2448. Alleine bei den Grossbanken gingen in diesen zehn Jahren über 80 Standorte verloren. Auch die Credit Suisse hatte unlängst die Schliessung weiterer Filialen angekündigt. Im Sommer wurde mitgeteilt, dass nur noch 109 der 146 Standorte beibehalten würden.

Allerdings ist die Schweiz auch traditionell ein Land mit einer hohen Filialdichte. Laut einer Statistik der Weltbank kamen 2019 knapp 39 Filialen auf 100’000 Erwachsene. Zum Vergleich: In der EU liegt der Schnitt bei 23,5. Bankfilialen dürften auch in Zukunft ihren Platz in der Schweiz behalten. Webchats und Videoberatungen würden im Austausch zwischen Banken und Kunden an Gewicht gewinnen, hiess es auch in einer im Herbst veröffentlichten Retailbanken-Studie der Hochschule Luzern. Das wichtigste Instrument bleibe jedoch die persönliche Beratung in der Filiale.

Einige Banken wollen sogar ausbauen, wie etwa die Valiant. Sie hat sich vor rund einem Jahr vorgenommen, bis 2024 im Rahmen ihrer schweizweiten Expansionsstrategie 14 neue Geschäftsstellen zu eröffnen. Und auch die Migros Bank will ihr Filialnetz erweitern statt ausdünnen, wie ihr Chef Manuel Kunzelmann im September in einem Interview ankündigte. (awp/mc/pg)

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