Von Griechenlands Tragödie zu Amerikas Schuldenstreit

Griechenland

Griechenland: Kommt am Ende doch der Schuldenschnitt?

Zürich – Am übergeordneten Bild hat sich auch im jüngsten Quartal nichts geändert: Weltwirtschaft und Finanzmärkte bleiben im Spannungsfeld zwischen prosperierenden Firmen (Mikroebene) und überschuldeten, politisch und gesellschaftlich zerstrittenen westlichen Volkswirtschaften (Makroebene) gefangen. Positive Unternehmenszahlen, rege M&A-Aktivität und zunächst ermutigende Wirtschaftsdaten beflügelten die Börsen bis Ende April. Schuldenkrisen, Naturkatastrophen und arabische Revolutionen traten dabei etwas in den Hintergrund.

Im Mai flammte die Griechenland-Krise (wohl nicht zum letzten Mal) erneut auf. Schlechtere Wirtschaftsdaten, das auslaufende «QE II»-Programm und schwindender Risikoappetit taten ihr Übriges, um im Mai und Juni wieder für Abgabedruck zu sorgen. Die Freigabe der EU-Liquiditätsspritze zur vorläufigen Abwendung der griechischen Staatspleite und die überraschende Entscheidung der Internationalen Energieagentur (IEA), die strategischen Ölreserven anzuzapfen, halfen den Börsen zum Quartalsende hin wieder auf die Beine. Aus diesem Auf und Ab der Märkte bei geringen Volatilitäten resultierte per Saldo trotzdem keine erwähnenswerte Aktienrendite. Einzig der deutsche Aktienmarkt (DAX +5%) und die allgemein hohen Dividendenausschüttungen wussten zu gefallen.

Preise an Rohstoffmärkten extrem in Bewegung
Immerhin, wer auf die Bereiche Pharma (+7%), Automobil (+7%) oder Nahrung (+5%) gesetzt hatte, konnte sich freuen. An der Schweizer Börse (SMI -3%) hinterliess der weiter erstarkende Franken (+9% vs. USD, +7% vs. EUR, +9% vs. GBP!) leider Bremsspuren. Aussergewöhnlich waren die extremen Preisbewegungen der Rohstoffmärkte, wo nebst Öl (-4%) und Silber (-8%) auch Basismetalle und Nahrungsmittel nach anfänglich starken Kursavancen teilweise massiv korrigierten. Einzig Gold entzog sich wieder einmal dank seiner Sonderrolle dem allgemeinen Abwärtstrend (+5%). Bei den kurzfristigen Zinsen hat sich seit der Zinserhöhung der EZB im April nichts mehr bewegt. Am anderen Ende der Zinskurve manifestierten sich dagegen das Griechenland-Drama und die Wirtschaftsabschwächung in Form sinkender Staatsanleihen-Renditen.

Washington zankt um Budgetdefizit
Wie schon in früheren Berichten erwähnt, wird uns die westliche Schuldenkrise noch lange ein lästiger Begleiter sein. Leider gibt es kein Patentrezept für den schnellen Abbau der aufgetürmten Schuldenberge. In den nächsten Wochen sollte sich das Augenmerk der Investoren deshalb vor allem auf die andere Seite des Atlantiks richten, wo ein heftiger Streit um Budgetdefizit und Schuldenobergrenze tobt. Auch steht die «Earnings-Season» wieder vor der Türe. Hier könnten sich die Gewinnerwartungen für einmal als zu optimistisch erweisen. Und es muss sich zuerst weisen, wie gut die Finanzmärkte das Wegfallen des «QE II»-Programmes verkraften.

Höhere Volatilitäten zumindest für Juli erwartet
Aufgrund dieser Faktoren rechnen wir zumindest für den Juli mit höheren Volatilitäten. Wir sehen diesmal aber auch Chancen für positiv überraschende Wirtschaftsdaten. In Kombination mit einer lockeren Geldpolitik und moderaten Bewertungen sollte sich dies – über einen 3-Monats-Horizont betrachtet – positiv auf Aktien auswirken, zumal wir vorerst von einem seitwärts tendierenden Ölpreis und von abnehmendem Inflationsdruck in den Schwellenländern ausgehen. Wir favorisieren weiterhin weltweit operierende Firmen in Wachstumsbranchen mit starker Preissetzungsmacht.

Banken- und Versicherungswerte meiden
Meiden würden wir derzeit Banken- und Versicherungswerte, die von regulatorischem Übereifer und von hohem Rekapitalisierungsbedarf bedroht sind. Die Leitzinsen werden sich voraussichtlich nur in Europa leicht erhöhen. Besonders in den USA dürfte die Normalisierung der expansiven Geldpolitik noch länger auf sich warten lassen, denn negative Realzinsen eignen sich zum Schuldenabbau. Genau deshalb halten wir auch an Gold fest.

Frankenstärke dürfte anhalten
Die langfristigen Zinsen wiederum scheinen bereits ein recht düsteres Makrobild vorwegzunehmen. Wir erachten leicht höhere Zinsen am langen Ende für wahrscheinlicher. Das Risiko sehr hoher Renditen scheint aber vorerst gering, weshalb Zinsanstiege von tradingorientierten Anlegern für Zukäufe genutzt werden könnten. Währungsseitig weisen wir schon länger auf die fundamentale Überbewertung des CHF hin. Aufgrund der grossen Ungleichgewichte zwischen «gesunden» und «kranken» Volkswirtschaften könnte dieser Zustand noch länger anhalten. Trotzdem rechnen wir mit einem (leicht) stärkeren USD vs. CHF (Richtung 0.9) bzw. vs. EUR (Richtung 1.39) und mit einem schwächeren CHF vs. EUR (1.25). Längerfristig bleiben EUR und USD wegen der Schuldensituation unter Druck. (Privatbank IHAG/mc/ps)

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