US-Notenbank: Wirtschaft wächst weiter – starker Dollar belastet

USA
(Bild: Les Cunliffe - Fotolia.com)

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Washington – Die amerikanische Wirtschaft ist laut dem Konjunkturbericht der US-Notenbank Fed weiter auf Wachstumskurs. Unter dem Strich sei das Wirtschaftswachstum von Mitte August bis Anfang Oktober allerdings nur mässig gewesen, hiess es in dem am Mittwoch veröffentlichten Beige Book. Neun der zwölf Notenbankbezirke hätten von einem mässigen bis moderatem Wachstum berichtet. In zwei Bezirken sei das Tempo höher gewesen, in einem Distrikt sei das Wachstum etwas geringer ausgefallen.

In einigen Bezirken habe der starke Dollar die Aktivität in der Industrie und im Tourismussektor belastet, hiess es in dem Bericht. Das deckt sich mit zuletzt veröffentlichten Konjunkturzahlen aus dem verarbeitenden Gewerbe. Dort waren nicht nur Produktionszahlen meist hinter den Erwartungen zurückgeblieben, auch wichtige Stimmungsindikatoren wie der ISM-Einkaufsmanagerindex hatten sich eingetrübt. Analysten hatten das auch auf die starke US-Währung zurückgeführt.

Konsumausgaben moderat gestiegen
Die Ausgaben der Verbraucher seien zuletzt moderat gestiegen, hiess es im Beige Book. Der Immobilienmarkt habe seine Erholung fortgesetzt, Preise und Verkaufszahlen seien in fast allen Regionen gestiegen. Auch der Arbeitsmarkt habe sich weiter verbessert, wobei in einigen Bezirken bereits von Engpässen bei der Suche nach geeigneten Arbeitskräften die Rede gewesen sei. Vor allem hochqualifizierte Kräfte seien nicht mehr einfach zu finden. Das Lohnwachstum sei zwar verhalten geblieben, vereinzelt habe es aber auch auch Berichte über erhöhten Lohndruck gegeben.

An den Finanzmärkten geriet der US-Dollar nach Veröffentlichung des Berichts weiter unter Druck. Die Renditen amerikanischer Staatsanleihen fielen ebenfalls weiter zurück. Die Entwicklung spiegelt die zunehmende Skepsis an den Märkten wider, ob die Fed tatsächlich noch in diesem Jahr mit Zinsanhebungen beginnt. Die Wahrscheinlichkeit dafür beträgt – gemessen an speziellen Finanzkontrakten – mittlerweile nicht mal mehr ein Drittel.

Zinswende noch später?
Wichtigste Gründe für die Zweifel an der Zinswende sind die sich eintrübende konjunkturelle Lage, die schwache Inflation, der starke Dollar und die Wachstumsschwäche vieler Schwellenländer. Die Marktteilnehmer zweifeln zusehends daran, dass die Fed in einem derart unwägbaren Umfeld ihre Geldpolitik strafft.

Hinzu kommt, dass sich zuletzt zwei Mitglieder des Direktoriums der US-Notenbank gegen eine rasche Zinsanhebung ausgesprochen haben. Dies wurde an den Märkten stark beachtet, weil die Fed-Direktoren in aller Regel nicht gegen die Fed-Führung stimmen, sondern deren Position stützen. Laut dem Analysehaus Moody’s Analytics ist es in den vergangenen 20 Jahren erst zweimal vorgekommen, dass Direktoren in Zinsbeschlüssen gegen die Fed-Führung votiert haben.

Der Konjunkturbericht der Notenbank stellt eine Ansammlung von Äusserungen aus der Wirtschaft dar, nicht die Einschätzung der Fed. Der aktuelle Bericht wurde von der regionalen Notenbank von New York erstellt und umfasst den Zeitraum vom 24. August bis zum 5. Oktober. (awp/mc/ps)

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