Überraschend gutes Anlagejahr 2020 für die Vorsorgepläne von Schweizer Unternehmen im In- und Ausland

Überraschend gutes Anlagejahr 2020 für die Vorsorgepläne von Schweizer Unternehmen im In- und Ausland
(Bild: © Zerbor / AdobeStock)

Zürich – Nach einer raschen Erholung von der COVID-19-Krise liegt in den SLI-Unternehmen der durchschnittliche Deckungsgrad der Vorsorgeverpflichtungen per Ende Geschäftsjahr 2020 nur um rund 1% unter dem Vorjahresniveau. Die Entwicklung der Anlagemärkte im ersten Halbjahr stimmt für 2021 positiv.

Die international ausgerichtete Studie von Willis Towers Watson analysiert bei den 30 führenden SLI-Unternehmen in der Schweiz die Deckungssituation der Vorsorgeverpflichtungen in den Bilanzen sämtlicher leistungsorientierter Vorsorgepläne gemäss den internationalen Rechnungslegungsstandards IFRS und US-GAAP inner- und ausserhalb der Schweiz.

«Jedes Jahr beobachten wir die Märkte und prüfen die Auswirkungen auf die Vorsorgeverpflichtungen der Schweizer Unternehmen. Nach unserer Erfahrung und den Erkenntnissen aus unseren Studien ist das Thema Altersvorsorge bei Arbeitnehmern ein wichtiges Thema. Die Arbeitgeber sind bereit, Massnahmen zu entwickeln, um den künftigen Herausforderungen entgegenzutreten», erläutert Stephan Wildner, Head of Retirement bei Willis Towers Watson in Zürich.

Vorsorgeverpflichtungen, aber auch Deckungsgrad sinken
Im Vergleich zum Vorjahr sind die Vorsorgeverpflichtungen der analysierten SLI-Unternehmen um CHF 1.0 Mrd. gesunken (-0.1%). Im gleichen Zeitraum stieg das Planvermögen um CHF 3.0 Mrd. (+1.4%), sodass der aggregierte Deckungsgrad für die SLI-Unternehmen von 92% im 2019 um 1% auf 93% (2020) stieg. Der durchschnittliche Deckungsgrad, bei welchem alle Unternehmen gleichgewichtet werden, sank hingegen leicht von 85% auf 84%, weil neue im Index enthaltene Firmen einen tieferen Deckungsgrad haben als ausgeschiedene und weil für 2 Unternehmen Zahlen auf dem Höhepunkt der COVID 19-Krise per 31. März 2020 vorliegen.

Nachdem 2020 trotz COVID 19-Krise ein insgesamt positives Börsenjahr war, kommen die Aktienmärkte im ersten Halbjahr 2021 so richtig ins Fliegen. «Einerseits reflektiert diese Entwicklung das nach wie vor rekordtiefe Zinsumfeld, die Alternativlosigkeit zu Aktienanlagen als auch die Erholung der Realwirtschaft nach den Lockerungen der Massnahmen zur Pandemiebekämpfung. Andererseits stellt sich die Frage, was passieren wird, wenn die Zentralbanken vom Gas gehen müssen, um den Anstieg der Inflation zu verhindern, der sich am Horizont abzeichnet.», betont Peter Zanella, Pensionskassenexperte und Senior Director bei Willis Towers Watson in Zürich.

Finanzierungsbedarf Vorsorgepläne tiefer als befürchtet
Aufgrund der beobachteten Inflationstendenzen und den bereits rekordtiefen Leitzinsen der Notenbanken ist damit zu rechnen, dass die Diskontierungssätze zwar weiterhin tief bleiben, mittelfristig jedoch auch wieder steigen dürften. Deshalb und wegen einer Verlangsamung der in verschiedenen Ländern zu beobachtenden Zunahme der Lebenserwartung ist es trotz der immer stärker werdenden Rentnerbelastung möglich, dass der Finanzierungsbedarf der Vorsorgepläne sich mittelfristig weniger stark erhöhen wird als bisher befürchtet.

«Diese Entwicklungen sowie die guten Anlageergebnisse der letzten Monate sollten uns dennoch nicht unvorsichtig werden lassen. Es bleibt wichtig, entlastende Massnahmen in Betracht zu ziehen, um jederzeit flexibel und aus eigener Kraft auf unerwartete Krisen reagieren zu können», sagt Peter Zanella. «Die Einführung von 1e-Plänen oder die Anpassung der Leistungsparameter sowie der Finanzierung helfen weiterhin, die Verpflichtungen zu stabilisieren. Die Optimierung der Anlagestrategie unter Berücksichtigung von weiteren Kriterien wie Nachhaltigkeit und ESG-Trends kann dazu dienen, die erwarteten Vermögenserträge bei gleichbleibendem Risiko zu erhöhen. Damit können bessere Bedingungen sowohl für die Arbeitnehmer als auch für die Arbeitgeber geschaffen werden, um die kommenden Herausforderungen zu meistern», ergänzt Zanella.

Die Schweiz fällt im internationalen Vergleich zurück
Der durchschnittliche Deckungsgrad in (US-)Unternehmen, zusammengefasst im Willis Towers Watson Pension 100 Index, ist von 88% auf 90% gestiegen (2019 vs. 2020). Damit fällt die Schweiz (2019: 85%, 2020: 84%) gegenüber den US-Plänen wieder etwas zurück. Der Deckungsgrad der DAX-Unternehmen verzeichnete ebenfalls einen Rückgang von 66% (2019) auf 65% (2020). Im Vergleich zu anderen Ländern schneidet die Schweiz schlechter ab, was vor allem auf das viel tiefere Zinsniveau infolge der Negativzinspolitik der Schweizer Nationalbank zurückzuführen ist. (WTW/mc)

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