UBS: Ermotti verdient mehr als doppelt so viel wie Grübel

Sergio Ermotti

UBS-CEO Sergio Ermotti.

Zürich – Die UBS hat ihren Chef im vergangenen Jahr mit 6,4 Mio CHF Lohn und Bonus bedacht. Damit erhält Sergio Ermotti mehr als doppelt so viel Gehalt wie sein Vorgänger Oswald Grübel, der sich über die Jahre mit 3 Mio CHF Fixgehalt zufrieden gegeben hatte und keine Boni annahm.

Ermotti erhält seine Vergütung, die im am Donnerstag publizierten Geschäftsbericht aufgelistet ist, für neun Monate. Er gehört seit April 2011 zur UBS-Geschäftsleitung und wurde am 24. September Konzernchef, nachdem Grübel infolge eines Händlerskandals mit Milliardenschaden für die Bank zurückgetreten war.

Vergütung für Chefetage gekürzt
Gross sind die Boni teilweise immer noch: Das Grundgehalt für den Posten des CEO definiert die Bank bei 2,5 Mio CHF im Jahr, für ein Mitglied des Konzern-Managements bei 1,5 Mio CHF. Generell hat die Bank, die 2011 den Bonitopf für die 65’000 Mitarbeiter um 40% auf 2,6 Mrd CHF drastisch verkleinerte, die Vergütung für die Chefetage aber gekürzt. 2010 betrug diese 91 Mio CHF, in vergangenen Jahr belief sich der Betrag noch auf 70,1 Mio CHF und damit gut 20% tiefer. Der Rückgang des UBS-Gewinns – 2011 lag das Ergebnis mit 4,16 Mrd CHF fast um die Hälfte tiefer als 2010 – bekommen die Manager nun auch auf ihrer Gehaltsabrechnung zu spüren.

McCann Spitzenverdiener
Spitzenverdiener im Top-Management ist der Leiter der Vermögensverwaltung in Nord- und Südamerika, Robert McCann. Er bekam vom UBS-Verwaltungsrat eine Gesamtvergütung von 9,2 Mio CHF zugesprochen. Die UBS will so den Geschäftsverlauf in der jahrelangen Krisensparte belohnen. McCann schaffte die Trendwende.

Weniger für Kengeter
2010 hatte Investmentbank-Chef Carsten Kengeter den Top-Verdienst eingeheimst und 9,3 Mio CHF zugeteilt bekommen. Wieviel Kengeter 2011 erhielt, muss die UBS nicht veröffentlichen, denn im Geschäftsbericht stehen nur die Saläre des bestbezahlten Geschäftsleitungsmitglieds und des Konzernchefs. In Kengeters Abteilung ereignete sich der 2,3-Mrd-USD Verlust, den ein Händler in London angerichtet hatte und der zu Grübels Rücktritt führte. Kengeter war danach teilweise unter Beschuss geraten, blieb aber auf seinem Posten. 2011 schloss die Investmentbank tief in den roten Zahlen ab.

Strengere Regeln
Die Boni fliessen den Top-Managern nicht mehr wie früher zu grossen Teilen in bar, sondern vor allem in Aktien zu. Bei Gehältern über 250’000 CHF bzw. US-Dollar sind mindestens 60% der Boni Aktien. Ein Teil davon ist zeitlich befristet gesperrt oder kann erst im Lauf der Zeit abgerufen werden. Die Zuteilungen können unter gewissen Bedingungen verfallen. Mit solchen Bestimmungen sollen die Bankenlenker ein stärkeres Interesse daran entwickeln, dass es der Firma künftig gut geht und nicht einfach nach schnellen Profit gieren.

Dies ist eine Folge der Finanzkrise und zeigt laut Experten, dass sich die Rahmenbedingungen in der Vergütung geändert haben. Die direkte Beteiligung des Managements am Aktienkurs hat in den Augen von Vergütungsspezialisten den Charakter eines Malus›, wenn der Aktienkurs und damit der Unternehmenswert absackt.

Gewinn 74 Mio tiefer
Im Geschäftsbericht wurde weiter eine Anpassung des Nettogewinns 2011 aufgeführt. Die Bank musste ihren Reingewinn (nach Minderheiten) um 74 Mio CHF auf 4,16 Mrd nach unten anpassen. Es handelt sich dabei um Auswirkungen, welche nach der Publikation des Reingewinns für das vierte Quartal 2011 vorgenommen wurden. Die wichtigste Anpassung betrifft eine im März 2012 geschlossene Grundsatzvereinbarung mit einem Monoline-Versicherer.

Teilweise Immunität in Libor-Frage
Ausserdem kann die UBS in der sogenannten Libor-Affäre von bestimmten Behörden eine Ermässigung der Busse oder eine bedingte Immunität erwarten. Es habe entsprechende Zusicherungen für Strafmilderungen gegeben, schreibt die Bank ebenfalls im Geschäftsbericht, auch von der Weko. Vor weiteren Klagen ist die Bank dadurch generell aber nicht geschützt. (awp/mc/upd/ps)

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