Weltweite Handelsforderungen mit sehr hohem oder schwerwiegendem Risiko behaftet

Weltweite Handelsforderungen mit sehr hohem oder schwerwiegendem Risiko behaftet
Jan Möllmann, CEO Allianz Trade in der Schweiz. (Foto: Allianz Trade)

Wallisellen – Allianz Trade hat die vierte Ausgabe ihres Inkasso-Rankings veröffentlicht. Es bietet eine klare Einschätzung darüber, wie einfach – oder schwierig – es für Unternehmen ist, unbezahlte Rechnungen in 52 Volkswirtschaften einzutreiben. Diese 52 Länder machen 90 % des globalen BIP und Handels aus. Nach Angaben des weltweit führenden Anbieters von Warenkreditversicherungen liegt die globale Komplexität des Inkassos mit 47,2 von 100 Punkten auf einem «hohen» Niveau.

Schweiz auf sehr gutem 5. Rang
Im Vergleich zum Ranking von 2022 hat sich die Schweiz um einen Rang verbessert und liegt auf dem ausgezeichneten 5. Platz von 52 untersuchten Ländern (Score 33). Das Zahlungsverhalten Schweizer Unternehmen ist sehr gut. Die meisten Zahlungen erfolgen in der Regel im Voraus oder innerhalb von 30 Tagen. Inländische Gerichte sind relativ effizient bei der zeitnahen Bearbeitung von Streitfällen, dennoch bleibt die aussergerichtliche Eintreibung von Forderungen die effektivste Methode. «Obwohl die Schweiz Mechanismen zur Förderung von Umschuldungen und Unternehmensrettungen eingeführt hat, bleibt die Liquidation derzeit das Standardverfahren», erläutert Jan Möllmann, CEO Allianz Trade in der Schweiz, «ungesicherte Gläubiger haben somit kaum Chancen, Forderungen von insolventen Schuldnern einzutreiben. Speziell für kleine und mittlere Unternehmen kann das Ausbleiben von Zahlungen rasch existenzbedrohend werden. Unternehmen tun grundsätzlich gut daran, Bonitäten zu prüfen und Zahlungsausfälle abzusichern.»

Die globale Komplexität nimmt etwas ab, aber das Inkassoverfahren bleibt eine grosse Herausforderung für Unternehmen
Das Ranking des Indexes hat vier Stufen der Komplexität: «gering» (Wert unter 40), «hoch» (zwischen 40 und 50), «sehr hoch» (50 bis 60) und «schwerwiegend» (über 60). Der weltweite Durchschnitt liegt geringfügig unter dem Wert der Ausgabe 2022 (49/100) und spiegelt eine geringere Risikostreuung wider: Ein geringerer Anteil der Länder fällt nun unter die Kategorien «schwerwiegend» (15% gegenüber 16% im Jahr 2022) und «sehr hoch» (21% gegenüber 29%), während der Anteil der Kategorien «hoch» (29% gegenüber 24%) und «gering» (35 % gegenüber 31%) gestiegen ist. Angesichts der weltweit weiterhin hohen Zahl von Unternehmensinsolvenzen und der zunehmenden globalen Fragmentierung aufgrund sich verändernder Handelsmuster, volatiler protektionistischer Tendenzen, geopolitischer Spannungen und wachsender digitaler Risiken wird das Inkasso für Unternehmen, insbesondere für Exporteure, jedoch immer komplexer werden.

«Wir schätzen, dass 48% der internationalen Handelsforderungen in Ländern mit einer «sehr hohen» (22%) oder «schwerwiegenden» (26%) Komplexität liegen. Im Vergleich zu 2022 ist dies ein geringfügiger Anstieg (+1 Prozentpunkt), jedoch aufgrund des wachsenden globalen Handels ein deutlicher Anstieg des absoluten Wertes auf 1,1 Billionen US-Dollar. Insolvenzverfahren machen nach wie vor den Grossteil der Komplexität beim Inkasso in allen Regionen aus. Insbesondere die lokalen Zahlungsgewohnheiten sind der Hauptgrund für die Komplexität des Inkassos im Nahen Osten, während gerichtliche Komplexitäten in Westeuropa weniger häufig sind als im Nahen Osten, in Afrika und Lateinamerika. Diese strukturellen Faktoren erklären, warum das internationale Inkasso weltweit nach wie vor ein schwieriger Prozess ist», erläutert Fabrice Desnos, Mitglied der Geschäftsleitung von Allianz Trade, zuständig für Credit Intelligence, Rückversicherung und Bürgschaften.

Saudi-Arabien, Mexiko und die VAE sind die komplexesten Märkte für die Schuldeneintreibung
Unter Berücksichtigung lokaler Zahlungspraktiken, Gerichts- und Insolvenzverfahren stellt Allianz Trade fest, dass in Deutschland, den Niederlanden und Portugal die internationalen Schulden am leichtesten einzutreiben sind, während es in Saudi-Arabien, Mexiko und die VAE am herausforderndsten ist.

«Internationale Schuldeneintreibung ist in Saudi-Arabien fast dreimal so komplex wie in Deutschland. Letzteres ist jedoch hinsichtlich des internationalen Inkassos nicht ganz unkompliziert. In diesem Zusammenhang hat sich die Kluft zwischen fortgeschrittenen Volkswirtschaften und Schwellenländern im Laufe der Zeit, insbesondere in Asien, allmählich verringert, aber sie bleibt bestehen. Die meisten fortgeschrittenen Volkswirtschaften haben ein «geringes» Mass an Inkasso-Komplexität. Im Durchschnitt sind der Nahe Osten und Afrika die beiden komplexesten Regionen», erklärt Pascal Personne, Leiter der Gruppenschadens- und Inkassoabteilung bei Allianz Trade.

Geschäfte in Next Generation Trade Hubs zu machen, erfordert Selektivität
Inmitten der strukturellen Veränderungen des globalen Handelssystems entstehen neue Handelszentren, die zu Verbindungsgliedern in neuen Handelsrouten werden, und neue Produktionszentren. Trotz ihrer Attraktivität bleibt die Eintreibung von Forderungen eine Herausforderung für Exporteure in diese Märkte, was die bestehenden Länderrisiken noch verstärkt.

«In einer Welt, die von Geopolitik, Protektionismus und den Auswirkungen des Klimawandels gespalten ist, beschreitet der globale Handel neue Wege. Aber aufstrebende «Handelszentren der nächsten Generation», darunter die Vereinigten Arabischen Emirate, Vietnam und Malaysia, weisen mit einer durchschnittlichen Punktzahl von 62 eine «schwerwiegende» Komplexität bei der Zahlungsabwicklung auf. Obwohl diese Märkte im aktuellen Kontext zunehmend an Bedeutung gewinnen, erfordert dies Selektivität und ein engmaschiges Kreditmanagement, wenn man erwägt, dort mehr Geschäfte zu tätigen», fügt Maxime Lemerle, leitender Analyst für Insolvenzforschung bei Allianz Trade, hinzu. (Allianz Trade/mc/ps)

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