Archegos wirft grossen Schatten auf UBS-Quartalsergebnis

Archegos wirft grossen Schatten auf UBS-Quartalsergebnis

Zürich – Die UBS hat im ersten Quartal zwar von der guten Entwicklung an den Finanzmärkten profitiert und mehr verdient als im Vorjahr. Ein noch deutlich besseres Ergebnis wurde indes durch einen überraschenden Verlust im Zusammenhang mit dem Kollaps des US-Hedgefonds Archegos verhindert. Die Aktie ist deutlich unter Druck geraten.

Nun also auch die UBS, ist man geneigt zu sagen: Auch die grösste Schweizer Bank ist von der Pleite des US-Hedgefonds Archegos betroffen. Es war zwar schon darüber spekuliert worden, dass die UBS bei diesem Geschäft auch dabei gewesen war. Allerdings hatte sich die Bank – im Gegensatz zur Credit Suisse – nicht dazu durchringen können, den erlittenen Verlust bereits im Vorfeld der Quartalszahlen öffentlich zu machen.

Umso überraschender dann die heutige Meldung: der Verlust mit dem Hedgefonds, der mit viel Fremdkapital auf steigende Technologieaktien gesetzt und verloren hatte, betrug im ersten Quartal 774 Millionen Dollar (434 Millionen auf Stufe Reingewinn), und im zweiten Quartal kommen nochmals 87 Millionen dazu. Das ist zwar weit weniger als die 5 Milliarden Franken, welche die CS mit Archegos in den Sand gesetzt hat, aber doch eine beträchtliche Summe und in dieser Grössenordnung viel höher als in Marktkreisen erwartet. Jedenfalls überschattete der Verlust die ansonsten guten Quartalszahlen fast gänzlich.

Viele Fragen
An einer Analystenkonferenz am Dienstagmorgen musste sich CEO Ralph Hamers, der erst seit November 2020 die Geschicke der Bank leitet, denn auch Kritik und zahlreiche Fragen zu dem Thema über sich ergehen lassen. Praktisch jeder Analyst, jede Analystin wollte wissen, wie es möglich ist, dass auch die UBS mit einem einzigen Kunden so viel Geld verlieren kann.

Richtig zufriedenstellende Antworten konnte Hamers allerdings keine geben. Er zeigte sich zwar «sehr enttäuscht» über den Verlust. Man führe nun eine detaillierte Prüfung der entsprechenden Prozesse im Risiko-Management durch und ergreife geeignete Massnahmen, um solche Vorfälle künftig zu vermeiden, hiess es. Er sprach allerdings auch von einem «idiosynkratischen Vorfall» – einem einzigartiges Ereignis also, das man kaum mit etwas anderem vergleichen kann. Und meinte: «Risiken sind Teil des Geschäfts. Wir werden die Sache beheben und daraus lernen.»

Am sogenannten Prime Brokerage-Geschäft mit den Hedgefonds will die UBS auch weiterhin festhalten. «Es ist für uns weiterhin strategisch wichtig», so Hamers. Ob man personelle Konsequenzen aus der Sache gezogen habe, wollte er nicht kommentieren. Irgendwelche Auflagen von der Schweizer Finanzmarktaufsicht Finma habe man deswegen nicht erhalten, sagte er weiter. «Es läuft derzeit jedenfalls kein Enforcement-Verfahren gegen die UBS.»

Gute Zahlen abgesehen von Archegos
Wenn der Vorfall nicht geschehen wäre, hätte die UBS dank der Hochstimmung an den Finanzmärkten ein richtig gutes Ergebnis erzielt. Nun ist es halt nur ein gutes geworden. Sie erzielte in der Periode von Januar bis März einen Reingewinn von 1,82 Milliarden US-Dollar, was einem Plus von 14 Prozent im Vergleich zum Vorjahreswert entspricht. Vor Steuern lag der Gewinn bei 2,30 Milliarden, was ebenfalls einem Plus von 14 Prozent entspricht.

Alle Kundensegmente hätten rekordhohe Aktivitäten verzeichnet, hiess es. Vor allem das Kerngeschäft mit der Vermögensverwaltung für wohlhabende Kunden sowie das Asset Management florierten. Bei der Investmentbank wurde hingegen der Archegos-Verlust verbucht, und das Schweizer Geschäft litt weiter unter der Corona-Pandemie.

Im Ausblick auf das laufende Jahr gab sich die Bank angesichts der Unsicherheiten weiter vorsichtig. Im zweiten Quartal dürfte eine saisonal bedingt schwächere Kundenaktivität die Ertragslage beeinflussen, hiess es. Die Bank sei aber weiterhin «gut aufgestellt», um nachhaltigen Wert zu schaffen.

An der Börse kamen die heutigen News – wenig überraschend – nicht allzu gut an: Die Aktie notierte am frühen Nachmittag 3,0 Prozent tiefer auf 13,70 Franken. Erstmals seit längerem habe man wieder Umschichtungen aus UBS hin zu CS-Papieren gesehen, meinte ein Händler. (awp/mc/ps)

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