US-Notenbank lässt Leitzins wie erwartet unverändert

Janet Yellen
Janet Yellen, scheidende Fed-Chefin. (Foto: © United States Government Work)

Janet Yellen, Chefin US-Notenbank Federal Reserve. (© US Government Work)

Washington – Mit einer positiveren Bewertung der Weltwirtschaft lässt die US-Notenbank Fed die Tür für eine baldige Leitzinserhöhung einen kleinen Spalt weit offen. Ein klares Signal für eine Anhebung auf der nächsten Sitzung Mitte Juni gab sie jedoch nicht. Der am Mittwoch veröffentlichte Kommentar zu ihrer Zinsentscheidung wurde nur wenig verändert. Ihren Leitzins hatte die Notenbank zuvor wie erwartet in einer Spanne von 0,25 bis 0,50 Prozent belassen. An den Finanzmärkten wird eine Wahrscheinlichkeit für eine Zinsanhebung im Juni weiterhin bei nur knapp 20 Prozent gesehen.

Die wirtschaftliche Entwicklung dürfte lediglich eine „graduelle Anhebung“ der Leitzinsen erfordern, hiess es im Kommentar der Notenbank. Diese Aussage machte die Fed auch schon nach ihrer letzten Sitzung im Mitte März. Allerdings bezeichnete sie die Entwicklung der Weltwirtschaft und der Finanzmärkte nicht mehr wie bisher als „Risiko“. Man wolle die Entwicklungen aber weiter „genau beobachten“. Zu Jahresbeginn hatten noch die Turbulenzen an den Aktienmärkten und die Schwäche einiger Schwellenländer für Verunsicherung gesorgt und waren ein Argument für die abwartende Politik der Fed gewesen.

Arbeitsmarkt bessert sich weiter – Wachstum schwächt sich ab
Die jüngste wirtschaftliche Entwicklung in den USA war nach Einschätzung der Fed zwiespältig. Die Bedingungen am amerikanischen Arbeitsmarkt hätten sich weiter verbessert. Gleichzeitig habe sich das Wirtschaftswachstum offenbar abgeschwächt. Der Anstieg der Ausgaben der privaten Haushalte habe sich verringert, gleichzeitig seien die Einkommen nach oben geklettert.

„Der Kommentar enthält nur wenige Veränderungen im Vergleich zum März“, schrieb USA-Chefvolkswirt Harm Bandholz von der UniCredit. Entscheidend seien die günstigeren Aussagen zur Weltwirtschaft und den Finanzmärkten. Diese würden die Tür für eine Zinserhöhung im Juni offen halten. Commerzbank-Volkswirt Bernd Weidensteiner ist sich jedoch angesichts der geringen Veränderungen sicher, dass der Zins unverändert bleibt. „Die Fed spielt offensichtlich auf Sicherheit und scheint vor dem zweiten Zinsschritt zu zögern.“

Widersprüchliche Entwicklung
Die US-Notenbank sitzt derzeit zwischen den Stühlen. Einerseits hat sich die Stimmung an den Finanzmärkten in den vergangenen Wochen aufgehellt und auch die Furcht vor einer weltweiten Wachstumsabschwächung ist zurückgegangen. Andererseits enttäuschten zuletzt eine Reihe von US-Konjunkturdaten. Die Fed hat sich nach Einschätzung der BayernLB bemüht, die wirtschaftliche Schwäche nicht zu sehr in den Fokus zu stellen.

Die Finanzmärkte schauen jetzt besonders auf die nächste im Sitzung Juni, in deren Anschluss eine Pressekonferenz stattfindet, auf der eine Zinserhöhung erklärt werden könnte. Zudem werden neue Projektionen veröffentlicht. Auf der letzten Sitzung im März waren die Währungshüter noch von zwei Anhebungen in diesem Jahr ausgegangen. Kommentare von Fed-Vertretern zur weiteren Zinspolitik waren zuletzt widersprüchlich ausgefallen.

George stimmt für Zinsanhebung
Die Entscheidung, die Zinsen nicht anzutasten, war von Volkswirten und Finanzmärkten erwartet worden. Damit haben die US-Währungshüter zum dritten Mal in Folge den Zins unangetastet gelassen. Mitte Dezember hatte die Notenbank erstmals seit der Finanzkrise den Leitzins angehoben. Allerdings fiel die Entscheidung im geldpolitischen Ausschuss nicht einstimmig. Wie schon auf der letzten Sitzung sprach sich Esther George, Präsidentin der regionalen Notenbank von Kansas, für eine Leitzinsanhebung aus. (awp/mc/pg)

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