Vermögensverwaltung weiter unter Druck

Anlage

Zürich – Der erhoffte Aufschwung im Vermögensverwaltungsgeschäft ist ausgeblieben. Laut einer Umfrage des Beratungsunternehmens McKinsey bei mehr als 160 Banken in 26 Ländern nahmen 2011 die verwalteten Vermögen durch Kursverluste ab und die Gewinne stagnierten. In Europa brachten volatile Kapitalmärkte, zunehmende Regulierung und vorsichtigere Kunden das traditionelle Angebots- und Beratungsmodell der Privatbanken unter Druck, wie McKinsey in der am Montag publizierten Studie bilanzierte.

In der Schweiz sanken die Gewinne im Private Banking sogar. Die Gewinnmarge (Gewinn im Verhältnis zu den verwalteten Vermögen) ging im Durchschnitt von 23% im Vorjahr auf 22% zurück. Vor der Finanzkrise im Jahr 2006 hatte sie noch 40% betragen. Demgegenüber blieb der Kostenanteil mit 66% im vergangenen Jahr gegenüber 2006 (65%) praktisch unverändert. Gestiegen sind im letzten Jahr die Kosten insbesondere für Verwaltung und Informatik sowie Regulierung und Risikomanagement. Und auch die Frankenstärke wirkte sich aus: Während viele Kosten in Franken anfielen, sanken die Erträge aus anderen, schwächeren Währungen.

Schwieriges Umfeld
Als Reaktion auf das schwierige Marktumfeld haben die Banken die Anlageschwerpunkte der Kundengelder verändert. So sank der Anteil von Aktien in den Portfolios der Schweizer Privatbanken von 23 auf 22%. Der Anteil an festverzinslichen Wertpapieren sowie Festgeldern erhöhte sich hingegen von 56 auf 58%. Dies wertete McKinsey-Experte Jens Hagel klares Indiz für den verstärkten Wunsch der Kunden nach Sicherheit und Liquidität.

In Europa sei das Umfeld herausfordernder denn je, erklärte Hagel. Die Privatbanken müssten Wege finden, Kunden aus Wachstumsmärkten anzulocken. Zudem sollten die Investmentansätze und Beratungsmodelle erneuert und die operative Effizienz erhöht werden. Die Schweizer Privatbanken hätten in den letzten Jahren Zuflüsse aus Wachstumsmärkten verzeichnen können, während Luxemburg bei Superreichen in Europa punktete.

Bedeutende Unterschiede
Die verwalteten Vermögen der westeuropäischen Privatbanken schrumpften 2011 insgesamt um 3%. Die Nettozuflüsse betrugen nur 1%, was nicht ausreichte, um die schlechte Marktperformance von minus 4% zu kompensieren. Die Gewinnmarge verharrte auf tiefen 24%, 12 Prozentpunkte unter den Spitzenwerten von 2005 bis 2007. Gleichzeitig erzielten laut der McKinsey-Studie die einzelnen Banken sehr unterschiedliche Ergebnisse. Am robustesten entwickelten sich die Private-Banking-Bereiche der Universalbanken auf ihrem Heimmarkt.

Die unabhängigen Boutiquen konnten zwar Marktanteile gewinnen, wurden wegen der stärkeren Spezialisierung auf das Anlagegeschäft bei den Erträgen aber härter getroffen. Viele internationale Anbieter erwischte die Krise bei ihrem Engagement im Ausland hart – weder konnten sie Neukundengelder gewinnen noch ihre Profitabilität verbessern. (awp/mc/ps)

McKinsey

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