UBS Q1: Gewinn über Erwartungen

Sergio Ermotti

UBS-Konzernchef Sergio Ermotti.

Zürich – Die Grossbank UBS hat im ersten Quartal des laufenden Geschäftsjahr 2013 dank der guten Stimmung an den Finanzmärkten und entsprechend aktivieren Kunden deutlich mehr verdient als erwartet. Ausserdem hat sie so viele neue Gelder erhalten, wie schon lange nicht mehr. Auch bezüglich der Kapitalausstattung sieht sich die Bank auf Kurs und hat die Quote von 10% (Basel III vollst. Umsetzung) bereits erreicht.

Wie die Bank am Dienstag mitteilte, hat sie im Berichtsquartal einen Reingewinn von 0,99 Mrd CHF erwirtschaftet, dies nach einem riesigen Verlust von 1,90 Mrd im Vorquartal bzw. einem ähnlich grossen Gewinn von 1,04 Mrd im entsprechenden Vorjahresquartal. Der Vorsteuergewinn erreichte 1,45 Mrd und enthält wie immer diverse Sonderfaktoren. So entstand etwa aus der Neubewertung der Verbindlichkeiten ein Verlust von 181 Mio CHF, dazu kamen Restrukturierungskosten von 246 Mio sowie diverse weitere kleinere Faktoren. Auf adjustierter Basis lag der Vorsteuergewinn insgesamt bei 1,90 Mrd CHF.

Nettoneugelder in der Höhe von 24 Mrd Franken
Die UBS ist offenbar auch für Kunden wieder attraktiver geworden, hat sie doch in ihren Vermögensverwaltungs-Einheiten Nettoneugelder von knapp 24 Mrd CHF erhalten. Dabei stammten 15 Mrd aus der Division Wealth Management, was laut den UBS-Angaben der höchste Quartalswert seit 2007 ist, und 9 Mrd vom Wealth Management Americas. Vermögen zog die Bank vor allem in den Schwellenländern und in Nord- und Südamerika an. Laut Konzernchef Sergio Ermotti macht die Bank aber auch in der Schweiz Fortschritte. Aufgrund der Neugelder und der Höherbewertung der bisherigen Vermögensbestände legten auch die verwalteten Vermögen im Vergleich zum Stand Ende 2012 um 143 Mrd auf 2’273 Mrd CHF zu.

«Führende Position» bezüglich Eigenkapital
Insgesamt stiegen die Erträge der Bank im Vergleich zum Vorquartal um ein Viertel auf 7,78 Mrd CHF, besonders stark war dabei das Plus in der Investment Bank (IB) mit +74% auf 2,78 Mrd. Auch auf Gewinnstufe entwickelte sich dieser Geschäftsteil stark und erreichte einen Vorsteuergewinn von 977 Mio, noch im letzten Quartal war das Ergebnis deutlich negativ. Vor allem in den Kernbereichen Aktien und Fremdwährungen erzielte die Bank starke Steigerungsraten.

Ermotti: Geschäftsmodell funktioniert in der Praxis
Konzernchef Sergio Ermotti zeigte sich denn auch sehr zufrieden: «Es ist zwar noch zu früh, um den Sieg auszurufen. Wir haben aber gezeigt, dass unser Geschäftsmodell in der Praxis funktioniert.» Obwohl die Märkte sich verbessert hätten, habe es noch Herausforderungen gegeben, entsprechend sei er sehr zufrieden mit der Leistung. Allerdings dürfte der Quartalsgewinn nicht einfach auf das Gesamtjahr 2013 hochgerechnet, meinte er.

Eigenkapitalquote steigt auf über 10 Prozent
Besonders stolz ist das Management auch bezüglich Kapitalisierung. Die Eigenkapitalquote (Basell III vollständige Umsetzung) erreichte mit 10,1% bereits die Schwelle, die langfristig erreicht werden muss. Die führende Position in dieser Beziehung sei ein Wettbewerbsvorteil für die Bank, so Ermotti.

Bruttomarge deutlich verbessert
Die Divisionen Wealth Management und Wealth Management Americas erzielten ebenfalls gegenüber dem Vorquartal deutlich bessere Werte mit einem Vorsteuergewinn von 664 Mio bzw. 234 Mio CHF. Die Bruttomarge im Wealth Management Geschäft, dem (neuen) Kern-Business der Bank, konnte nach einem schwachen Vorquartal wieder gesteigert werden, und zwar um 6 Basispunkte (BP) auf 91 BP (Q1 2012: 93 BP). Sie liegt damit aber weiterhin unter dem langfristigen Zielwert von 95 bis 105 BP. Laut Finanzchef Tom Naratil schaue man aber weniger die Performance von Quartal zu Quartal, sondern vor allem die längerfristige Entwicklung an, wie er in einem Briefing mit News-Journalisten sagte. Dabei sieht er die Bank auf Kurs.

Effizienz gesteigert
Auch die Effizienz konnte deutlich verbessert werden, so sank das Verhältnis zwischen Kosten und Erträgen (auf adj. Basis) auf 76% im ersten Quartal von 81% im Jahresdurchschnitt 2012. Die Anzahl der Vollzeitstellen auf Gruppenstufe ging in der Periode um knapp 850 auf knapp 61’800 Angestellte zurück. Kaum mehr weiter ging der Abbau der sogenannten risikogewichteten Assets, im IB nahmen sie gar leicht zu. Finanzchef Naratil zeigte sich diesbezüglich allerdings nicht beunruhigt und erklärte dies mit «technischen Gründen».

Die Zahlen lagen insgesamt deutlich über den Schätzungen der Analysten. Diese hatten etwa einen Ertrag von lediglich 6,74 Mrd geschätzt, einen Gewinn vor Steuern von 687 Mio CHF sowie einen Konzerngewinn von 510 Mio CHF.

Weiter vorsichtig
Mit Blick nach vorne bleibt die Grossbank weiter vorsichtig. Wohl hätten die Marktteilnehmer insbesondere zu Beginn des ersten Quartals wieder ein stärkeres Interesse gezeigt. Die jüngsten Ereignisse in Europa würden jedoch daran erinnern, dass die zugrunde liegenden strukturellen Herausforderungen weiterhin bestünden.

Die weiter ungelösten Probleme untern anderen in den Bereichen europäische Staatsverschuldung und Bankensystem, US-Haushalt sowie die globalen Wachstumsperspektiven haben nach Ansicht der UBS weiterhin Einfluss auf das Vertrauen der Kunden und damit auch auf den Aktivitätslevel. Dessen ungeachtet bleibt die Grossbank zuversichtlich, dass sie weiterhin Nettoneugelder anziehen werde. (awp/mc/pg)

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