UBS: Rückkauf des SNB-Stabfunds

Sergio Ermotti

UBS-CEO Sergio Ermotti.

Zürich – Die UBS hat ihre letzte Woche vorab vermeldeten Zahlen zum zweiten Quartal 2013 bestätigt. Sie spricht dabei von einer «soliden» Leistung in einem nach wie vor anspruchsvollen Umfeld. Sie gibt sich denn auch zurückhaltend für das laufende Quartal, bleibt aber trotzdem zuversichtlich im Hinblick auf neue Kundengelder. Und die Bank will im letzten Jahresviertel dann auch die faulen Papiere zurückkaufen, die sie auf dem Höhepunkt der Finanzkrise 2008 bei der Schweizerischen Nationalbank (SNB) im sogenannten Stabfund parkiert hat.

Die UBS beabsichtige, die Option für den Rückkauf des Eigenkapitalanteils der SNB-Zweckgesellschaft im vierten Quartal dieses Jahres auszuüben, teilte sie am Dienstag zusammen mit den detaillierten Quartalszahlen mit. Dadurch dürfte sich die BIZ-Kernkapitalquote (CET1) gemäss Basel III auf Basis einer vollständigen Umsetzung um weitere 70–90 Basispunkte verbessern. Der Rückkauf wird möglich, weil das Darlehen der SNB vollständig zurückbezahlt sein wird. Zu einem früheren Zeitpunkt hatte die SNB der Bank den Rückkauf noch verweigert, weil dies die Eigenkapitalsituation belastet hätte.

Bereits im Berichtsquartal hat die UBS weitere Fortschritte bezüglich Kapitalausstattung gemacht. Die Kernkapital-Quote (CET 1-Basel III vollständige Umsetzung) per Mitte Jahr lag – wie vorab bereits gemeldet – bei 11,2% nach 10,1% Ende März.

Restrukturierung geht weiter
Und die Bank arbeitet auch weiter an ihrer Restrukturierung hin zu einem verstärkten Fokus auf die Vermögensverwaltung und der Konzentration im Investmentbanking auf gewisse Kernbereiche. Sie hat entsprechend die risikogewichteten Aktiven um weitere 20 Mrd CHF auf noch 239 Mrd abgebaut und die Bilanz um 85 Mrd CHF auf noch 1’129 Mrd CHF verkleinern können. Die Zahl der Beschäftigten (FTE) sank im zweiten Quartal um gut 1’000 auf noch 60’754.

Trotz des relativ guten Geschäftsgangs hält die UBS an ihrem Ende 2012 im Rahmen der Fokussierung bekanntgegebenen Stellenabbau fest. Bis Ende Jahr dürfte der Bestand auf rund 60’000 Stellen sinken. Der Plan der Bank ist, 2015 noch rund 54’000 Mitarbeiter zu beschäftigen. Damit wären rund 10’000 Stellen weggefallen, rund ein Viertel davon in der Schweiz.

690 Mio Franken Gewinn
Unter dem Strich verdiente die Bank – wie letzte Woche bereits mitgeteilt – 690 Mio CHF. Das sind 30% weniger als im Vorquartal, aber rund ein Drittel mehr als im Vorjahr. Der adjustierte Gewinn vor Steuern erreichte 1’022 Mio CHF, auf rapportierter Basis waren es mit 1’020 Mio CHF unwesentlich weniger. Für einmal gab es nur zwei Effekte, die sich ausserdem gegenseitig mehr oder weniger ausglichen. Wie ebenfalls bereits berichtet, hat die UBS im Berichtsquartal ausserdem Kosten vor Steuern von insgesamt 865 Mio CHF für Rechtsfälle sowie sonstige Rückstellungen und Wertminderungen finanzieller Vermögenswerte verbucht.

Ermotti zufrieden
Konzernchef Sergio Ermotti zeigte sich in der Mitteilung erfreut: «Ich bin mit diesem Quartalsergebnis sehr zufrieden. Es zeigt, dass wir die richtige Strategie gewählt haben und bei der Umsetzung rascher vorankommen als geplant», wird er zitiert.

36 Mrd Franken Neugeld
Sehr angetan zeigte sich Ermotti von den Vermögensverwaltungs-Einheiten. Der Bereich Wealth Management habe unter Ausklammerung des Aufwands im Zusammenhang mit dem Steuerabkommen zwischen der Schweiz und Grossbritannien und von Restrukturierungskosten den höchsten Gewinn seit vier Jahren ausgewiesen. Er erreichte 557 Mio CHF, verglichen mit 664 Mio im Vorquartal, unter Ausklammerung des Aufwands resultierte ein Vorsteuergewinn von 711 Mio CHF. Die Bruttomarge sank zwar um einem Basispunkt auf 90 Basispunkte, da die durchschnittlichen verwalteten Vermögen rascher zunahmen als die Erträge, wie es hiess. Ein weiterer Grund dafür ist die Tatsache, dass ein Grossteil des Neugeldes von den sehr reichen Kunden komme, die zwar eine geringere Bruttomarge brächten, aber das Kosten/Ertragsverhältnis verbessern würden.

Wealth Management Americas wies einen Gewinn vor Steuern von 243 Mio CHF aus, verglichen mit 234 Mio CHF im Vorquartal. Insgesamt flossen den beiden Wealth-Management-Einheiten im bisherigen Jahresverlauf 36 Mrd CHF an Nettoneugeld zu, wovon knapp 13 Mrd im zweiten Quartal.

Die Investment Bank verzeichnete einen Gewinn vor Steuern von 775 Mio CHF, gegenüber 977 Mio im Vorquartal. Sowohl Corporate Client Solutions als auch Investor Client Services hätten niedrigere Erträge ausgewiesen, heisst es. Der Geschäftsaufwand verringerte sich aber um 18% auf 1’475 Mio CHF, vor allem aufgrund niedrigerer Abgrenzungen für variable Vergütungen.

Zurückhaltender Ausblick
Bezüglich der weiteren Entwicklung der Märkte gibt sich die UBS zurückhaltend. Im laufenden Quartal könnten das Kundenvertrauen und die Kundenaktivitäten unter den nach wie vor fehlenden Fortschritten bei der Staatsschuldenkrise in Europa, den Problemen im Bankensystem und den US-Haushaltsproblemen sowie dem durchwachsenen Ausblick für das Weltwirtschaftswachstum leiden, so die Einschätzung der Bank. Die Marktreaktion auf das mögliche Ende der quantitativen Lockerung in den USA zur Jahresmitte würden daran erinnern, dass die Herausforderungen trotz expansiver Geldpolitik rund um den Globus nicht gelöst seien.

Weitere Ergebnisverbesserungen dürften unter den herrschenden Marktbedingungen deshalb unwahrscheinlich sein, so die UBS weiter. Zusammen mit dem saisonalen Rückgang der Aktivitäten infolge der Urlaubszeit dürfte dies Druck auf das Ertragswachstum, die Nettozinsmargen und den Nettoneugeldzufluss ausüben. Dennoch bleibt die Bankführung zuversichtlich, dass das eigene Vermögensverwaltungsgeschäft dank des Vertrauens der Kunden weiterhin Nettoneugelder anziehen wird und dass die ergriffenen Massnahmen den langfristigen Erfolg des Unternehmens gewährleisten und in Zukunft nachhaltige Renditen für unsere Aktionäre generieren werden.

UBS-Aktien gesucht
Die UBS-Aktien sind am Dienstagvormittag an der Schweizer Börse gefragt. UBS werden um 11.05 Uhr zu 18,25 CHF gehandelt und damit um 2,9% über dem Schlusskurs vom Montag.

Bank Vontobel: Resultat bereinigt massiv über den ursprünglichen Erwartungen
Für die Analysten hat die UBS im zweiten Quartal operativ erneut überzeugt. So sieht die Bank Vontobel ein «starkes» Resultat. Dieses liege auf bereinigter Basis massiv über den ursprünglichen Erwartungen, schreibt die ZKB in ihrem ersten Kommentar. Auch für die Analysten der Credit Suisse fielen die zugrundeliegenden Ergebnisse besser als erwartet aus.

Unter den Bereichen hat insbesondere die Investment Bank die Prognosen der Analysten deutlich übertroffen. Aber auch die Wealth Management Einheiten wie auch das Schweizer Retail-Geschäft hätten ihr starke Performance fortgesetzt, lobt J. Safra Sarasin.

Stabfund-Rückkauf steigert Dividenden-Erwartung
Die grösste Überraschung stellt für die Analysten indes die positiven Auswirkungen der für das vierte Quartal angekündigten Übernahme des SNB-Stabfunds auf die Kapitalquote dar. Die UBS erwartet aus der Transaktion eine Stärkung der BIZ-Kernkapitalquote (CET1) gemäss Basel III um weitere 70 bis 90 Basispunkte. Bislang gingen die meisten Analysten davon aus, dass eine solche Übernahme kapitalneutral ausfallen werde. Ausgehend von der zur Jahresmitte erreichten Kapitalquote von 11,2% beflügeln die Stabfunds-Pläne die Dividenden-Phantasie der Anleger für das nächste Jahr.

Am Markt wird trotz der bereits guten Performance der UBS-Titel im laufenden Jahr als Folge der heutigen Neuigkeiten mit weiteren Kurssteigerungen gerechnet. (awp/mc/pg)

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