Versicherer: SST-Vorschriften führen zu höherem Kapitalbedarf

Versicherungen

Zürich – Die seit 2011 geltenden Kapitalvorschriften für Schweizer Versicherungen bzw. der Swiss Solvency Test (SST) dürften gemäss einer Studie zu einem erhöhten Kapitalbedarf führen. Als Folge davon rechnen die Versicherer vor allem in der Kranken- und Lebensversicherung mit einem Prämienanstieg.

In der Studie wurden im Auftrag von Ernst & Young insgesamt 50 führende Kranken-, Schaden-, Lebens- und Rückversicherer befragt. Dabei waren 56% der Meinung, dass der SST die Nachfrage nach Eigenkapital erhöhen wird. Beim Hybridkapital gingen 36% der Unternehmen von einem solchen Effekt aus. Zudem erwarteten 46% der Versicherer, dass das neue Solvenzregime die Nachfrage nach Rückversicherungskapazität steigern wird, wie das Beratungsunternehmen am Donnerstag mitteilte.

Prämienanstieg bei Kranken- und Lebensversicherungen
Die Versicherer dürften mit einem Mix von zusätzlichem Eigenkapital, Hybridkapital sowie zusätzlicher Rückversicherungsdeckung die SST-Anforderungen erfüllen, so die Einschätzung von Hans-Jürgen Wolter, Partner und Leiter European Actuarial Services bei Ernst & Young. Ein Prämienanstieg wird insbesondere bei Kranken- und Lebensversicherungen erwartet, da mit steigenden regulatorischen Verwaltungskosten zu rechnen sei. Ausserdem dürfte sich der SST im Geschäft mit Lebensversicherungen negativ auf die angebotenen Garantien auswirken.

Veränderungen auch in beruflicher Vorsorge
Es bestehe die Gefahr, dass die Lebensversicherer die Garantien auf die Kunden überwälzten oder gewisse Produkte gar nicht mehr anböten, so Ernst & Young. Veränderungen seien auch in der beruflichen Vorsorge zu erwarten. Weitere BVG-Versicherer könnten infolge des SST aus dem Vollversicherungsmodell oder dem Kollektivversicherungsgeschäft aussteigen. 60% der befragten Versicherer sorgen sich auch vor Wettbewerbsverzerrungen mit den europäischen Konkurrenten. Diese folgen den Solvency-II-Vorschriften, die mit dem SST nicht deckungsgleich seien.

Verbesserungen in der Geschäftssteuerung
Rund zwei Drittel der Unternehmen fordern daher, dass die beiden Regulationssysteme bezüglich Leistung und Gegenleistung äquivalent sein sollten. Besonders vehement sprechen sich Rückversicherer dafür aus, um in den europäischen Ländern anerkannt werden zu können. Eine Mehrheit der Unternehmen spricht sich den Angaben zufolge sogar für eine spätere Zusammenlegung von SST und Solvency II aus. Die meisten Versicherungen sind auch der Meinung, dass die Einführung des SST Verbesserungen in der Geschäftssteuerung gebracht hat. Insbesondere im Asset und Liability Management, in der Budgetierung und im Kapitalmanagement hätten sich die Versicherer stark verbessert, heisst es. (awp/mc/ps)

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